US-Präsident Donald Trump schickt Geld aus Corona-Hilfe in die Pfalz

Von 
Stephan Alfter
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Rhein-Neckar. Donald Trump und die Pfalz - da war doch was. Persönlich hat es der US-Präsident in seiner bisherigen Amtszeit nicht geschafft, die einstige Heimat seiner Großeltern in Kallstadt, nur wenige Kilometer von Bad Dürkheim entfernt, zu besuchen. Angekommen sind dafür aber schon mal Schecks aus Übersee mit der Unterschrift des vermeintlich mächtigsten Mannes der Welt. Mit alter Verbundenheit hat das vermutlich wenig zu tun. Jedenfalls staunte der Betreiber eines Weinguts in der Pfalz in diesen Tagen schon etwas, als er aus seinem Briefkasten ein Stück Papier fischte, das ihm 1200 Dollar avisierte - eine Corona-Soforthilfe (Economic Impact Payment) aus dem Hause der amerikanischen Steuerbehörde IRS. Seinen Namen möchte der Mann nicht öffentlich nennen.

Warum wollte Donald Trump seinen Namen auf den Corona-Schecks haben? Laut „Washington Post“ gab es das noch nie zuvor. © YURI GRIPAS/POOL/EPA-EFE/Shutterstock
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Demokraten üben Kritik

Soforthilfe in den USA

  • Für die Auszahlung der Soforthilfen (Economic Impact Payment) ist in den USA die Steuerbehörde IRS zuständig.
  • Laut deren Statistik sind außerhalb der USA etwa 595 000 Menschen in den vergangenen Wochen mit Schecks versorgt worden. Die Gesamtsumme beläuft sich auf rund 977 Millionen Dollar.
  • Anspruch auf die Hilfen haben Mittelständler mit Jahreseinkünften bis zu einer Höhe von 198 000 Dollar

Aber von vorne: Der Winzer ist Halbamerikaner und insofern amerikanischer Staatsbürger. Die Zuwendung aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten kommt also nicht völlig überraschend. Gefreut hat sich der Empfänger über die „Corona-Dollars“, wie er sie nennt, aber dennoch nicht. Erstens ist er wirtschaftlich nicht darauf angewiesen und zweitens findet der Mann im mittleren Alter, dass der Präsident, den er selbst nicht wählen würde, mit dem Geld nicht nur uneigennützige Ziele verfolgt. „Ich kann es nicht beweisen“, beginnt er einen Satz, der die Vermutung nahe legen soll, dass Trump in Sorge um seine Wiederwahl ist. Bei einem Pressetermin im Weißen Haus hatte dieser im April in gewohnter Weise formuliert: „Ich bin mir sicher, dass die Menschen sich sehr freuen werden, einen großen, fetten Scheck zu bekommen und mein Name steht drauf“.

Fakt ist: Trump bestand nach übereinstimmenden Berichten amerikanischer Medien auf eine persönliche Note. Er wollte also, dass sein Name auf den 70 Millionen Notschecks erscheint, die nach einem Beschluss vom 27. März an US-Bürger verschickt wurden. Das Volk sollte wissen, wem es diese „Wohltat“ zu verdanken hat. Die Opposition warf ihm vor, durch den zusätzlichen Druck des Namens die Auslieferung der Schecks zu verzögern.

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Aufgeschreckt haben könnten ihn seine Umfragewerte: Das „Wall Street Journal“ beschrieb Anfang April einen Trend, der dem US-Präsidenten nicht gefallen haben kann. Im Gegensatz zu anderen Regierungen konnte er aus der Corona-Krise kein Kapital schlagen.

Nur noch 36 Prozent der Amerikaner vertrauten ihm demnach. Er selbst fabulierte in der Folge über Desinfektionsmittel, die man eventuell in die Venen spritzen könne. „Es lohnt sich schon fast nicht mehr, sich darüber aufzuregen“, sagt der Winzer aus der Pfalz. Selbst ein Bekannter, der kein US-Bürger sei, habe den Scheck bekommen, weil er bei der Steuerbehörde aufgeführt sei. Nach den Angaben von IRS selbst sind außerhalb der USA rund 600 000 Menschen in den Genuss dieser Zuwendung gekommen - zusammen ein Betrag von knapp einer Milliarde Dollar.

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Steuern habe er selbst in den USA übrigens keine bezahlt, versichert der Pfälzer. Er habe seine Einnahmen immer in Deutschland geltend gemacht. Dies müsse er jedes Jahr gegenüber der amerikanischen Steuerbehörde erklären. Sei die Steuerschuld hier höher als solche, die er in den USA zu entrichten hätte, erlösche jene in Übersee. Dass er nun dennoch mit einem Scheck bedacht werde, hat nach seiner Vermutung auch einen Hintergrund in der Wahl im November und dem damit verbundenen Stimmenfang. Bleibt die Frage, was er nun macht mit den „Corona-Dollars“? „Ich stehe in Kontakt mit einem Cousin in den USA“, so der Winzer. Er werde es wohl an eine Obdachlosen-Organisation spenden, damit das Geld dahin komme, wo es nötig sei. Etwa in den Straßen von Los Angeles - und nicht an der Weinstraße.

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