Das Interview - Joy Flemings Sohn Bernd und ihr Lebensgefährte Bruno Masselon möchten das Erbe der verstorbenen Sängerin fortführen – unter anderem mit einem Preis „Wir fühlen uns ihr wieder verbundener“

Von 
Jörg-Peter Klotz
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„In lieber Erinnerung an eine großartige Sängerin und einen liebevollen Menschen“ – dieser Satz ist das Einzige, was sich zurzeit auf Joy Flemings Homepage findet. Das Gedenken an die am 27. September 2017 überraschend verstorbene Rock-. Soul- und Bluesikone aus Mannheim will ihre Familie nun verstetigen. Ihr Lebensgefährte und Keyboarder Bruno Masselon und Sohn Bernd Peter als Sänger planen nicht nur, Joy Flemings Live-Projekte fortzuführen, sondern arbeiten auch an einer CD mit hinterlassenen Aufnahmen, einem Hommage-Konzert am 9. März 2019 im Capitol und möchten einen Joy-Fleming-Preis verleihen.

Joy Fleming 2003 in ihrem Wohnzimmer in Sinsheim-Hilsbach. © Fabry
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Herr Masselon, Herr Fleming, Sie sind zwar noch in der Trauerphase. Bestehen inzwischen schon Pläne, wie es mit dem musikalischen Erbe Joy Flemings weitergeht?

Die Nachlassverwalter

  • Bernd Peter Fleming wurde als einer von zwei Söhnen von Joy Fleming und Bernd Liebenow am 7. November 1977 in Sinsheim geboren. Der Sänger, der seine Mutter oft begleitet hat, leitet in Ludwigshafen ein Pflegeheim und einen ambulanten Pflegedienst.
  • Keyboarder, Komponist und Produzent Bruno Masselon, geboren am 6. September 1946 im französischen Decize an der Loire, studierte mit 17 am Konservatorium in Paris. 1997 holte ihn Joy Fleming in ihre Band, die beiden waren 20 Jahre lang ein Paar.
  • Joy-Fleming-Tribute-Konzert am Samstag, 9. März, 20 Uhr, im Mannheimer Capitol. Karten unter 0621/33 67 333 (28,40 bis 32,80 Euro). jpk

Bernd Peter Fleming: Der Todestag geht für uns einher mit dem Trauerjahr, das wir durchleben. Das haben wir gebraucht, um alles zu verarbeiten – aber auch um die organisatorischen Dinge zu bearbeiten. Wir sind da auch noch mittendrin, alles ist sehr emotionsgeladen, es fällt mir auch schwer, darüber zu reden. Tatsächlich war die Mama meine tagtägliche Beraterin, wir haben jeden Tag telefoniert und waren ganz eng verbunden. Sie war fast so etwas wie ein Zwilling, der ganz plötzlich fehlt.

Bruno Masselon: Sie hat alles genau schriftlich geregelt, auch dass unsere Live-Projekte fortgeführt werden. Dabei habe ich oft gesagt: „Ich gehe eh vor Dir.“ Dann war der 27. September, als ich sie im Wohnzimmer gefunden habe, wie ein Messerstich.

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Bei den Live-Projekten treten Sie in die Fußstapfen Ihrer Mutter?

Fleming: Ja, in Duo-Besetzung mit Bruno. Natürlich auch mit der Joy-Fleming-Band French Kiss. Das kann man variieren, wie es die Mama auch gemacht hat. Aber die Musikrichtung bleibt unverändert.

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Masselon: Eventuell auch im Trio mit meinem Bruder an der Gitarre. Die Konzertagenturen arbeiten gerade an Terminen.

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Gesanglich sind das ja die größten Fußstapfen, die es hierzulande gibt. Keine ganz beneidenswerte Position, wenn man allein an den „Neckarbrückenblues“ denkt...

Fleming (lacht): Das stimmt. Das sehen wir auch bei den Proben, dass wir schon etwas anpassen müssen. Den „Neckarbrückenblues“, bei dem es übrigens eindeutig um die Kurpfalzbrücke geht, haben wir schon hinbekommen, das geht.

Masselon: Normal macht das Talent zehn Prozent aus, der Rest ist Arbeit. Die Joy hatte Glück: Sie hatte 90 Prozent Talent (lacht). Hat aber auch hart gearbeitet. Auch, wenn es leicht ausgesehen hat. Unsere Vision muss jetzt anders sein, schon allein, weil ein Mann singt. Aber Bernd hat eine sehr schöne, tiefe Stimme. Die Interpretation kann er automatisch, weil er ihr Sohn ist und sich einfühlen kann.

Vielen Lesern dieser Zeitung war es kurz nach Joy Flemings Tod ein Anliegen, dass die Kurpfalzbrücke nach ihr benannt wird – was nach aktueller Auskunft der Stadt kaum zustande kommen wird. Wie sieht das die Familie?

Masselon: Wir haben das nur am Rande mitbekommen. In dem Moment war das für uns kein Thema. Fleming: Das hätte uns aber mit Sicherheit gefallen. Auch eine Joy-Fleming-Straße fänden wir schön. Vielleicht auf dem Gelände der Barracks, wo ihre Karriere begonnen hat. Das wäre eine schöne Verbindung.

Herr Fleming, ist auch eine Platte mit Ihnen als Sänger geplant?

Fleming: Auf jeden Fall wird es eine Platte mit hinterlassenen Sachen von der Mama geben. Das und auch die Konzerte sollen auch ein Dankeschön an alle Leute und Fans sein, für ihre sehr ergreifende Anteilnahme. Wir wurden da regelrecht überhäuft. Ein Album mit mir als Sänger gibt es gegebenenfalls auch. Aber das steht hintenan.

Masselon: Bei der Platte mit Joys Sachen lassen wir uns Zeit, mindestens bis 2019. Das muss sehr schön werden, da geht es nicht um Verkäufe. Wir möchten darauf stolz sein.

Ihre Mutter hat sich ja oft gewünscht, dass Sie singen.

Fleming: Die Mama wollte das immer, ja. Das war aber schwierig mit meinem Beruf im Pflegebereich unter einen Hut zu bekommen. Texte lernen und Arrangements, Bühnenpräsenz entwickeln, sich Konzepte überlegen... da war nie die Zeit dazu. Mein Bruder und ich hatten aber immer die Möglichkeit, im Studio Texte zu schreiben oder im Backgroundchor zu singen; sie auf Tourneen zu begleiten. Kurz vor ihrem Tod haben wir den Grand-Prix-Titel „Miteinander“ als Duett aufgenommen. Danach hat sie mir noch mal gesagt: „Bu, du bist jetzt 40 Jahre alt, wenn du jetzt nichts als Sänger machst, brauchst Du’s gar nicht mehr machen.“ Da habe ich schon nachgedacht.

Was erwartet die Fans beim Hommage-Konzert am 9. März?

Fleming: Unser Ziel ist es, an diesem Abend die Präsenz der Mama in diesen Raum und die Seelen der Besucher zu bekommen. Dass sie wie lebendig wird. Originaltitel wie „Ein Lied kann eine Brücke sein“ oder die traditionelle Schlussnummer „Still“ werden wir nicht an Kollegen oder Freunde abgeben; die singt sie auf der Leinwand. Nicole, Lou und Sidney Youngblood sind defintiv dabei, Bill Ramsey sehr wahrscheinlich auch.

Masselon: Auch Joana, Mary Roos, Corinna May... Edo Zanki eventuell.

Sie planen einen Joy-Fleming-Preis. Für Sänger?

Fleming: Ja, da geht es um Leute, die Können haben, die sich aber aus finanziellen Gründen nicht verwirklichen können. Da denken wir an eine Art Wettbewerb in verschiedenen Kategorien – auch für den Sänger mit der größten Schlappgosch, wie bei der Mama. Und für die beste Stimme. Vielleicht bekommen die dann eine Woche bei uns im Studio. Vielleicht auch für Künstlerkollegen, die mit der Mama zusammen Benefizarbeit geleistet haben. Aber der Preis ist noch ein kleines Baby, da brauchen wir natürlich auch Sponsoren. Im Frühling könnte es losgehen. Durch die ganze Arbeit fühlen wir uns ihr wieder verbundener – trotz des radikalen Risses im September.

Masselon: Genau, wir haben jetzt den Eindruck, dass es weitergeht und Joys Tod kein Stoppschild war.

Ressortleitung Stv. Ressortleiter Kulturredaktion