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Medizin

Mannheimer Start-ups entwickeln digitale Gesundheitshelfer

Der Markt für Gesundheitsapps wächst – auch in Mannheim. Die Handyanwendungen erinnern Patienten daran, Ernährungs- und Bewegungsziele einzuhalten. Und auch das medizinische Personal kommuniziert über Online-Plattformen. Von Sophia Gehr

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Sophia Gehr
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Mannheim. Zurück aus der Reha fällt es vielen schwer, das Gelernte im Alltag anzuwenden. Andere brauchen Hilfe, um ihre Medikamenten-Einnahme oder Blutdruckwerte konsequent zu überwachen. Und wie soll man den Überblick behalten über die vielen Daten, die es bei der Pflege eines Menschen zu beachten gibt? All das sind Fälle für digitale Helfer, die immer neue Einsatzgebiete finden: Der Markt für Gesundheitsapps wächst permanent. Seit 2020 gibt es sie in Deutschland sogar auf Rezept. Eine davon ist die Handy-App „DE-RENA“ des Mannheimer Start-ups Binacon, die im Januar vergangenen Jahres von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) als Regelangebot in der Nachsorge anerkannt wurde.

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Mit der App "DE-RENA" von Binacon können Nutzerinnen und Nutzer ihre täglichen Erfolge bewerten. © Binacon

Einer der Binacon-Gründer ist Diplom-Psychologe Stefan Schmädeke (oberes Bild links). „Die App hilft Patientinnen und Patienten mit psychosomatischen Beschwerden, all das, was sie sich in der Reha aufgebaut und gelernt haben, im Alltag zu festigen“, erklärt er. Die Handy-Anwendung erinnert die Nutzerinnen und Nutzer daran, ihre Vorsätze auch wirklich einzuhalten – etwa eine fest eingeplante Pause bei der Arbeit oder Sport. Anschließend werden der Erfolg und das Befinden nach eigenem Ermessen bewertet. Alle 14 Tage erfolgt eine Abfrage der Depressivitätswerte. Normalerweise finde die Nachsorge depressiver Erkrankungen in Gruppensitzungen statt, so Schmädeke. „Aktuell hat aber auch die Corona-Pandemie gezeigt, wie wichtig es ist, eine ortsunabhängige Reha-Nachsorge anzubieten.“ Über eine Plattform können die Therapeutinnen und Therapeuten die Ergebnisse im Blick behalten und zusätzlich zur monatlichen telefonischen Betreuung Tipps geben, sollte sich das Wohlbefinden verschlechtern. Die App sei aber auch in der Akutbehandlung oder zur Vorsorge anwendbar, fügt Klaus Welling (Bild links unten), Geschäftsführer von Binacon, hinzu. Eingesetzt werde „DE-RENA“ bereits in DRV-eigenen Kliniken wie dem Rehazentrum Bad Salzuflen sowie in privaten Einrichtungen. Vier feste und vier freie Mitarbeiter sind aktuell beim Start-up beschäftigt. „Für 2022 planen wir mit einem Jahresumsatz von 200 000 bis 300 000 Euro“, sagt Welling.

Stefan Schmädeke, Diplom-Psychologe und Mitgründer von Binacon. © Binacon

Aus der Forschung der Universität St. Gallen und der ETH Zürich heraus entstand 2017 das Start-up Pathmate Technologies mit Sitz in Mannheim und der Schweiz. „Unser Ziel ist es, Psychologie und Technologie zu vereinen, um die Menschen in ihrem Alltag zu unterstützen“, erzählt Mitgründerin Michelle Heppler (oberes Bild rechts). Das Ergebnis ist die App Manoa – ein digitaler, medizinischer Coach für Patientinnen und Patienten mit Bluthochdruck und Diabetes Typ 2. „Manoa hilft den Menschen bei der Blutdruckselbstkontrolle zu Hause“, erklärt Heppler.

Nutzerinnen und Nutzer werden daran erinnert, ihre Medikamente einzunehmen, Blutdruck zu messen oder Ernährungs- und Aktivitätsziele zu erreichen. Das individuelle Feedback sowie die medizinische Expertise würden in Zusammenarbeit mit Florian Limbourg von der Medizinischen Hochschule Hannover sowie einem Team aus Gesundheitspsychologen erfolgen, sagt Heppler. „Wir verzeichnen mehr als 14 000 Downloads in Deutschland und der Schweiz.“ Einige Krankenversicherungen hätten sich nun dazu entschieden, zukünftig die Kosten der App zu übernehmen.

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Klaus Welling, Geschäftsführer von Binacon. © Binacon

Doch nicht nur die Betreuung von Patientinnen und Patienten soll durch die Digitalisierung einfacher werden, sondern auch die Arbeit des medizinischen Personals selbst. „Durch einen Pflegefall in meiner Familie habe ich miterlebt, wie viel Abstimmungsbedarf besteht, wenn sich Pflegekräfte, Ärzte, Apotheken oder auch Hilfsorganisationen gleichzeitig um einen Menschen kümmern“, erzählt Elena Heller (mittleres Bild rechts). Gemeinsam mit Michele Gianella-Borradori (Bild Mitte unten) gründete sie 2019 das Mannheimer Start-up Nooa und entwickelte eine digitale Kommunikationsplattform für Pflegedienste.

Sechs Monate lang begleiteten die Gründer zuvor Pflegekräfte bei ihrer Arbeit. „Dabei hat sich gezeigt, dass der Austausch weitestgehend über Telefon, Papierzettel oder Fax stattfindet“, so Heller. „Einige Informationen werden auch einfach im Kopf behalten.“ Ein Beispiel sei die Medikamentenbestellung: „Eine Mitarbeiterin des Pflegedienstes hat die Verpackungen der jeweiligen Medikamente in ihrer Handtasche verstaut, um später neue zu besorgen“, erzählt Heller. Würden diese verlorengehen, könnte niemand mehr nachvollziehen, was die Patientin oder der Patient braucht.

Über die Plattform Nooa, die über einen Webbrowser zugänglich ist, kann sich das Personal nun gegenseitig – und für alle ersichtlich – Aufgaben zuteilen oder wichtige Informationen wie zu bestellende Medikamente zur Übergabe einer Patientin oder eines Patienten festhalten. „Im Hintergrund arbeiten wir aktuell auch an einer Version für Angehörige und die Patientinnen und Patienten selbst“, sagt Heller. Auch sie müssten sich organisieren.

Michelle Heppler, Mitgründerin des Start-ups Pathmate. © Pathmate
Mit der App "DE-RENA" von Binacon können Nutzerinnen und Nutzer ihre täglichen Erfolge bewerten. © Binacon

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