Mehrere Straftaten und hunderte Platzverweise

3.500 Gegner der Corona-Maßnahmen demonstrieren in Sinsheim

Von 
Kai Plösser
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Symbolbild. © dpa

Sinsheim. Rund 3.500 Gegner der Corona-Maßnahmen haben am Sonntag in Sinsheim demonstriert. Dabei waren bei der zwischen 13 Uhr und 17.30 Uhr angemeldeten Kundgebung auf dem dafür vorgesehenen Gelände nur 800 Personen zugelassen, teilte die Polizei mit. Überrascht waren die Einsatzkräfte von dem regen Zulauf jedoch nicht: Sie hatte schon im Vorfeld mit einer weitaus größeren Anzahl an Demonstranten gerechnet und baute auf ein flexibles Einsatzkonzept. Seitens der Polizei hieß es nach dem Einsatz: „Die Versammlung auf dem Schwimmbadparkplatz in der Lilienthalstraße verlief überwiegend störungsfrei.“ Mehrere Verstöße gegen die Maskentragepflicht sowie die Abstandsregeln wurden festgestellt, worauf die Polizei über den Veranstalter mehrfach einwirkte.

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Die übrigen etwa 2.700 Teilnehmer verteilten sich in der Stadt. Eine Gruppe meldete im Laufe des Nachmittags eine Spontanversammlung an, die von der Versammlungsbehörde der Stadt Sinsheim nicht zugelassen wurde. Rund 500 Teilnehmer hatten sich am Hauptbahnhof eingefunden. Auch nach mehrmaliger Aufforderung löste sich die Versammlung nicht auf. Die Personalien aller Teilnehmer wurden erhoben, Platzverweise ausgesprochen und Anzeigen gefertigt.

Weitere Personen versammelten sich ebenfalls im Stadtgebiet in größeren Gruppen zu mehreren Spontankundgebungen. Zum Teil seien auch hier mehrere hundert Menschen zusammengekommen. Die Versammlungen wurden allesamt zur Einhaltung der Corona-Verordnung aufgelöst. Verstöße wurden konsequent geahndet.

Mehrere Straftaten und hunderte Platzverweise

Insgesamt wurden bei dem Einsatz neun Straftaten registriert. Unter anderem wurde an einem Beamten eine gefährliche Körperverletzung begangen. Darüber hinaus leitete die Behörde zwei Ermittlungsverfahren wegen tätlichen Angriffs und Widerstands gegen Polizeibeamte ein. Mehrere Beleidigungen gegen eingesetzte Beamte wurden ebenso aufgenommen wie ein Verstoß gegen das Waffengesetz.

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Des Weiteren wurden insgesamt 1.561 Personen und 460 Fahrzeuge kontrolliert. Gegen 387 Personen wurden Platzverweise ausgesprochen und rund 600 Personen sehen Anzeigen aufgrund von Ordnungswidrigkeiten wegen Verstößen gegen die Corona-Verordnung entgegen. Zudem sieht eine Person wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ebenfalls einer Anzeige entgegen.

Reger Zulauf seit dem Morgen

Bereits am Morgen hatten die Beamten einen regen Zulauf an Teilnehmern festgestellt, die überregional vorwiegend in Autos, Bussen und dem öffentlichen Nahverkehr angereist waren. Bereits um kurz nach 13 Uhr vermeldete die Polizei bei Twitter, dass die Obergrenze von 800 Teilnehmern auf dem Veranstaltungsgelände erreicht wurde. Infolgedessen wurden weitere anreisende Demonstranten an mehreren Stellen abgewiesen, so zum Beispiel insbesondere an den drei Autobahnabfahrten der A6 und am Bahnhof Sinsheim.

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Teilweise hätten sich Teilnehmer auf anderen Wegen Zugang zum Gelände verschaffen wollen. „Und nein, da wir auch Personen rund herum auf den Feldern feststellen: Es gibt auch keine anderen Zugänge zur Veranstaltung, wir kontrollieren rund ums Gelände!“, hieß es in einer Twitter-Meldung der Polizei.

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Auch wenn die Kapazitätsgrenze von 800 Teilnehmern auf dem Veranstaltungsgelände bereits früh erreicht worden war, erhielten später einige vor einer Sperrstelle auf Einlass wartende Personen in Absprache mit der Versammlungsbehörde der Stadt Sinsheim nachträglich Zutritt zum Gelände. „Der Druck an der Engstelle und die damit verbundene Verdichtung der Personen unter dem Gesichtspunkt des Infektionsschutzes“ sei zu groß gewesen, begründete die Polizei die Maßnahme.

Zugverkehr zwischenzeitlich lahmgelegt 

Wegen des weiter starken Zustroms an Personen wurde schließlich die Autobahnabfahrt Sinsheim-Süd kurzzeitig komplett gesperrt. Andere Teilnehmer versuchten, über die Bahngleise zum Veranstaltungsort zu gelangen, weshalb der Bahnverkehr zwischen 13.15 Uhr und 16.45 Uhr voll gesperrt war. Ein Ersatzverkehr wurde eingerichtet. Nach der Freigabe der Bahnstrecke fuhren die Züge „im Bereich Sinsheim nur noch auf Sicht“, hieß es in der Mitteilung der Polizei.

Gegen 17.30 Uhr meldete die Polizei auf Twitter, dass die Versammlung auf dem dafür zugewiesenen Gelände beendet war. Die Beamten blieben jedoch in Sinsheim vor Ort, um den Abgang der Teilnehmer zu überwachen. Die Polizei achtete bei dem Einsatz am Sonntag unter anderem auf die Einhaltung der Versammlungsmaßnahmen. Wegen der Corona-Pandemie galten spezielle Auflagen, die ebenso überwacht wurden.

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