Politik - Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zu Gast in der Neckarstadt-West / Rundgang durch das Viertel mit allen Facetten

Ministerpräsident Winfried Kretschmann besucht die Neckarstadt

Von 
Lea Seethaler
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Winfried Kretschmann (v.l.) und Peter Kurz unterhalten sich während eines Gangs durch die Neckarstadt. © Christoph Blüthner

Mannheim. Ein sonniger Nachmittag in der Neckarstadt-West. Ein Junge im Italien-Trikot schlingt hastig ein Eis hinunter. Ein Mann sitzt daneben auf einer Bank und spielt Gitarre. Er singt, nimmt einen Schluck Dosenbier. Beide sehen verwundert zur Menschenmasse auf, die sich vor ihnen am Bürgerhaus aufbaut und immer größer wird. Denn in der Neckarstadt wird hoher Besuch erwartet: Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat sich angekündigt.

Als der Politiker ankommt, scharen sich zahlreiche Mannheimer Politiker um ihn. Man merkt, es ist Wahlkampfzeit. „Hallo Winfried“, ruft es aus der Menge. Dieser wird von Peter Kurz (SPD) in Empfang genommen, als er aus seiner Limousine steigt. Kretschmann besucht die Quartiersimpfung im Bürgerhaus.

Klare Botschaft im Gepäck

Im Gepäck hat der Ministerpräsident eine klare Botschaft: „Impfen, impfen, impfen“, sagt er. „Wir brauchen sehr, sehr hohe Impfquoten in der Bevölkerung, sonst geht das ewig und drei Tage so weiter“, fügt Kretschmann hinzu.

Man müsse immer daran denken, mit einer Impfung schütze man sich - aber eben auch andere. Als Kretschmann diesen Satz sagt, flüstert es in der Menge. Eine Frau sagt zu einer anderen: „Er ist sehr christlich, weißt du.“ Kretschmann sagt über das Impfen indes auch: Es sei das Mittel, damit „dieser Zauber endlich mal vorbei ist.“ Er macht mit Nachdruck deutlich, dass Covid-19 jeden erwischen kann. „Wer sich nicht impfen lässt, wird sich mit ziemlich hoher Sicherheit anstecken“, sagt er in Bezug auf die Delta-Variante.

Zusammenhänge erkannt

Kretschmann richtet seinen Dank auch an Oberbürgermeister Kurz und an die Stadt fürs Organisieren der Quartiersimpfungen. Vor Ort, nah bei den Menschen. Davon könne man viel lernen, sagt Kretschmann. Man habe relativ früh mit den mobilen Impfzentren begonnen, sei so als gutes Beispiel vorangegangen. Oberbürgermeister Kurz sagt: „Wir haben bei den Impfquoten gesehen: Da müssen wir ausgleichen und tätig werden.“

Nicht nur zum Thema Impfen sei Kretschmann heute in der Neckarstadt-West unterwegs, erklärt Kurz vor Journalisten weiter. Sondern auch zu den „verwandten Themen - Bildung, soziale Integration“. Man bräuchte das „Zusammenwirken von Strukturen vor Ort, in der Stadt, aber eben auch im Land, um diese Herausforderungen auch wirklich erfolgreich adressieren zu können.“ Deswegen sei der Besuch für Mannheim auch so wichtig, betont Kurz mit Nachdruck.

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Die Traube aus Journalisten, Politikern und Mitarbeitern schiebt sich weiter durch das Viertel. Vorbei an Shishabars und verwunderten Passanten. Aus dem Pulk heraus nachgefragt bei einem Passanten „Wissen Sie, wer das ist?“ antwortet dieser „Keine Ahnung“ und verzieht sein Gesicht.

Station der Tour ist auch der Kaisergarten. Dort wird das Gebäude zu einem Kinder- und Jugendbildungshaus umgebaut. GBG-Geschäftsführer Karl-Heinz Frings erklärt die Arbeiten, Kretschmann lauscht. Den Ministerpräsidenten beeindruckt allgemein, dass man in Mannheim „etwas hochzieht“. „Städtebaulich, dass Plätze neu gestaltet werden - aber auch kulturell,“ präzisiert er. Und ihn beeindrucke, dass sich die Leute ehrenamtlich engagieren und mit ihrer Kreativität den Zusammenhalt stärken. Dabei bezieht er sich auch auf das Sport- und Freizeitangebot „Alter“. Mit den Organisatoren, den Vertreterinnen und Vertretern des Vereins Pow, spricht er lange. Sie erklären die Projekte, etwa die „Soulkitchen“. Bei der über eine Gratis-Mahlzeit Sozialarbeiter an Bedürftige und Kids mit Lebensmittelpunkt auf der Straße rankommen. „Danke“, wiederholt Kretschmann mehrfach am Ende des Gesprächs in Richtung Helfer.

Indes demonstrieren an diesem Tag einige Menschen am "Alter" gegen steigende Mieten in der Neckarstadt. Der Ministerpräsident und Kurz hören zu. Ein Mann gestikuliert, und seine Stimme überschlägt sich fast, als er sagt: „Studentenwohnungen, Ein-Zimmer, für 930 Euro wurden da jetzt gerade gebaut“  - und zeigt hinter sich.

Zum Ende seines Besuchs zeigt sich Kretschmann beeindruckt, wie man sich in Mannheim den Problemen im Viertel stelle. Und das „bei maximalen Problemen, Raumfluktuation, immer wieder neuen Zuwanderergruppen.“ Es brauche hier stets genau solche kreativen Ideen, wie er heute gesehen habe, um die Frage zu beantworten, wie man damit am besten umgehe. Man habe im Koalitionsvertrag festgeschrieben, in solche Problemzonen gezielt mit Zuwendungen zu gehen - und eben nicht einfach mit der "Gießkanne" über alles, sagt Kretschmann.

Redaktion Redakteurin und Online-Koordinatorin der Mannheimer Lokalredaktion