Soziales

Bescherung der Ärmsten dank Spenden von "MM"-Lesern und -Leserinnen

Spiele, Puppen und Kuscheltiere: Welche Freude der „MM“-Hilfsverein mit Spielzeug für Kinder und Lebensmittel für ältere Menschen auslöst

Von 
Peter W. Ragge
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Mannheim. Q6Q7. „Wir wollen helfen“-Spielzeugaktion. Mit Hilfe des THW werden die Spielzeug-Geschenke zu Q6Q7 transportiert. Hier werden sie dann für die Verteilung bereitgestellt. Im Bild: Ein Berg an Spielzeug/Geschenken wartet auf seine Empfänger. © Christoph Bluethner

Mannheim. Die Hände greifen sehr zaghaft zu, das Lächeln ist erst äußerst schüchtern – aber dann wird doch ein glückliches Strahlen daraus, werden kleine Igel, Hündchen oder Bärchen richtig umklammert. Das kann man beobachten, wenn die „MM“-Aktion Spielzeug und Plüschtiere vergibt – Präsente für jene Mädchen und Jungen, für die sonst die Bescherung zu Weihnachten ausfallen würde.

Es ist ein besonderer Moment auch für das Team des „MM“-Hilfsvereins. Das ganze Jahr über steht er bei besonderen Notlagen parat, berät und unterstützt bei schlimmen Schicksalsschlägen. Aber selten erlebt man so viel anrührende Dankbarkeit wie in der Vorweihnachtszeit, wenn „Wir wollen helfen“ ältere Männern und – meist – Frauen, die nur eine äußerst karge Rente erhalten, mit Lebensmittelgutscheinen versorgt oder Mädchen und Jungen aus armen, oft zerrissenen Familien beschenkt.

THW transportiert Pakete

Die Vorarbeit leisten die Mitarbeiter der Galeria Kaufhof Karstadt in P 1, die nach den Vorgaben der „MM“-Aktion die individuell nach Alter und Geschlecht zusammengestellten Geschenkpäckchen packen. Um diese Pakete zu transportieren, rückt das Technischen Hilfswerks (THW) an. 21 000 Dienst- und Einsatzstunden haben sie in diesem Jahr schon hinter sich, bei der Flüchtlings- und Ukrainehilfe wie auch bei dem Chemieunfall im Mannheimer Hafen. Dennoch würden sie „selbstverständlich und sehr gerne“ die „MM“-Aktion unterstützen, sagt Nicole Dudziak, die THW-Ortsbeauftragte, die mit Fahrer Matthias Kerkmann gekommen ist.

Rekordwert bei Anträgen und Hilfe

Auf einem „nie dagewesenen hohen Niveau“ bewegen sich Ein- und Ausgaben des „MM“-Hilfsvereins, des Trägers der Aktion „Wir wollen helfen“. Der Umfang der gewährten Hilfszusagen erreichte, so der geschäftsführende Vorsitzende Matthias Bretschneider in seiner Jahresbilanz, „ein Allzeithoch“. Die Mannheimer hätten mit ihren Spenden im Verlauf des Jahres, im Schwerpunkt in der Adventszeit, aber auch 2022 „ein überwältigendes und befreiendes Zeichen der Menschlichkeit gesetzt“, dankt Bretschneider.

Bis zum vierten Advent haben über 2500 Spender 565 000 Euro eingezahlt, 1000 Euro weniger als zu diesem Zeitpunkt des Vorjahres. Stand 21. Dezember liegt das Spendenaufkommen bei 631 943,11 Euro und damit nur noch knapp 2000 Euro unter dem Gesamtjahresergebnis des Vorjahres von 633 366,47 Euro. Der Gesamtbetrag verteilt sich auf 2312 (Vorjahr 2514) Spender.

Die größten Spender

Zwar musste das Blumepeterfest, sonst vom Feuerio ausgerichtet, zum dritten Mal in Folge ausfallen. Aber auch ohne das Fest sei aus dem Kreis der Unterstützer der traditionsreichen Benefizveranstaltung ein fünfstelliger Betrag zusammengekommen. „Die schmerzhafte Absage des Festes konnte so zumindest finanziell teilweise aufgefangen werden“, so Bretschneider. Das gilt ebenso für das abgesagte Adventskonzert von Absolventum. Die Vereinigung der Uni-Absolventen veröffentlichte aber einen Spendenaufruf, worauf 1500 Euro aus ganz Deutschland und der Welt eingingen.

Die Musikhochschule, der Deutsch-Amerikanische-Frauenarbeitskreis, das Netzwerk Haushalt und der Lions-Club Mannheim-Rosengarten zählten wieder zu den treuen Spendern. „Eine hohe Kontinuität“ registrierte Bretschneider bei den Barspenden im „MM“-Kundenforum – 117 Personen legten 18 855 Euro auf den Tisch. „Das Gesamtspendenaufkommen bleibt unverändert von der Breite der Bevölkerung getragen“, betont er.

Die größte Einzelspende kam von Ehrenbürger Manfred Fuchs als Erlös aus dem Verkauf seiner Bilder in Höhe von 66 000 Euro, gefolgt von 50 000 Euro von Bauhaus, 30 000 Euro von einem ungenannt bleibenden Gönner und 20 000 Euro von Diringer & Scheidel.

Gespräche zu Einzelfällen

Das 2022 bearbeitete Antragsvolumen per 18. Dezember hat sich auf 6480 Stück erhöht, das ist ein Zuwachs um 3019. Darin ist auch jene Hilfe enthalten, die der Verein an Ostern oder im Zuge seiner Aktion zum Umtausch von alten Glühbirnen in LED-Leuchtmittel zur Energieeinsparung abwickelte. Persönlich eingereicht wurden 3308 Bitten um Hilfe nach 2935 in 2021. „Das ist der höchste Wert in der Vereinsgeschichte“, so Bretschneider.

Die Anzahl der insgesamt als Weihnachtsbeihilfe gewährten Hilfen hat sich von 6230 in 2022 auf 9521 erhöht – in erster Linie Gutscheine für Lebensmittel und Spielzeug. Im Lauf des Jahres gingen zudem 287 Anträge auf Einzelfallhilfe in besonderen Notlagen beim Hilfsverein ein, 208 davon im Gesamtwert von 67 000 Euro wurden bewilligt. In 152 anspruchsvollen und komplexen Fällen gab es zuvor mit den Betroffenen aber persönliche Gespräche.

Die bis zum vierten Advent insgesamt bedachten 12 732 Personen und Familien (Vorjahr 7509) im Gesamtwert von 660 617,50 Euro sind, so Bretschneider, eine historische Höchstleistung in der Vereinsgeschichte“. „Nun bleibt sehr zu hoffen, dass auch bei den Spenden noch ein Höchstwert erreicht wird“, wünscht sich der geschäftsführende Vorsitzende. Der Unterschied zum Vorjahr ist ja nicht mehr groß.

Ziel ihres Transports ist das Quartier Q6/Q7, dessen Chef Hendrik Hoffman „Wir wollen helfen“ einen großen Raum zur Verfügung stellt. Matthias Bretschneider, der geschäftsführende Vorsitzende des „MM“-Hilfsvereins, spannt noch eine Lichterkette auf, und schon kurz vor der angegebenen Zeit sind die ersten der Menschen da, die hier heute ein Geschenk für ihre Kinder abholen dürfen.

„Ich hatte das Glück, ausgewählt worden zu sein“, sagt dann gleich eine Frau und zeigt den Brief mit der Einladung vor. Es gibt sogar mehr als ein Geschenk. Zusätzlich zu den vorbereiteten Präsenten liegen, weil nach der Erfahrung der zurückliegenden Jahre die kleinen Kinder oft mitkommen, noch Malbücher, kleine Werbegeschenke oder Plüschtierchen bereit. Und es ist so schön zu sehen, wie glücklich die Kinder strahlen, wenn sie sich da etwas auswählen dürfen.
Spontane Urlauber-Spende

„Toll, dass es so etwas gibt“, dankt eine Mutter. „Ich wüsste nicht, was ich ohne ihre Geschenke an Weihnachten anstellen sollte – es ist doch alles so teuer“, seufzt eine andere Frau. „Aufgeschmissen“ wäre sie, ergänzt gleich darauf eine andere Mutter. „Wie super“, ist zu hören, immer wieder „Danke“. „Mega“ sei die Aktion, sagt eine Mutter erleichtert, „voll süß“ eine andere. Einige erzählen ihre Geschichte von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Schulden, Trennungen und häuslicher Gewalt. Und manchmal spürt man sehr deutlich, dass sich die Menschen schämen, hier Hilfe entgegennehmen zu müssen.

„MM“-Aktion „Wir wollen helfen“

 

  • Träger: Hilfsverein Mannheimer Morgen, gemeinnütziger, eingetragener Verein.
  • Vorstand: Vorsitzender: Florian Kranefuß, Vorsitzender der Geschäftsführung der HAAS Mediengruppe, 2. Vorsitzender: „MM“-Chefreporter Peter W. Ragge, Geschäftsführender Vorsitzender: Matthias Bretschneider.
  • Spenden können in bar beim Morgen-Forum im Erdgeschoss von Thalia in P 7 abgegeben werden. Überweisung an das Spendenkonto bei der Sparkasse Rhein Neckar Nord, IBAN: DE11 6705 0505 0038 0000 39.
  • Alle Spenden sind voll steuerabzugsfähig. Sämtliche Verwaltungs- und Personalkosten trägt der Verlag des „Mannheimer Morgen“.
  • Anträge mit Nachweis der Bedürftigkeit (etwa Hartz-IV-Bescheid) auf vorgedruckten Formularen schriftlich an „MM“-Aktion „Wir wollen helfen“, Dudenstraße 12-26, 68167 Mannheim.
  • Bis 9. Januar macht die Aktion nun zunächst Pause. Erst danach werden wieder Anträge bearbeitet und Spendenbescheinigungen verschickt.
  • Alle Berichte und Informationen im Internet unter mannheimer-morgen.de/wwh

In einigen Fällen ist die Verständigung schwer – denn auch aus der Ukraine geflüchtete Mütter mit ihren Kindern hat die „MM“-Aktion dieses Jahr erstmals einbezogen. Eine dieser Frauen wird von einem, wie er sich vorstellt, langjährigen „MM“-Leser mit dem Auto zu dem Termin von „Wir wollen helfen“ gefahren. Die Ukrainerin sei in seiner Nachbarschaft untergekommen und er ein langjähriger Spender. „Eine tolle Aktion“, sagt er.

Das gleiche Lob kommt aber auch von einem jungen Ehepaar aus Tuttlingen. Sie machen, wie sie erzählen, Weihnachts- und Einkaufsurlaub in Mannheim, wohnen im Radisson Blue Hotel in Q 7, und beim Bummel durch das Haus fällt ihnen das Schild „Wir wollen helfen“ und das viele Spielzeug auf. Spontan zückt die Frau ihren Geldbeutel, spendet zehn Euro. „Es gibt so viel ärmere Menschen – toll, dass Sie so etwas machen“, meint sie.
Das hört auch Joachim Krause von der Quadratebuchhandlung oft. Er ist bereits seit Jahrzehnten wichtiger und, wie er sagt, „stolzer Partner“, denn er löst die Büchergutscheine des „MM“-Hilfsvereins ein, die für ältere Kinder und Jugendliche statt Spielzeug ausgestellt werden.

Krause schafft dafür in der Vorweihnachtszeit Neuerscheinungen ebenso wie Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur an, dazu viele Lernhilfen für alle Jahrgangsstufen sowie ein breites Angebot an Bilderbüchern für alle Altersgruppen. Gezielt hat die Quadratebuchhandlung in diesem Jahr ihr Sortiment auch mit Blick auf aus der Ukraine stammende Kinder erweitert, damit die schneller Deutsch lernen. „Uns ist es ein Anliegen, die Freude am Buch zu vermitteln, die ja grundlegend ist für Lese- und Sprachförderung“, betont Sven Reinhardt, Mitarbeiter der Quadratebuchhandlung.

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Florian Kranefuß
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Enorme Dankbarkeit

Doch nicht nur Kinder und Jugendliche werden zu Weihnachten von der „MM“-Aktion bedacht. Damit arme ältere Menschen sich den Tisch wenigstens zum Christfest etwas reicher decken können, als willkommene Abwechslung und Ergänzung für den sonst ärmlichen, von verbilligten Einkäufen in Tafel-Läden diktierten Speisezettel, gibt es Lebensmittelgutscheine von Aldi und Marktkauf. Nie war die Dankbarkeit dafür größer als in diesem, von enormer Inflation geprägten Jahr. Die „MM“-Aktion sieht es als ein Zeichen der Solidarität mit einer Generation, die ganz viel erlebt, ja erlitten hat und nun mit karger Rente nach einem oft entbehrungsreichen Leben nicht das Gefühl haben darf, alleingelassen zu werden.

Kaum sind die Gutscheine verschickt, erreichen den „MM“-Hilfsverein viele Anrufe oder Briefe voller Dankbarkeit. „Es ist so wunderbar, dass es noch Menschen gibt, die anderen helfen und ihre schwierige Lage nachvollziehen können!“, heißt es in einem Schreiben.

Oder: „Danke an das ganze Team, dass das nun schon sehr lange für bedürftige Menschen macht. Gerade heute, in diesen traurigen Zeiten, tut es so gut, zu wissen, dass man nicht vergessen wird.“ In einem anderen Brief an die „MM“-Aktion heißt es: „Ich bedanke mich bei Ihnen allen, den Spendern und bei Gott, der es Ihnen ermöglicht, allen Bedürftigen eine solche Unterstützung zu sein – das ist für uns wie Balsam auf der Seele.“

Redaktion Chefreporter

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