Konversion - MWSP tritt von allen Verträgen mit Investor Tom Bock zurück / Dies betrifft sowohl Turley als auch Sullivan „Der denkbar weiteste Schritt“

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Stefan Proetel
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Das Turley-Gelände (linke vordere Bildhälfte) mit den noch leeren Baufeldern 4 und 5 und dem Appellplatz (dahinter). © Zinke

Mannheim. Fehlende Klingeln, viele unfertige Ecken und dann die Sache mit der Tiefgarage – wer auf Turley mit Bewohnern spricht, hört diese Klagen immer wieder. Die Garage mit etwa 300 Parkplätzen sollte im Jahr 2017 fertig sein. Eigentlich. In diesem März hatte der Frankfurter Investor Tom Bock dem „Mannheimer Morgen“ gesagt, dass er einen Bauantrag eingereicht habe.

Die Geschichte

  • In den Jahren 2012 und 2015 zahlte die Tom Bock Gruppe insgesamt sechs Millionen Euro für die noch leeren Baufelder 4 und 5 auf dem Gelände der früheren Turley-Kaserne.
  • Im September 2018 wechselte das Gelände den Eigentümer für den sechsfachen Preis – also für 36 Millionen Euro. Die Baufelder sind mit 22 000 Quadratmetern etwas größer als drei Fußballfelder.
  • Als neue Investoren stiegen mehrheitlich die vier Gründer des Sportwettenanbieter Tipico mit Sitz in der Steueroase Malta ein. Die Öffentlichkeit wurde erst durch Berichte dieser Zeitung über den Wechsel informiert. Seitdem wird diskutiert und gestritten – etwa darüber, ob die städtische Gesellschaft MWSP vertraglich mehr Einfluss- und Abschöpfungsmöglichkeiten für die Stadt Mannheim hätte sichern müssen.
  • Im Jahr 2012 war Investor Bock auf Turley eingestiegen. Er übernahm elf von 14 historischen Gebäuden. Sie sind weitestgehend saniert, verkauft und vermietet. Bock hat nach eigenen Angaben bisher 130 Millionen Euro investiert. (lü)
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Weil aber immer noch nichts passiert ist auf dem Gelände der ehemaligen US-Kaserne, hat die städtische Entwicklungsgesellschaft MWSP nun reagiert. Sie spricht von „andauernden Leistungsstörungen durch die Tom Bock Gruppe“ (TBG) und ist deshalb von allen Verträgen mit ihr zurückgetreten. Das sei laut Mitteilung „der denkbar weiteste Schritt“ und diene der umfassenden Wahrung der Rechtsposition und der Sicherung der Entwicklung auf den Konversionsflächen. Das Vorgehen betrifft sowohl Turley als auch Sullivan auf der Konversionsfläche Franklin.

„Die MWSP hat sich zu diesem Schritt entschlossen, um die ihr vom Gemeinderat der Stadt auferlegten Aufgaben erfüllen und insbesondere Turley wie geplant vollständig entwickeln zu können“, heißt es i n einer Mitteilung von Freitagmittag. Dazu zähle auch „der dringend notwendige“ Bau der Tiefgarage unter dem Appellplatz. GBG- und MWSP-Geschäftsführer Karl-Heinz Frings beklagt sich in der Mitteilung, dass die TBG die Entwicklung von Turley weiter blockiere. „Damit finden wir uns nicht ab“, so Frings. Über das Vorgehen habe die Geschäftsführung am Donnerstag den Aufsichtsrat informiert.

Das Ziel heißt weiter 2025

Die Tom Bock Gruppe war am Freitag telefonisch nicht zu erreichen. Auch eine Anfrage dieser Zeitung per Mail ließ sie unbeantwortet. Die TBG hat einen Großteil des Turley-Altbestands saniert. Mieter, bei denen alles fertig ist, loben die TBG als kreativ – und auch für den hochwertigen Erhalt der alten Bausubstanz.

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Im Frühjahr hatte der „Mannheimer Morgen“ öffentlich gemacht, dass der Frankfurter Investor die beiden noch leeren Baufelder 4 und 5 auf Turley im September 2018 für 36 Millionen Euro weiterverkauft hat. 2012 und 2015 hatte die TBG die rund 22 000 Quadratmeter großen Flächen von der Stadt gekauft – für insgesamt sechs Millionen Euro.

Die Baufelder 4 und 5 werden vom Hamburger Projektentwickler Fortoon Development entwickelt. Ein Sprecher: „Die heutige Entscheidung der MWSP hat keinerlei Auswirkungen auf die Projektentwicklung der Fortoon Development auf Turley. Das haben wir bereits juristisch geprüft. Unsere Arbeiten laufen wie geplant weiter.“

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Wie viele Verträge insgesamt zwischen MWSP und Tom Bock Group betroffen sind, beziffert MWSP-Sprecher Christian Franke auch auf Nachfrage nicht. Er sagt auch nicht, welche Einzelprojekte – außer der Tiefgarage unter dem Appellplatz – noch betroffen sind. Franke geht weiter davon aus, dass Turley bis 2025 vollständig entwickelt sein wird. Diesen Zeithorizont hatte MWSP-Geschäftsführer Achim Judt im April in einem Interview mit dem „MM“ genannt.

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Die Mannheimer Projektentwicklungsgesellschaft hat nicht nur alle Verträge mit der TBG gelöst. Sie hat laut Mitteilung auch „per einstweiliger Verfügung den Widerspruch zum Vollzug der Kaufverträge ins Grundbuch eintragen lassen“. Christian Franke: „Das macht unseren Schritt auch für Dritte transparent.“ Heißt: Sollte sich beispielsweise ein Interessent im Grundbuch über eine von Bock gekaufte Fläche informieren, liest er dort, dass die MWSP von den Verträgen zurückgetreten ist.

Fragen bleiben unbeantwortet

Wie die Gesellschaft nun konkret weitermacht auf Turley und Sullivan, beantwortet sie auch auf Nachfrage nicht. Sie spricht zwar davon, nun „andere Wege“ vorzubereiten, um die Umsetzung der Projekte sicherzustellen. Mit welchem oder welchen Investor(en) sie das tun wird, lässt sie aber mit dem Hinweis auf die „rechtliche Auseinandersetzung“ offen. Welche finanziellen Auswirkungen der Schritt haben könnte – auch dazu gibt es keinen Kommentar. Franke: „Das wäre Spekulation.“

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Chefredaktion Ressortleiter Lokales/Regionales und Mitglied der Chefredaktion

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