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Auflösung „Erkennen Sie Mannheim?“ – Folge 195

Vom Büffeln und Feiern

Viele ehemalige Schüler entdecken altes Gymnasium wieder

Von 
Lisa Wazulin
Lesedauer: 
Vom Rosengarten aus: die Stresemannstraße, Ecke Tullastraße samt Gymnasium und Schreiber-Laden. © Marchivum/Tröster

Ein alter Straßenname und eine Filiale, die es längst nicht mehr gibt – die aktuelle Folge von „Erkennen Sie Mannheim?“ hat für viel Rätselraten gesorgt. Schließlich heißt die heutige Stresemannstraße damals noch ganz anders: Einige Mannheimerinnen und Mannheimer kennen sie auch als Prinz-Wilhelm-Straße. Längst ist das imposante Gebäude mit seinen Erkern und Türmchen an der Ecke zur Tullastraße einem Neubau gewichen, weil es im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Gesucht war also das einstige Tulla-Gymnasium, das heute eine Realschule ist, sowie eine Filiale vom Lebensmittelhändler Johann Schreiber. Aufgenommen wurde das Foto von damals auf dem heutigen Gelände des Congress Centers Rosengarten.

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Die Gewinner

Der Mannheimer Morgen und das Marchivum arbeiten bei der Serie „Erkennen Sie Mannheim?“ Hand in Hand.

Unter den richtigen Einsendungen werden Bildbände, DVDs oder historische Schriften vom Marchivum verlost.

Als Gewinner der Folge 195 unserer Serie sind gezogen worden: Gabriele Legleiter, Klaus Hiltscher, Martin Eckert.

Folge 196 unserer Rätsel- Serie „Erkennen Sie Mannheim?“ erscheint am 3. August. lia

Tatsächlich haben dieses Foto und sein Blick auf ein längst vergessenes Gebäude bei vielen Lesern und Leserinnen Erinnerungen wachgerufen. Wie bei Leserin Ursula Müller: Sie weiß noch genau, wie sie „früher zum Schreiber zum Einkaufen“ geschickt wurde. „Ich glaube, es gab dort auch Rabattmarkenhefte“, schreibt Müller an diese Redaktion. Leser Jürgen Beres aus Niederfeld erinnert sich sogar noch an den Werbespruch des erfolgreichen Unternehmers mit vielen Filialen: „Die Hausfrau spricht: Was koch ich morgen? Schreiber nimmt dir alle Sorgen. Urahne, Großmutter, Mutter und Kind wissen, wo Schreiberläden sind. Jeder Zweifel ist verschwunden, Schreiber leistet Dienst am Kunden.“

Besonders viele Erinnerungen ruft aber das ehemalige Tulla-Gymnasium bei denjenigen hervor, die dort sogar ihr Abitur gemacht haben. So wie Leser Wilfried Engelhardt, dessen Schulweg täglich vom Wasserturm über die Tullastraße bis zur Bildungsanstalt geführt hat. 1954, schreibt Engelhardt, hatte der junge Schüler noch Abteilungsunterricht „mit dem ziemlich zerstörten Lessinggymnasium“, also je wöchentlich im Wechsel vormittags und nachmittags Schule.

Ehrenrunde und Studentenclub

Die Ecke auf dem gesuchten Bild wird auch Leser Martin Eckert aus Neckarau wohl immer im Gedächtnis bleiben – schließlich ist er dort jeden Tag auf dem Weg zu Schule vorbei gelaufen. Allerdings anfangs widerwillig, denn Eckert hatte eigentlich eine andere Schule für sein Abitur im Blick: „Ich wollte nicht, denn fast alle meine Klassenkameraden aus der Grundschule in Neckarau gingen ins ,Moll’ in der Neckarstadt“, schreibt der Leser. Am Ende aber blieb ihm keine Wahl, schließlich hatte schon der Vater hier Abitur gemacht. „Also ging’s in die Sexta A des Kurzschuljahrgangs 1966 am Tulla-Gymnasium.“

Von Mädchen fehlte bis dahin aber jede Spur, sie waren an der Jungenschule schlicht nicht erlaubt. Erst ab Mitte der 1960er Jahre öffnete sich die Bildungsanstalt auch für Schülerinnen. Ein Glück für Eckert, der zwar wegen zu schlechter Noten im Fach Latein, das er damals „für eine unnötige Sprache“ hält, und Mathematik sogar zwei Ehrenrunden drehen musste. „Das war mir zu dem Zeitpunkt aber weitgehend egal, da interessierten mich mehr die Mädels.“ Am Ende schafft auch Eckert das Abitur nach elf Jahren am Tulla-Gymnasium – mit einem „ganz ordentlichen Durchschnitt“.

„Tulla-Jungs und Lio-Mädels“

Dass den Frauen aber lange Zeit der Zugang zu diesem Gymnasium verwehrt wurde, hat Leserin Gabriele Legleiter selbst zu spüren bekommen: „Deshalb wurden meine Schwester und ich 1960 auf das Liselotte-Gymnasium geschickt, während unser älterer Bruder eine sehr erfolgreiche Schullaufbahn am Tulla-Gymnasium mit Abitur abschloss“, schreibt Legleiter.

Das aber „war uns nicht unrecht, dass uns so keiner seiner Lehrer je als Vorbild hinstellen konnte“, findet Legleiter im Rückblick. Denn obwohl die beiden Geschlechter nicht im gleichen Klassenraum in der gleichen Schule sitzen durften, funktionierten die Kontakte zwischen „Lio-Mädchen und Tulla-Jungs“, laut Legleiter hingegen bestens. Einer, der wohl das halbe Tulla-Gymnasium kannte, ohne dabei je selbst Schüler gewesen zu sein, ist Leser Klaus Hiltscher aus der Oststadt. Der Grund: Fast alle Jugendlichen aus den Jahrgängen 1945 bis 1950 hat es laut Hiltscher nach der Schule ins „Echo 63“ verschlagen. Ab Januar 1966 leitete Hiltscher den Schüler- und Studentenclub in der Elisabethstraße 7, gelegen „beim Tulla rechts um’s Eck“.

Weil zu dieser Zeit aber bis dahin nur Jungs zugelassen waren, verschlug es vor allem junge Tulla-Schüler in Hiltschers Lokal. Unter ihnen sollen sogar viele spätere Mannheimer Honoratioren gewesen sein. So mancher Gast ist dem ehemaligen Clubbesitzer sogar einige Jahre später wieder über den Weg gelaufen – als Arzt, Lehrer, Rechtsanwalt oder Beamter. Sein Fazit: „Aus den Tulla-Jungs ist meistens was geworden.“

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Veröffentlicht
Von
von Florian Sanktjohanser
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Redaktion Seit 2018 als Polizeireporterin für Mannheim in der Lokalredaktion.

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