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Ppppodcast - Folge 5 - Fünfte Episode mit Autor Jochen Praefcke

Wie ein Familienvater das Stottern in den Griff bekommen hat

Von 
Sebastian Koch
Lesedauer: 
Jochen Praefcke (l.) mit „MM“-Redakteur Sebastian Koch. © Georg Spindler

Jochen Praefcke stottert. Das weiß Jochen Praefcke auch. Natürlich weiß er das. Und doch plagte den heute 44-Jährigen jahrzehntelang vor dem Einschlafen und nach dem Aufwachen der gleiche Gedanke - als ob er es eben doch nicht wüsste: „Ich stottere.“ Es sei ein „belastender, ein angsterfüllter“ Gedanke gewesen, der Praefcke morgens und abends heimgesucht hat. „Dann hat die Maschine im Hintergrund angefangen, den Tag zu planen“, sagt er. „Wann muss ich was sagen? Welche Situation kann ich umgehen?“ Unbewusst anstrengend war das. „Ein negatives, angsterfülltes Lebensgefühl.“

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Das hat er heute nicht mehr: Praefcke hat es geschafft, sich mit seinem Stottern zu arrangieren, es dadurch auch zu lindern. In seinem 2016 im BoD-Verlag erschienen Buch „Ich stottere. Aus dem Gefühlsleben eines Stotterers“ schrieb er seine Gedanken auch für nicht-Betroffene sehr lesenswert nieder. In der an diesem Mittwoch erscheinenden Episode des Stotterer-Podcasts ist er Gast von „MM“-Redakteur Sebastian Koch, der ebenfalls stottert.

Praefcke hat keine Therapie oder Logopädie gemacht, um das Stottern in den Griff zu bekommen - zumindest keine, die erfolgreich gewesen ist. Er sagt, sein Stottern sei ab dem Zeitpunkt zurückgegangen, an dem er sich mit Mitte 30 damit psychisch im positiven Sinne auseinandergesetzt habe. Doch Praefcke hat sie noch, die Situationen, die „ich aufgrund meines Stottern nach wie vor nicht sonderlich schätze“: Etwa das Melden am Telefon mit Vor- und Nachname. Oder das Bestellen. Es sind Situationen, in denen erwartet wird, „dass du genau jetzt genau das sagst, was du haben willst“. Im Umgang mit seinen drei Kindern war das Stottern noch nie ein Problem. „Sie sind die Einzigen, denen ich glaube, wenn sie sagen, das fällt ihnen nicht auf. Sie kennen mich nicht anders.“

Ähnlich wie Politiker Malte Spitz (Episode 4) kritisiert Praefcke, dass es in Deutschland noch immer nicht normal sei, zu stottern. Dass der Umgang mit Betroffenen trotz Aufklärungskampagnen noch häufig (unbewusst) falsch sei, wie jüngst etwa der von Juror Nico Santos in der Pro7-Castingshow „The Voice of Germany“, in der der stotternde Sänger Noah Sam aufgetreten ist. Und dass auch in Filmen Stotternde noch immer durch stigmatisierende Rollen gezeichnet würden. „Es wäre an der Zeit, dass der Kommissar stottert, während er seinem normalen Beruf nachgeht.“

Welche Rolle eine Buchvorlage von Cornelia Funke beim Bild von Stotternden spielt; wie Praefcke es geschafft hat, sein Stottern zu minimieren; und wie man ihm helfen kann, das ist ab diesem Mittwoch auf Spotify, Apple Podcast, Deezer und im Morgenweb zu hören.

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Redaktion Reporter in der Lokalredaktion Mannheim & Moderator des Stotterer-Ppppodcasts

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