Tristan Meister vertritt deutsche Kirchenmusik weltweit

Von 
Waltraud Brunst
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Chordirigent Tristan Meister im Gespräch mit Waltraud Brunst, Mitarbeiterin dieser Zeitung. © Schwetasch

Es spricht sich schnell herum in der Metropolregion, wenn da ein offensichtlich hochbegabter junger Chordirigent in Ludwigshafen die Leitung des renommierten Beethovenchors übernimmt, zumal wenn die letzten Vorgänger Marcus R. Bosch und Klaus Arp riesige Fußspuren hinterlassen haben. Nach Arps allzu frühem Tod nahm sich der Chor viel Zeit für die Auswahl des nächsten Leiters. Schließlich machte Tristan Meister (Jahrgang 1989) das Rennen. Er konnte eine grundsolide Ausbildung vorweisen und überzeugte durch intensive Probenarbeit und die souveräne Leitung der ersten Konzerte.

Musikalische Projekte

  • Tristan Meister, Jahrgang 1989, erhielt seine erste profunde musikalische Ausbildung von 1997 bis 2008 bei den Limburger Domsingknaben.
  • An der Musikhochschule Mannheim studierte er Chordirigieren bei Georg Grün, Frieder Bernius und Harald Jers, Orchesterdirigieren bei Klaus Arp.
  • Ab dem kommenden Semester erfüllt er einen Lehrauftrag für Ensembleleitung an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.
  • Mit dem Beethovenchor Ludwigshafen führt er seit 2017 Oratorien und chorsinfonische Werke aller Epochen auf.
  • Außerdem leitet er mehrere, oft projektbezogen arbeitende Chorensembles.
  • Mit dem wichtigsten, Vocapella Limburg, hat er viele Preise gewonnen und vertritt Deutschland 2019 bei der World Choral Expo in Lissabon und 2020 beim World Symposium of Choral Music in Neuseeland
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Sein künstlerisches Rüstzeug hatte der begabte Musiker bei den Limburger Domsingknaben erhalten; dort wuchs auch seine Leidenschaft für anspruchsvolle Chormusik. Nach dem Abitur studierte er erst einmal Schulmusik in Köln. Zum Dirigierstudium (Chor und Orchester) wechselte er an die Mannheimer Musikhochschule, wo seine Hauptfachlehrer die Professoren Georg Grün, Harald Jers und Klaus Arp waren. Wichtige Impulse für den A-cappella-Chorgesang empfing er von Frieder Bernius, der bald zum Mentor und Freund wurde. Bernius bestärkte ihn auch darin, sich als freischaffender Chordirigent zu etablieren; er selbst hatte diesen tollkühnen Weg auch schon mit 20 Jahren beschritten und bald mit seinem Stuttgarter Kammerchor Weltruhm erlangt.

Da schauen wir uns doch mal die Wirkungskreise des selbständigen jungen Chordirigenten einzeln an. Das Flaggschiff seiner Ensembles dürfte Vocapella Limburg sein, ein von ihm 2007 gegründeter Männerkammerchor, der seine Wurzeln bei den Domsingknaben hat, anspruchsvolle Literatur singt und einen hervorragenden Ruf genießt. Der weitgereiste, vielfach preisgekrönte Chor wird 2019 die deutschen Farben bei der World Choral Expo in Portugal und 2020 beim World Symposium on Choral Music in Neuseeland vertreten. 2016/17 hat Meister mit Vocapella das gesamte Männerchorwerk von Max Reger a cappella auf zwei CDs vorgelegt.

Der Kammerchor „Vox Quadrata“, 2015 von Meister in Mannheim gegründet, besteht größtenteils aus semiprofessionellen Sängerinnen und Sängern und arbeitet projektbezogen. In seinen Konzerten erklingt so aparte Chormusik wie das vierchörige „Hora est“ von Mendelssohn oder die 16-stimmigen Mahler-Bearbeitungen von Clytus Gottwald.

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Seit 2011 besteht der „Jugendchor Hochtaunus“, der sich meist vor den hessischen Sommerferien zu einem Chorwochenende trifft. Nachdem sie ein Vorsingen gemeistert haben, erhalten die jungen Leute zwischen 14 und 25 Sitzungen Einzelstimmbildung und bereiten ein anspruchsvolles Chorkonzert vor. Dabei erhalten sie Impulse für die eigene Chorarbeit.

Auch das „Wormser Kammerensemble“, 1984 gegründet und seit 2014 von Tristan Meister geleitet, arbeitet projektbezogen. Das breitgefächerte Repertoire erstreckt sich von den großen barocken Oratorien von Händel und Bach bis zu zeitgenössischen Kompositionen von John Rutter und Arvo Pärt.

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Bei der seit 2006 bestehenden Karlsruher Singschule Cantus juvenum, die auch bisweilen die Staatsoper Karlsruhe und das Festspielhaus Baden-Baden „beliefert“, ist Tristan Meister für die Knabenchöre verantwortlich.

„Missa Solemnis“ als Großprojekt

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Sozusagen das Gegengewicht zu den diversen Jugendchören bildet der traditionsreiche Beethovenchor Ludwigshafen, mittlerweile auf 108 Mitglieder aller Altersstufen mit unterschiedlichen sängerischen Voraussetzungen angewachsen, der sich demnächst an Beethovens teuflisch schwere „Missa solemnis“ heranwagt.

Ein spannendes Leben fürwahr, zumal Meister auch Workshops gibt, als Juror bei Chorwettbewerben gefragt ist und ab Wintersemester einen Lehrauftrag für Ensembleleitung an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe antritt. Er ist politisch interessiert und kämpft an allen Fronten dafür, dass das Singen bei Kindern und die musikalische Ausbildung bei Lehrern wieder einen höheren Stellenwert einnehmen soll. „Man bekommt bei der Jugendarbeit so viel zurück!“ Er bekennt sich dazu, dass sein Herz, auch in der Sinfonik, für die Romantik schlägt: „Ich kenne von Brahms kein einziges schlechtes Stück.“

Freie Autorin