Junge Wissenschaftler

Mannheimer Fröbel-Kindergarten als 6000. „Haus der kleinen Forscher“ ausgezeichnet

Ein ungewöhnliches Projekt beschäftigte die Kinder des Mannheimer Fröbel-Kindergartens in den letzten Wochen: Sie beobachteten Hausspinne „Mrs. Spaghettibein“ beim Netz bauen oder Eier legen. Dafür wurden sie nun ausgzeichnet

Von 
Katja Geiler
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Tanja Engert, Madeleine Willisch, Holger Hofrichter, Katharina Steinheuser, Sharon Burchard, Sophie Ose, Nils Brekeller und Thomas Morr (hinten, v.l.n.r.). © Katja Geiler

So jung und schon ein Forscher - die Kinder des Fröbel-Kindergartens am Pfalzplatz im Stadtteil Lindenhof dürfen sich nun offiziell so nennen, denn ihre Einrichtung ist das 6000. „Haus der kleinen Forscher“ in Deutschland. Die gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Berlin engagiert sich seit 2006 für frühe Bildung in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik), weil hier der Nachwuchs fehlt. Außerdem möchte die Stiftung Mädchen und Jungen zukunftsfähig machen und sie zu nachhaltigem Handeln befähigen. Kitas, Horte und Grundschulen, die sich um frühe MINT-Bildung bemühen, können sich für das Zertifikat bewerben. In Mannheim gibt es schon 27 zertifizierte Einrichtungen, quer über das Stadtgebiet verteilt.

„Hilfe, eine Spinne, bring sie raus!“ war gestern, heute gilt: „Eine Spinne, wie interessant, sie darf bleiben.“ So in etwa kamen die Kinder vom Pfalzplatz zu ihrem Forschungsprojekt. Sie entdeckten in ihrer Kita eine große Hauswinkelspinne und waren fasziniert. Warum hat sie so lange Beine? Was frisst sie? Wo ist ihr Netz? Für „Mrs. Spaghettibein“ wurde ein Terrarium eingerichtet, und die Kinder konnten beobachten, wie die Spinne ein Netz baute und Eier legte. Sie arbeiteten in der Tat wie kleine Forscher, dokumentierten ihre Beobachtungen und werteten aus, dabei wurden sie von Erzieher Holger Hofrichter begleitet, einem studierten Biologen. Sogar ein separates Forschungszimmer gibt es in der Kita.

Bei so viel Engagement und Begeisterung war der Weg zum Zertifikat nicht weit. In einer kleinen Feier, die die Kinder mitgestalten durften, wurde das Zertifikat von Michael Fritz, dem Vorstandsvorsitzenden der Stiftung, an Kita-Leiterin Tanja Engert überreicht. Kooperationspartner sind unter anderen die Dietmar-Hopp- und die Dieter-Schwarz-Stiftung, Netzwerkpartner der Kitaträger Fröbel und die Akademie für Innovative Bildung und Management (aim).

Circa 80 Kinder in der Kita

„Wir haben 200 Netzwerk-Partner, seit 2017 ist die Dietmar-Hopp-Stiftung mit dabei. Deutschlandweit hat jede zehnte Kita das Zertifikat, in Baden-Württemberg sogar jede achte“, sagte Michael Fritz. Im Vorfeld war ein Film gedreht worden, in dem die Kinder Fragen an die Vertreterinnen und Vertreter der Stiftungen stellen durften. „Was wäre euer Wunsch, wenn ihr nochmal Kind wärt?“ oder: „Wie helft ihr uns zu forschen?“ Bei der Frage „Warum sollen Kinder an die Macht?“ waren die Erwachsenen sich einig: „Weil Erwachsene zu lange überlegen und zu kompliziert denken. Kinder sind unvoreingenommen und spontan.“

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Anschließend wurde noch eine Präsentation über den Verlauf des Projekts gezeigt - mit einer Großaufnahme der Spinne, die in Wirklichkeit zum Glück wenig furchteinflößend wirkt. Angst vor Spinnen werden die Kinder, die den Kindergarten irgendwann verlassen, wahrscheinlich nicht haben.

Den Fröbel-Kindergarten auf dem Pfalzplatz besuchen zurzeit etwa 80 Kinder. Er besteht aus Containern, die im Innern recht heimelig eingerichtet sind. Aufgebaut wurden sie vor einem guten Jahr als Übergangslösung für die zukünftige Kita im Glückstein-Quartier. Inzwischen haben sich jedoch Kinder, Erzieherinnen und Erzieher und die Spinne recht gut eingelebt.

Freie Autorin Ich schreibe am liebsten über kulturelle Events wie Lesungen, Theaterstücke und Konzerte in Ludwigshafen und der Region.