„Erkennen Sie Mannheim? – Folge 161 - Gesucht war die Kirche St. Peter und Paul in Feudenheim Zwei Heilige – und ein Ehegespräch

Von 
Roger Scholl
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Wir hatten es ja versprochen: Nach dem schwersten aller je erdachten Rätsel in Folge 160 sollte es diesmal leichter werden. Nun, wir haben Wort gehalten – nicht eine einzige falsche Einsendung erreichte uns zur Folge 161, alle Rätsel-Freunde haben sie erkannt: die St. Peter und Paul Kirche in der Feudenheimer Hauptstraße. Peter Fischer hat die historische Aufnahme – sie stammt wohl aus den 1950er Jahren – zugesandt, ein Foto aus dem Album seines Vaters, für das wir uns herzlich bedanken. Und selbstverständlich gab es diesmal wieder viele Geschichten unserer Leser zu dem Gotteshaus. Sie handeln von Taufe und Kommunion, vom lauten Läuten, von der Kirchturmuhr – und von einem erfolgreichen Ehegespräch.

Wunderschöne Erst-Kommunion

Gewinner Folge 161

  • Der „Mannheimer Morgen“ und das Marchivum arbeiten bei der Serie „Erkennen Sie Mannheim?“ Hand in Hand.
  • In jeder Serienfolge werden unter den richtigen Einsendungen Bildbände, DVDs oder historische Schriften und Bücher vom Marchivum verlost.
  • Diesmal haben gewonnen: Klaus Mayer, Lothar Fähndrich und Sonja Eva Jene.
  • Die Folge 162 unserer Serie „Erkennen Sie Mannheim?“ erscheint am Mittwoch, 4. September. Eine Woche später, am Donnerstag, 12. September, werden die Auflösung und die Gewinner veröffentlicht. 
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Karlheinz Humenberger weiß noch genau, wie traurig es anzusehen war, als der hinteren Kirchenteil in den 1950er Jahren abgerissen wurde. „Wir konnten aus dem Fenster unseres Klassenzimmers den Abriss beobachten, unser Lehrer hat uns das Zuschauen erlaubt. Die Straße war total eingestaubt . . .“, schreibt er uns und findet es „nur schade um den schönen Altarraum“. Lothar Fähndrich ist 1958 in St. Peter und Paul zur Kommunion gegangen, auch die Kinder von Sabine Gerber wurde hier getauft und feierten im Gotteshaus ihre Erst-Kommunion.

Eine rührende Geschichte erzählt uns Sonja Eva Jene: „Ich ging mit meiner Schwester zusammen zur Heiligen Kommunion 1964. Unsere Mutter nähte uns wunderschöne weiße Kleider mit passenden kleinen Täschchen dazu.“ Sogar zum Frisör durften die Mädchen gehen – „ich bekam meinen ersten richtigen Haarschnitt und war sehr stolz“. Bei der Beichte vor der Kommunion gab die Mutter ihren Töchtern einen ganz pragmatischen Ratschlag: „Das Gebot ,Du sollst nicht ehebrechen’ war für Kinder ,Du sollst nicht naschen’. Unsere Mutter meinte, daran bräuchten wir uns nicht zu halten, da es nichts zu naschen gab.“

Kindheitserinnerungen verbindet auch Claudia Bohl-Ludwig mit St. Peter und Paul, sie – eine Tochter des Mannheimer Malers und Bildhauers Albert Ludwig – ist in Feudenheim aufgewachsen. Eines Sonntagmorgens schlief die Familie länger, nur die kleine Claudia, damals vier Jahre alt, war schon auf den Beinchen. Kurzerhand nahmen die katholischen Nachbarn das evangelische Mädchen mit in die Kirche: „Ich erfreute mich an der Pracht, an der Vielfalt der Farben und am Handlungsablauf“, weiß sie noch.

Die Sache mit dem Schlüssel

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Irma Pfliegensdörfer berichtet ebenfalls von einem folgenreichen Erlebnis rund um die Kirche. Sie wartete mit anderen Kindern auf den Pfarrer für den Kommunionunterricht. Plötzlich flog der Schlüsselbund des Geistlichen über die Gartenmauer – und landete in ihrem Gesicht. Dabei brach ihr ein kleines Stückchen Zahn ab, „es hat nicht wehgetan, nur erschrocken bin ich“. Dem Pfarrer tat das „sehr, sehr leid“, wie sie sich erinnert. Als „Wiedergutmachung“ gab es eine Tafel Schokolade.

Für Ingrid Grosam ist die Kirche „ein besonderer Ort. Dort durften mein Lebenspartner (77) und ich (71), am 25. April 2015 mit Pfarrer Lukas Glocker eine besondere Segensfeier erleben, die unsere damals seit fünf Jahren bestehende Verbindung weiter gefestigt hat.“ Auch Norbert Schöfer hat St. Peter und Paul sofort erkannt – und zwar an der Kirchturmuhr: „Ich fahre seit zehn Jahren mit der Linie 2 daran vorbei und schaue immer auf die Kirchturmuhr, um sicher zu sein, pünktlich zur Arbeit zu kommen. Sie kam mir direkt vertraut vor.“

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Michael Uhrig ist in Feudenheim geboren, seine Erinnerungen an die Kirche ist akustischer Natur: „Als Gymnasiast habe ich bis zum Abitur genau in der Mitte zwischen dieser Kirche und der evangelischen Johanneskirche gewohnt – und wurde regelmäßig vom Läuten der beiden Gotteshäuser geweckt.“, Harry Zepp ist ebenfalls „Ur-Feudenheimer“, wie er schreibt, für ihn war es daher „selbstverständlich, dass ich in dieser Kirche 1975 getraut wurde. Pfarrer war Arthur Spengler, und für meine Frau und mich war es eine Überraschung und Freude, dass meine früheren Spielkameraden unerwartet als Messdiener die Zeremonie mitgestalteten.“ Auch Edwin Darmstädters Erinnerungen ranken sich um die eigene Hochzeit – oder besser: um die Vorbereitung darauf. „Meine Frau und ich mussten 1986 dorthin zum Ehegespräch“, eine Pflicht, die sich offenbar ausgezahlt hat: „Es hat geholfen – wir sind immer noch verheiratet.“

Redaktion Lokalredaktion, Koordinator Stadtteilseiten

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