AdUnit Billboard
Klasse 5 MM

Experten-Tipp: „Mit dem Kind regelmäßig über die Schule sprechen“

Interview: Experte Frank Schäfer erklärt, was Familien beim Wechsel in die fünfte Klasse beachten sollten

Von 
Fabian Busch
Lesedauer: 
Mit dem Halbjahreszeugnis bekommen die Eltern von Viertklässlern auch die Grundschulempfehlung. Darin schlagen die Lehrkräfte eine weiterführendeSchulart für das Kind vor. © dpa/Bernd Weissbrod

Mannheim. Frank Schäfer ist stellvertretender Leiter des Staatlichen Schulamts Mannheim und erklärt, welche Rolle die Bildungsempfehlung spielt – und wie Eltern gemeinsam mit ihren Kindern verfahren können, die zwischen zwei Schularten schwanken.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Herr Schäfer, für die Auswahleiner weiterführenden Schule müssen Eltern die Leistungen ihres Kindes einschätzen. Welche Rolle sollten dabei Noten spielen?

Frank Schäfer: Noten sind eine wichtige Grundlage für die Entscheidung der Eltern, aber sie sollten nicht die einzige Grundlage darstellen. Entscheidend ist auch das Lern-, Arbeits- und zum Teil auch das Sozialverhalten. Wenn sich ein Kind aufgrund seines Entwicklungsstandes noch nicht vertieft mit komplexeren Lerninhalten auseinandersetzen will oder kann, es gar kein „Sitzfleisch“ hat, um sich mit dem Lernstoff zu beschäftigen, sollte man ihm mehr Zeit geben. Und dann sollte man nicht unbedingt eine Schulart auswählen, die permanent einen hohen Lern- und Arbeitseinsatz fordert. Viele Kinder entwickeln erst im Laufe der Zeit eine Lern- und Arbeitshaltung, die sie erfolgreich ihren Weg machen lässt.

Nach dem ersten Halbjahr bekommen Viertklässler eine Bildungsempfehlung. Wie bindend ist das Dokument?

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2
Frank Schäfer ist stellvertretender Leiter des Staatlichen Schulamts Mannheim. © privat

Schäfer: Die Bildungsempfehlung sagt aus, welche weiterführende Schulart die Grundschullehrkraft, die ja das Kind sehr gut kennt, empfiehlt. Sie ist nicht verbindlich, sie stellt sozusagen eine Prognose dar, auf welcher Schulart das Kind erfolgreich sein wird und auch nicht über- oder unterfordert wird. Wir empfehlen Eltern immer, sich von Lehrkräften beraten zu lassen. Das persönliche Gespräch mit der Lehrerin oder dem Lehrer ist unverzichtbar, weil es den Eltern eine wichtige Rückmeldung zum Lern- und Arbeitsverhalten des Kindes gibt. Dabei geht es nicht nur um eine Empfehlung für eine weiterführende Schulart, sondern um ein ganzheitliches Bild. Dieses Angebot sollte man auf jeden Fall in Anspruch nehmen.

Sind diese Gespräche unter Kontaktbeschränkungen möglich?

Schäfer: Das ist in den aktuellen Zeiten natürlich eine Herausforderung. Die Schulen haben unterschiedliche Konzepte. Wir haben Schulen, die diese Gespräche im digitalen Format anbieten, wenn Eltern das möchten und können. Es gibt auch Schulen, die das Ganze unter Einhaltung der aktuellen Hygienevorgaben in Präsenzform anbieten. Da gelten die üblichen Regeln wie Abstand halten und das Tragen einer Maske. Natürlich werden solche Gespräche auch in geeigneten großen und lüftbaren Räumen realisiert.

Hilfe bei der Entscheidung

Eltern stehen häufig vor einem Problem, wenn das Kind leistungsmäßig zwischen zwei Schularten steht. Haben Sie einen Tipp, wie man in so einem Fall verfahren sollte?

AdUnit Mobile_Pos4
AdUnit Content_3

Schäfer: Es gibt eine gute Orientierungsregel: Lieber ein guter Hauptschüler als ein schlechter Realschüler, lieber ein guter Realschüler als ein schlechter Gymnasiast. Man sollte als Mutter, als Vater darauf achten, dass man das Kind nicht überfordert. Es geht darum, dass es sich an einer Schule wohlfühlt, dass es Freude am Lernen und Spaß an Leistung entwickelt – auch wenn es anstrengend wird. Wenn aber ein Kind permanent überfordert ist, verliert es die Lust am Lernen.

Mehr zum Thema

Grußwort Schule muss individuell passen

Veröffentlicht
Kommentar von
Karsten Kammholz
Mehr erfahren

Grußwort Schulratgeber zur Orientierung

Veröffentlicht
Kommentar von
Dirk Grunert
Mehr erfahren
Klasse 5 MM

Ganz nah am Berufsalltag

Veröffentlicht
Von
Bertram Baehr
Mehr erfahren

Natürlich sollte auch das Kind mitreden, oder?

Schäfer: Am besten ist eine gemeinsame Entscheidung. Wir empfehlen in jedem Fall, das Kind einzubinden. Es hat bei der Auswahl einer Schule vielleicht eher subjektive Kriterien, die trotzdem sehr bedeutsam sein können. Das kann etwa die Länge des Schulwegs sein. Ganz wichtig ist für ein Kind natürlich auch, auf welche Schule Freundinnen und Freunde gehen. Die Rückmeldungen des Kindes sollten Eltern sehr ernst nehmen.

In kleineren Städten gibt es häufig nur eine Schule einer Art. In Großstädten ist die Auswahl breiter. Wie informieren sich Familien am besten über die einzelnen Angebote?

Schäfer: Das Kind sollte die Möglichkeit erhalten, die weiterführenden Schulen zu erleben. Schulen haben unterschiedliche Formate, um unter Einhaltung der aktuellen Hygienevorgaben einen Eindruck davon zu vermitteln, was sie zu bieten haben. Weiterführende Schulen kommen vor allem dann gut bei Kindern an, wenn dortige Schülerinnen und Schüler den zukünftigen Fünftklässlern berichten. Man sollte zwei, drei Optionen mit dem Kind auswählen und sich die Schulen gemeinsam anschauen. Auch die Homepages der Schulen sind in aktuellen Zeiten eine wichtige Quelle, um Informationen zu erhalten.

Hier geht es zum Überblick der Schulen



Sie möchten die einzelnen Schulen in der Region miteinander vergleichen und Ihre Favoriten in einer Liste übersichtlich abspeichern? Dann besuchen Sie mannheimer-morgen.de/schulratgeber.

Es kann vorkommen, dass sich ein Fünftklässler an der neuen Schule nicht gleich wohlfühlt. Was sollten Eltern in diesem Fall unternehmen?

Schäfer: Es ist eine große Anpassungsleistung von Zehnjährigen, in einer neuen Schule anzukommen. Zwischen der Grundschule und der fünften Klasse liegen ja nur sechs Wochen. Das Kind trifft auf ein neues soziales Umfeld und eine Lernumgebung mit anderen Anforderungen. Im besten Fall läuft das reibungslos. Das wäre auch ein wichtiges Kriterium für die Auswahl einer Schule: Wie sieht das pädagogische Übergangskonzept aus? Es ist jedenfalls wichtig, mit dem Kind regelmäßig über die Schule zu sprechen. Wenn „Stolpersteine“ auftreten, sollen Eltern frühzeitig das Gespräch mit der Klassenlehrkraft suchen. Wenn ein Kind auf eine weiterführende Schule wechselt, sollte es dort zunächst vor allem positive Erfahrungen sammeln und letztendlich auch dort erfolgreich seinen Abschluss machen. Ein Schulwechsel sollte immer die letzte Option sein.

Mehr zum Thema

Erweiterte Funktion für Registrierte

Online-Datenbank: Überblick der weiterführenden Schulen in der Metropolregion

Veröffentlicht
Mehr erfahren
Schulratgeber

Baden-Württemberg: Alle Schulformen im Überblick

Veröffentlicht
Von
Fabian Busch
Mehr erfahren
Optionen

Das Schulsystem in Baden-Württemberg: Viele Wege zum Abschluss

Veröffentlicht
Von
Fabian Busch
Mehr erfahren

Freier Autor

Thema : Wie geht es weiter nach Klasse 4?

  • Erweiterte Funktion für Registrierte Online-Datenbank: Überblick der weiterführenden Schulen in der Metropolregion

    Online-Datenbank: Mit mannheimer-morgen.de einen Überblick verschaffen / Erweiterte Funktion für Registrierte

    Mehr erfahren
  • Optionen Das Schulsystem in Baden-Württemberg: Viele Wege zum Abschluss

    Auch wenn die Entscheidung über eine weiterführende Schule eine wichtige Weichenstellung ist: Der Bildungsweg des Kindes ist damit keineswegs vorgezeichnet. Jungen Menschen bieten sich zahlreiche Möglichkeiten.

    Mehr erfahren
  • Grußwort Schulratgeber zur Orientierung

    Grußwort: Dirk Grunert, Bürgermeister für Bildung, Jugend und Gesundheit der Stadt Mannheim

    Mehr erfahren
AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1