Weltmeisterschaft

Warum die kleinen Handball-Nationen immer mehr aufkommen

Die kleinen Handball-Nationen sorgen bei der WM für Furore. Vorneweg die USA, in deren Nationalteam sich zudem ein Spieler befindet, den man aus dem deutschen Show-Fernsehen bestens kennt.

Von 
Marc Stevermüer
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Gary Hines (rechts) spielt in Deutschland in der vierten Liga und für die USA bei der Weltmeisterschaft. © imago

Viele kennen ihn aus dem Fernsehen. Allerdings nicht als Handballer, sondern aus dem Show-Geschäft: Gary Hines. Der US-Amerikaner nahm mehrfach an der RTL-Action-Show „Ninja Warrior Germany“ teil, war auch beim Kuppel-Format „Take Me Out“ und gemeinsam mit seinem Bull-Terrier Gizmo bei „Top Dog Germany - Der beste Hund Deutschlands“ dabei.

Gerade steht der 38-Jährige, der beim deutschen Viertligisten SG Langenfeld spielt, allerdings bei der Handball- Weltmeisterschaft auf dem Feld - und vollbrachte mit dem US-Team Historisches. Die Amerikaner zogen in die Hauptrunde ein. Dafür reichte ihnen ein einziger Sieg in ihrem 26. WM-Spiel. Gleich in der ersten Vorrundenpartie bezwang die Mannschaft des schwedischen Trainers Robert Hedin die marokkanische Auswahl im Duell der Handball-Zwerge mit 28:27.

Noch vor ein paar Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass die international drittklassigen Amerikaner an der Weltmeisterschaft teilnehmen. Doch seit der WM-Auflage 2021 in Ägypten wird das Turnier mit 32 und nicht mehr mit 24 Nationen gespielt, der Sieger der nordamerikanischen und karibischen Meisterschaft erhält einen Startplatz. Und den holten sich die US-Boys vor Grönland, Kuba und Mexiko.

Ihr WM-Ticket für 2025 und 2027 haben sie ebenfalls bereits in der Tasche. Da Los Angeles 2028 die Olympischen Spiele ausrichtet, erhielten die amerikanischen Handballer eine Wildcard für die nächsten zwei Weltmeisterschaften, um dort für Olympia zu reifen.

„Handball muss globaler werden“

Denn dass sie immer noch recht weit davon entfernt sind, konstant konkurrenzfähig zu sein, zeigt sich bei dieser WM. Ein klares 22:40 gegen Kroatien spricht für sich. Ähnlich hoch verloren auch die Iraner gegen Spanien (28:43), sie stehen aber ebenfalls dank eines Erfolgs über Chile (25:24) in der Hauptrunde - und sind bei dieser Weltmeisterschaft überhaupt nur dabei, weil das Teilnehmerfeld vor zwei Jahren aufgestockt wurde.

Beim Deutschen Handballbund (DHB) begrüßt man diese Entwicklung. Bei Sportvorstand Axel Kromer ist vom „Handball als globalem Sport“ die Rede. Erik Wudtke, Assistent von Bundestrainer Alfred Gislason, spricht von einer „Konkurrenz an spannenden Sportarten, mit denen wir um Aufmerksamkeit und Mitglieder ringen“. Deswegen sei ein Wachstum des Handballs außerhalb Europas „wichtig, um den Erhalt der Sportart zu garantieren“.

Ähnlich äußert sich der zweifache dänische Weltmeistertrainer Nikolaj Jacobsen gegenüber dieser Redaktion: „Ich finde es gut, dass mehr Nationen dabei sind, weil der gesamte Handball diese Entwicklung braucht. Handball darf keine europäische Sportart bleiben, sondern muss größer werden.“

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Brasilianer und Argentinier haben in der Vergangenheit aufgeholt, Ägypten stand bei den Olympischen Spielen 2021 sogar im Halbfinale und bezwang auf dem Weg dorthin die deutsche Auswahl. Es sei „gut, dass Ägypten jetzt um die Medaillen spielen kann“, meint Jacobsen, der mit den Rhein-Neckar Löwen 2016 und 2017 deutscher Meister wurde.

Einer seiner Spieler war damals Patrick Groetzki, der immer noch das Trikot der Mannheimer trägt, nun bei der WM für Deutschland am Ball ist und die Entwicklung seines Sports genau verfolgt. „Es ist der Wahnsinn, wenn der Handball globaler und größer wird.“ Der Rechtsaußen empfiehlt einen Blick zum Fuß- und Basketball: „Da hat man als Spieler viel mehr Möglichkeiten, andere Länder kennenzulernen. Europäische Spitzenfußballer gehen am Ende ihrer Karriere in die USA und erleben dort noch einmal etwas anderes.“ Für die Entwicklung des Handballs sei es wichtig, „dass andere Nationen hervortreten. Vor allem so große wie die USA.“

Redaktion Handball-Reporter, Rhein-Neckar Löwen und Nationalmannschaft