AdUnit Billboard
Nationaltheater

Vor April kein Programm in „Opal“

Bau der Ersatzspielstätte für die Oper an der Theodor-Heuss-Anlage verzögert sich insbesondere wegen der technischen Ausstattung

Von 
Peter W. Ragge
Lesedauer: 
Der Bau klappte, die technische Inneneinrichtung nicht: Oper-Ersatzspielstätte an der Theodor-Heuss-Anlage. © Thomas Tröster

Im Sommerurlaub, am Mittelmeerstrand, sei er noch ganz beruhigt gewesen, sagt Opernintendant Albrecht Puhlmann. Denn Mitte August bestätigte das Bauunternehmen per Brief, dass der geplante Eröffnungstermin am 17. Dezember zu halten ist. Aber nun kam plötzlich „die Hiobsbotschaft“, so Puhlmann. „Opal“, die an der Theodor-Heuss-Anlage entstehende „Oper am Luisenpark“ als eine der Ersatzspielstätten des Nationaltheaters während der Generalsanierung, verzögert sich um mehrere Monate.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Es ist nicht das erste Problem. Eigentlich wollten Schauspiel und Opern gemeinsam ihre Spielzeit im Dezember eröffnen – jeder an einem anderen Ort. Aber schon im Juli wurde bekannt, dass das Schauspiel das frühere Kino der amerikanischen Wohnsiedlung Benjamin-Franklin-Village, das derzeit als Ersatzspielstätte umgebaut wird, doch nicht so früh nutzen kann wie gedacht. Dort soll es nun erst am 10. Februar losgehen, „voraussichtlich“, wie es immer noch heißt. Schauspielintendant Christian Holtzhauer bekennt, er sei aber „guten Mutes und Optimist“.

Lieferketten und Krieg

Sein Kollege von der Oper, Albrecht Puhlmann, versucht das auch. In der Spielzeitbroschüre stehen die Termine für „Opal“ zwar ab Dezember drin – sie war längst gedruckt, als die schlechte Nachricht kam. Doch man werde „den Termin im Dezember nicht halten können“, so Puhlmann. Und genau legt er sich nicht fest, wann es wirklich losgehen kann. „Ich gehe davon aus, dass wir vor April dort werden kein Programm machen können“, sagt er nur vorsichtig, schließlich müsse auch geprobt werden. Dann bemüht er Straßenkehrer Beppo, eine Figur aus Michael Endes Roman „Momo“. „Besenstreich für Besenstrich“ müsse man nun vorgehen, werde die Planung der Oper ebenso wie der gleichfalls betroffenen Tanz-Sparte überarbeiten und der Baufirma „natürlich Druck machen“, so Puhlmann. „Mit Hochdruck“ erarbeite das Theater mit Baufirma und Zulieferern einen neuen, an die Situation angepassten Bauzeitenplan. Die Produktion „CRÉATIONS Schöpfungsgeschichten“ unter der Leitung des neuen Kapellmeisters Salvatore Percacciolo und in der Regie von Lorenzo Fioroni, eine speziell inszenierte Operngala mit Teilen alter Bühnenbildern und, so Puhlmann, „opulentem Kostümbild“, soll weiter die Eröffnungspremiere sein – wenn auch deutlich später.

Mehr zum Thema

Nationaltheater

Warum die Mannheimer Oper öfter auf die Seebühne will

Veröffentlicht
Von
Peter W. Ragge
Mehr erfahren
Nationaltheater

Wie die Saison am Nationaltheater mit einer Hiobs-Botschaft startet

Veröffentlicht
Von
Stefan M. Dettlinger
Mehr erfahren

Kommentar Darum ist der Opernspielplan am NTM arg dünn ausgefallen

Veröffentlicht
Kommentar von
Stefan M. Dettlinger
Mehr erfahren

Als Grund für die Verzögerung nannte Puhlmann nur allgemein „die gesellschaftliche Situation, Lieferketten und den Krieg“. Tilmann Pröllochs, der neue Geschäftsführende Intendant, präzisierte, die Fertigstellung der Gebäudehülle sei „nicht das Problem“ und bis zur Sommerpause im Zeitplan gewesen – wobei im Mai mal von einer vierzehntägigen Verzögerung die Rede war. Laut Pröllochs ist es indes die „sehr spezielle Technik“, die zu den Terminschwierigkeiten führe. „Das fängt bei der Lüftung an und endet bei der Inspizientenanlage“, meint er, also jenem Pult, von dem aus die Vorstellung und die Einsätze der Mitwirkenden gesteuert werden. Man habe „merken müssen, dass das eine der andere nicht so schnell geht, wie es geplant war“. Details, was genau betroffen ist, wollte die Baufirma bis zum Abend nicht sagen – eine Anfrage dieser Redaktion blieb unbeantwortet.

Festpreis vereinbart

Bereits beim Baubeginn im Februar hatten Mitarbeiter des Nationaltheaters eingeräumt, dass der enge Zeitplan „eigentlich kaum machbar“ sei, während die Firma das Ziel als „leistbar“ bezeichnete.

Errichtet wird das Gebäude auf dem früheren Oktoberfestplatz an der Theodor-Heuss-Anlage von der Firma metron Vilshofen GmbH. 1997 gegründet, ist das Unternehmen mit Tochterfirmen in New York und Shanghai auf Messen, Events sowie Bau- und Innenausbau von Firmengebäuden spezialisiert. Bei Automobilausstellungen zählen etwa Audi, VW, Porsche, Benz, Bugatti und MAN zu den Kunden.

Das Unternehmen verfügt über eine eigene Fertigungsstraße für Metall, eine Schreinerei und eine Lackiererei. Daher stand die Stahlhalle mit den Abmessungen 74,80 mal 32,50 Meter, die sich in die Bereiche Hinterbühne, je 20 Meter breite und tiefe Guckkastenbühne, Orchestergraben, Zuschauerraum für knapp 800 Besucher und Foyer gliedert, auch relativ schnell. Die Probleme tauchten jetzt beim Innenausbau auf. Die Auswirkungen auf die Kosten sind offen. Die Stadt hat einen Festpreis von 13,5 Millionen Euro netto vereinbart. Schließlich soll die Halle nur während der Generalsanierung stehen, dann von der Firma wieder abgebaut und weiterverwendet werden.

Redaktion Chefreporter

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1