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Podcast - Kriminalfälle in der Region

Verbrechen im Quadrat: Die Pflegeheim-Morde von Lambrecht

Was geht Ermittlern am Tatort durch den Kopf? Wie laufen Obduktionen und Vernehmungen ab? Wann landen die Fälle am Gericht? In „Verbrechen im Quadrat“, dem Crime-Podcast des „Mannheimer Morgen“, öffnet Gerichtsreporterin Angela Boll gemeinsam mit den Hauptakteuren von damals noch einmal die Akten von Fällen aus der Region.

Von 
Angela Boll
Lesedauer: 
© Julia Brinkmann

Mannheim. Die Opfer waren betagt, von Krankheit geschwächt und ihren Peinigern hilflos ausgeliefert. Eine Frau, Pflegekraft mit dreijähriger Ausbildung, ein jüngerer Mann, der die Fortbildung zum Pflegehelfer absolviert hatte, und ein ungelernter, damals 47-jähriger Pflegehelfer hatten im Jahr 2015 zusammengefunden. Sie arbeiteten in derselben Abteilung eines Pflegeheims in Lambrecht, galten im Kollegium als freundlich und unkompliziert. Und doch entwickelte sich ihre Freundschaft zu einem Infernale. Der Podcast "Verbrechen im Quadrat" beschäftigt sich in der neuesten Folge, die jetzt zu hören ist, mit den Pflegeheim-Morden von Lambrecht, mit einer Reihe niederträchtiger Straftaten, die über Monate hinweg unentdeckt geblieben waren.

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Oberstaatsanwältin Doris Brehmeier-Metz leitete in dem Verfahren die Ermittlungen. Sie beantragte die Haftbefehle, schrieb mit der 45-seitigen Anklage die längste und aufwendigste ihrer Karriere und forderte schließlich in ihrem Plädoyer für jeden der drei Angeklagten eine lebenslange Haftstrafe und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Im Gespräch mit "MM"-Gerichtsreporterin Angela Boll, die den Podcast "Verbrechen im Quadrat" verantwortet und moderiert, gewährt die Ermittlerin Einblicke in das Verfahren und spricht über ihre persönliche Motivation, diesen Fall in aller Ausführlichkeit zu Ende zu bringen.

Beweismittel: Chatprotokolle

Ein weiterer Interviewpartner in der Folge ist Harald Dreßing, der die drei Angeklagten psychiatrisch begutachtete, sie in persönlichen Gesprächen in der JVA kennenlernte, ihr Verhalten im Prozess beobachtete und schließlich dem Gericht Erkenntnisse über die psychische Stabilität der drei vortragen konnte.

Doris Brehmeier-Metz

  • Oberstaatsanwältin Doris Brehmeier-Metz hat in dem Fall die Ermittlungen geleitet.
  • Seit 2012 ist sie Chefin der Abteilung für Kapitaldelikte in Frankenthal.
  • Brehmeier-Metz wurde in Schleswig-Holstein geboren, lebt aber seit 30 Jahren in der Pfalz.

Der Blick zurück: Im November 2016 machen Kollegen aus einer anderen Abteilung Doris Brehmeier-Metz auf ein Chatprotokoll aufmerksam. Die Whatsapp-Kommunikation steht auf dem Prüfstand, weil sich die drei, die sich in der Gruppe schreiben, gegenseitig verdächtigen, alte Leute bestohlen und misshandelt zu haben. Doch die Ermittler stoßen auf einen Dialog, der sie aufschrecken lässt. Sie schalten Doris Brehmeier-Metz ein, denn sie leitet die Abteilung für Kapitaldelikte. Im Podcast beschreibt sie, wie es ihr erging, nachdem sie die Passage gelesen hatte: "Ich habe nicht gezögert, es war eindeutig: Hier hatten wir den Anfangsverdacht eines Tötungsdelikts."

"Herrscher über Leben und Tod"

Im Detail beschreibt der junge Pflegehelfer, der offenbar Dienst hat, im Whatsapp-Chat wie er einer Bewohnerin Insulin verabreicht. Motiviert von den beiden anderen möchte er es "zu Ende" bringen, aber die Dosis reicht nicht aus. "Kissen" wird ihm im Chat als finale "Lösung" mitgeteilt - Whatsapp als Protokoll einer Tötung. Die drei werden festgenommen. Zwei schweigen, der Jüngere räumt Vorwürfe ein, die Staatsanwältin ahnt längst, dass nicht nur er Schuld trägt. "Das Ganze war ein Gruppengefühl, ein Gefühl der Überlegenheit über die ganze Welt", so drückt sie es bei "Verbrechen im Quadrat" aus. Sie beauftragt den renommierten Forensiker Harald Dreßing mit der Begutachtung der Beschuldigten. Fragt sich vor der Formulierung der Anklage: Sind die drei schuldfähig und kann der Mediziner möglicherweise etwas über das Motiv erfahren?

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Seine Erkenntnis: Bei keinem der Angeklagten liegt eine psychische Störung vor. Harald Dreßing liest auch die Chatprotokolle, und erklärt im Podcast, wie sie auf ihn wirkten: "Es war in Bezug auf die Opfer, die hilfsbedürftig und besonders schutzbedürftig waren, sehr bedrückend. Auch als Fachmann. Weil die Opfer erniedrigt wurden." Ein hinreichendes Motiv kann er nicht formulieren, Dreßing drückt es so aus: "Die Beschuldigten fühlten sich als Herren über Leben und Tod."

Harald Dreßing

  • Professor Harald Dreßing ist Chef der forensischen Abteilung im Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim (ZI).
  • Er war als psychiatrischer Gutachter beauftragt worden.
  • Dreßing leitete die MHG-Studie, die sich mit Missbrauch in der katholischen Kirche beschäftigte.

Drei Tötungen klagt die Staatsanwältin an, Körperverletzung, Diebstahl und Verletzung der Persönlichkeitsrechte, weil einige Bewohner ohne Einwilligung und in erniedrigender Weise gefilmt und fotografiert worden waren. "Das zeigt die Widerwärtigkeit in allen Lebensbereichen von diesen Angeklagten", betont Doris Brehmeier-Metz im Gespräch mit Angela Boll. In der Anklage lässt die Juristin nichts aus, will durch die Ausführlichkeit erreichen, "dass das Gericht, die ganze Bandbreite, das Ausmaß der Straftaten sieht". Denn von Anfang an hat die Ermittlerin im Sinn, die besondere Schwere der Schuld zu beantragen, so dass für die drei Angeklagten eine frühzeitige Entlassung bei lebenslanger Haft erschwert wird.

Die Beweisaufnahme während des Prozesses stützt sich, wie auch die Ermittlungen, weitestgehend auf die Chatprotokolle. Zeugen, auch die engsten Kollegen aus dem Pflegeheim, können kaum zur Aufarbeitung beitragen. Niemandem wäre in den Sinn gekommen, zu was die Angeklagten fähig waren. Und sie selbst? In den Befragungen reden sie sich raus. "Sie haben sich", so erinnert sich Brehmeier-Metz, "wesentlich darauf berufen, dass es Fantasiegerede gewesen sei." Alle drei werden zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt und das Gericht stellt die besondere Schwere der Schuld fest.

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Redaktion Lokalredakteurin, Gerichtsreporterin, Crime-Podcast "Verbrechen im Quadrat"

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