Journal

Auf der Suche nach der guten Nachricht

Trotz aller Krisen und Katastrophen gibt es sie noch - und das gar nicht so selten: die gute Nachricht. Warum wir uns damit so schwer tun, die positiven Dinge dieser Welt zu erkennen und wertzuschätzen

Von 
Bernhard Zinke
Lesedauer: 
Ist das Glas Wasser halb voll oder halb leer? © Getty Images/iStockphoto

Mannheim. Es fällt schwer in diesen Tagen, mit den Ereignissen auf dieser Welt Schritt zu halten. Dreht sich das Rad schneller? Sind die Nachrichten schlimmer geworden? Das vermutlich nicht. Aber unser aller Bewusstsein, unser Blick auf die Dinge könnten sich verändert haben.

Als vor zweieinhalb Jahren die Pandemie ausbrach und der Lockdown das öffentliche Leben lähmte, da brach in nicht wenigen Redaktionen die blanke Panik aus. Worüber schreiben, was berichten, wenn nichts mehr stattfindet? Es kam bekanntlich anders: Es gab weiterhin genug zu berichten. Nur der Blickwinkel änderte sich. Alles kreiste nahezu monothematisch um d a s Thema und wie es unsere Gesellschaft, unseren Alltag, die Lebenswirklichkeit, unser Denken veränderte.

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Mit dem Fortgang der Pandemie wurden die Stimmen lauter, die die Geschichten rund um das vermaledeite Virus nicht mehr hören und nicht mehr lesen konnten oder wollten. Die Nutzerzahlen der Onlineportale sprachen eine andere Sprache. Die Texte zu Corona liefen wie geschnitten Brot - entgegen der Meinung, die über den virtuellen Stammtischen schwebte.

Die eine Krise war noch gar nicht abgearbeitet, da brach die nächste Katastrophe über uns herein: Der Krieg in der Ukraine - mit all seinen Folgen. Neue Flüchtlingsströme, Gasmangellage, explodierende Energiepreise, neue Debatten um die Kernenergie und ihr Potenzial, den Strompreis zu retten.

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Der Hitzesommer mit seiner monatelangen Dürre führte uns drastisch den Klimawandel vor Augen - und die Notwendigkeit für jeden einzelnen, zu handeln. Mehr Nah- und weniger Individualverkehr, die Dreckschleuder Auto stehen lassen. Aber wie, wenn nicht genug - oder in manchen Orten der Metropolregion fast gar keine - Busse und Bahnen fahren?

Das Leben scheint einzige Katastrophe geworden zu sein

Das Leben scheint nicht nur kompliziert, sondern eine einzige Katastrophe geworden zu sein, medial immer wieder neu durchgequirlt, aber die direkte Betroffenheit der Menschen durch die echten oder vermeintlichen Katastrophen ist eben auch immer größer geworden. Hinzu kommt: Die Nachrichtenflut, die über uns täglich aufs Neue hereinbricht, wird mit einem Turbo nochmals durch die sozialen Medien gejagt. Facebook, Twitter und Co hieven die Katastrophenmeldungen durch milliardenfache Kommentierungen der Nutzer auf eine nochmals deutlich höhere Drehzahl.

Her mit den guten Nachrichten!

Liebe Leserin, lieber Leser,
haben Sie in letzter Zeit etwas Schönes erlebt? Hat Ihnen vielleicht jemand unerwartet eine Freude gemacht, Ihnen geholfen oder wurden Sie Zeuge einer schönen Begebenheit, von der sie denken, dass wir sie in der Zeitung oder online thematisieren sollten?
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Ihre E-Mail richten Sie bitte an: gutenmorgen@mamo.de

„Das sind doch tolle Zeiten für euch Journalisten“, frotzelte einer meiner Freunde zuletzt wieder. Er ist mit seiner Auffassung nicht alleine. Es ist eine weit verbreitete Meinung, dass für die Massenmedien nur Bad News Good News seien, also nur schlechte Nachrichten sich gut verkaufen. Es ist allerdings ein weit verbreitetes Missverständnis über die Branche.

Veränderungen bedeuten Arbeit

Es liegt nun einmal in der Natur der journalistischen Nachricht, dass sie das Besondere, das Neue benennt. Das ist zumindest in der politischen Großwetterlage oft tatsächlich nicht allzu gut. Aber: Neue Entwicklungen bedeuten meist auch Veränderung. Und Veränderung bedeutet Arbeit für alle, die es betrifft. Außerdem ist das menschliche Gehirn so gepolt, dass es schlechte Nachrichten weitaus intensiver wahrnimmt als gute. Die Psychologie hat dafür sogar einen Begriff: „Negativity Bias“, den Negativitätseffekt. Das bedeutet, dass Dinge negativer Natur einen größeren Einfluss auf den eigenen psychischen Zustand haben als neutrale oder positive Dinge, selbst bei gleicher oder sogar niedrigerer Intensität. Wir können also gar nichts dafür. Es ist tief in unserer Psyche verwurzelt, dass negative Meldungen wesentlich besser haften bleiben.

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Blättern Sie doch bitte unsere Zeitung mal unter dem Aspekt der „guten“ oder „neutralen“ Nachrichten durch! Sie werden jede Menge Meldungen und Berichte finden, die keineswegs Katastrophen oder Unglücke vermelden. Ganz im Gegenteil: Es gibt jede Menge gute Nachrichten, fröhliche Texte über besondere Leistungen, mutigen und couragierten Einsatz von Einzelnen. Aber die nimmt unser Gehirn weniger intensiv wahr als beispielsweise eine verheerende Massenpanik mit vielen Toten, medial befeuert durch Bilder der fürchterlichen Szenen, die eben eher im Hirn haften bleiben.

Grund zur Freude oder Skandal?

Doch zuweilen kommt es auch auf die Sichtweise an. Denn es gibt die Art von Nachrichten, die je nach Position und Lebenswirklichkeit des Rezipienten komplett unterschiedlich aufgenommen werden, für die einen ein Grund zur Freude, für die anderen ein Skandal. Beispiele gefällig? Im Stadtpark von Lampertheim sorgen seit einigen Monaten helle Lampen dafür, dass sich die Menschen gerade jetzt, in der dunklen Jahreszeit, wohler fühlen als früher. Der einst dunkle Park strahlt nun in den Abendstunden hell, verbreitet das Gefühl der Sicherheit. Eine gute Nachricht? Nicht für Naturschützer. Für die sind die neuen Lampen das Übel schlechthin, sorgen sie doch für Lichtverschmutzung, rauben Vögeln in den Baumkronen ihre Schlafplätze und bringen Insekten um ihre Orientierung.

Und ist die Einführung des 49-Euro-Ticket jetzt eine gute Sache oder nicht? Für die Nutzer in den Ballungszentren ja, für die Verkehrsverbünde, die nun die Kosten für den Nahverkehr managen müssen, eher nicht.

Letztlich muss es jeder mit sich selbst ausmachen, ob er das Glas Wasser als halb voll oder halb leer betrachtet.

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Autor Stellvertretender Leiter der Redaktion Mannheim und die Region