Junge Talente - Die Mannheimerin Anne Schiller hat den ersten Teil einer Fantasy-Trilogie veröffentlicht / Buch handelt von einer Ich-Erzählerin, die Teil einer Prophezeiung ist Mannheimer Autorin lässt Leser Magie in zwei Welten erleben

Von 
Sebastian Koch
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Verschwindet gerne in fremde Welten und zählt die US-amerikanische Autorin Tahereh Mafi zu ihren literarischen Vorbildern: die Mannheimerin Anne Schiller. © Sebastian Koch

Das Zimmer, in dem die junge, zierliche Frau sitzt, wirkt groß. Geräumig. Hinter einem Schreibtisch ist eine Sitzecke zu finden. Vom Sofa aus blickt man auf der rechten Seite auf das Bett, links steht ein Regal – mit Büchern. Wenig überraschend, möchte man meinen: Wir sind bei einer Autorin zu Gast. Zwischen Bett und Büchern – ein weiteres Regal, auf dem eine Burg aus Lego steht: Hogwarts. Daneben, ebenfalls Lego: eine Häuserfassade. „Die Winkelgasse“, erklärt Anne Schiller mit einem verschmitzten Lächeln.

Zur Autorin Anne Schiller

  • Anne Schiller wurde 1997 in Mannheim geboren.
  • In Aikaria taucht die 16-jährige Stella in der Rolle der Ich-Erzählerin in die fremde Parallelwelt „Aikaria“ ein, die sie als Teil einer Prophezeiung befreien soll.
  • „Aikaria. Die Flügel des Phönix“ soll der Auftakt einer Fantasy-Trilogie sein. Nach eigener Aussage sind die Teile zwei und drei zu großen Teilen bereits fertig geschrieben.
  • Der zweite Teil soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.
  • „Aikaria. Die Flügel des Phönix“ ist erschienen im Bod – Books on Demand Verlag, Norderstedt. 422 Seiten, 12,99 Euro.
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Vor wenigen Tagen hat die Mannheimerin ihren ersten Roman veröffentlicht: „Aikaria. Die Flügel des Phönix“ ist der Auftakt einer Fantasy-Trilogie. Mit 23 Jahren gleich eine Trilogie? „Der zweite und dritte Teil sind schon fast fertig“, sagt sie so selbstverständlich, als wolle sie gar nicht erst die Frage abwarten, ob das Projekt nicht sehr ambitioniert sei.

Die Geschichte handelt von der 16-jährigen Stella, die erfährt, dass sie Teil einer Prophezeiung ist. Unsicher und ängstlich folgt die Ich-Erzählerin dem eher unfreundlich auftretenden Severyn in eine Parallelwelt. Seine Welt. Eine „viele grünere“ als die, die Stella kennt. „Überall Bäume. Wiesen. Tiere.“ Doch das Idyll ist in Gefahr, nachdem die beliebte Königin Valira der Liebe wegen in die Menschenwelt gegangen ist und ihren verbitterten Sohn Sydney zurückgelassen hat. Der regiert Aikaria nun auf brutale Weise.

Zurück ins Hier und Jetzt: Auf besagtem Bücherregal ergänzt eine Nachbildung des Sprechenden Huts das heimische Harry-Potter-Universum. „Irgendwie bin ich ein bisschen in meiner Kindheit steckengeblieben“, sagt Schiller über sich und präzisiert etwas selbstironisch: „Ich bin ein bisschen verrückt.“ Als humorvoll und selbstbewusst beschreibt sie sich zudem. Als eine Frau, die sich schon immer für Fantasy begeistert habe. „In diesen Welten verschwinde ich gerne. Ich glaube auch ein bisschen an Magie“, sagt Schiller, ehe sie schnell anfügt: „Natürlich nicht an solche wie in den Büchern.“

Der Regenwald als Inspiration

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Aber doch gebe es auch in unserer Welt Magisches. „Das Glitzern auf dem Meer, auf das man im Urlaub schaut, hat etwas Magisches.“ Auch im Corona-Jahr 2020, davon ist Schiller überzeugt, gab es schöne, magische Momente: Die wenigen Treffen mit (wenigen) Freunden, ein gutes Buch oder andere positive Erinnerungen an eine negative Zeit. „Es sind die kleinen magischen Momente im Leben, die so viel ausmachen“, sagt sie. „Viele Menschen nehmen leider schöne Dinge nicht so wahr wie negative Dinge.“

Schöne Dinge wahrnehmen – das lernt auch Stella. Sie soll die Erlöserin sein; der Phönix, der Aikaria befreit. Unterstützt wird sie zunächst von Severyn, Eva und Jaron, die Stella in die Welt voller Feen und Natur, aber auch Kämpfe, Hexen und natürlich Magie einführen – Severyn etwa kann mit der Natur sprechen.

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Freunde charakterisieren Schiller als zielstrebig, glaubt sie. „Ich wusste schon immer, was ich will“, sagt sie – auch „Aikaria“ ist nicht aus einer Laune heraus entstanden. „Als ich zehn war, habe ich die ersten Kapitel eines Buches geschrieben“, sagt sie eher in einem Nebensatz, den man fast hätte überhören können. „Die 60 Seiten wurden nie veröffentlicht.“

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Mit 14 Jahren habe Schiller, die Tahereh Mafi als literarisches Vorbild nennt, zum ersten Mal von Handlungssträngen geträumt, die sich Jahre später in „Aikaria“ wiederfinden. Zunächst aber folgt dem Abitur am Thadden-Gymnasium in Wieblingen ein Jahr als Au-pair auf Mallorca. Zurück in Deutschland studiert sie Wirtschaftsingenieurwesen, ehe sie sich im berufsbegleitenden Master auf einen Aspekt der Digitalisierung fokussiert. Schiller nutzt die Kreativität als Ausgleich. „Manche machen Sport. Damit kann ich persönlich nicht so gut entspannen wie mit dem Schreiben.“

Die Handlung in „Aikaria“ entwickelt sich schnell, ohne aber die Details auszulassen, die beim Lesen den Eintritt in die fremde Welt einfach gestalten. In eine Welt, die Severyn als eine beschreibt, „in der keine Wege durch die Wälder gezogen werden und den Boden vergiften“.

Ob es solche Flecken auch noch in der unseren gibt? Ja, sagt Schiller. Ihre Großeltern wohnen in Brasilien, wo die Mannheimerin sie ein Mal im Jahr besucht. Die Regenwälder seien für „Aikaria“ eine Inspiration gewesen. „Aber der Dschungel wird leider immer weniger und dünner.“

Fortsetzung noch in diesem Jahr

Generationstypisch interessiert sich die 23-Jährige für den Umweltschutz, auch wenn sie nicht an Demonstrationen teilnimmt. „Ich könnte noch deutlich mehr machen“, gesteht Schiller, die ihren „kleinen Beitrag im Alltag“ zu leisten versucht. „Wenn man mal den Regenwald gesehen hat, sieht man, wie viel traurige Dinge mit der Natur passieren.“ Vieles, in das der Mensch eingreift, gehe kaputt. Das deute auch „Aikaria“ an einigen Stellen an, aber: „Ich wollte kein gesellschaftskritisches Buch nach dem Motto ’Seht, was ihr tut’ schreiben.“

Doch auch nur mit Andeutungen ist „Aikaria“ ein gelungenes Debüt, das auf die Fortsetzung warten lässt. Der zweite Teil, kündigt Schiller auf der Instagram-Seite der Redaktion an, „ist noch in diesem Jahr geplant.“

Redaktion Blattmacher der Kulturredaktion & Moderator des Stotterer-Ppppodcasts