Das Porträt - Ensemble Windflüchter verbindet verschiedene Stile / Musikgruppe tritt in wechselnden Besetzungen auf Die Freiheit der Klänge

Von 
Martin Vögele
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Anni Fast, Rainer Kröhn, Bora Korkmaz und José Pedro (v.l.) gehören zur Besetzung der Windflüchter. © Privat

„Jazzige Weltmusik“ vielleicht? Aber wahrscheinlich werde es keinen Begriff geben, der den unterschiedlichen Aspekten der Windflüchter-Musik vollständig gerecht wird, vermutet Rainer Kröhn. Etwas abstrakter, aber durchaus treffsicher, ist die Beschreibung, die sich auf der Homepage der Band um den in Mannheim lebenden Gitarristen und Komponisten Kröhn findet: „Musik zum Abheben und Träumen“, heißt es dort. Wer sich die an selber Stelle versammelten Songmitschnitte zu Gemüte führt, begegnet ätherisch fließenden Klangmomenten, die mit pointierter Akustikgitarre, verschlungenen Melodie-Arabesken und vielfältiger rhythmischer Verve kombiniert werden.

Sieben verschiedene Zusammensetzungen

Der in Mannheim lebende Gitarrist, Komponist und Autor Rainer Kröhn wurde in Neustadt an der Weinstraße geboren.

Seit frühester Jugend schrieb er eigene Stücke.

Er musizierte unter anderem in der Folkband Zwulch, im Bernstein-Duo und bei der Band Bernsteins, die Rock mit pfälzischen Texten spielten, bevor er das Gitarrenduo Windflüchter gründete, das 2004 seine erste CD aufnahm.

Nach Auflösung des Duos im Jahr 2013 entstand die heutige Windflüchter-Formation.

Windflüchter spielen je nach Anlass in unterschiedlichen Besetzungen.

So gibt es sieben verschiedene Zusammensetzungen: „Musik und Tanz“, „Gitarre, Percussion und Querflöte“, „Gitarre, Cello und Percussion“, „Lyrik und Musik aus einer Hand“, „Gitarre und Percussion“, „Gitarre und Querflöte“ sowie die Sologitarre, von Kröhn selbst gespielt.

2004 veröffentlichte Windflüchter die CD „Mannheimer Suite“, 2012 folgte „Tonlandschaft“.

Internet: www.windfluechter-musik.de mav/seko

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Mit dieser Melange sind Windflüchter beim „37. Deutschen Rock & Pop Preis 2019“ in der Kategorie Beste Instrumentalband gerade mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden. Der Preis wurde am 14. Dezember im Kongresszentrum Siegerlandhalle in Siegen verliehen.

Verschiedene Bausteine

Windflüchter – Bewohnern der doch eher meeresfern gelegenen Rhein-Neckar-Region mag diese Bezeichnung einer Erläuterung bedürfen: „An der Küste, die Bäume, die in der ersten Reihe stehen, die heißen ja Windflüchter“, sagt Kröhn. Und zwar deshalb, weil sie Wind und Sturm ausgesetzt sind, „und von daher sehr skurrile, bizarre Formen haben – und eigentlich alle sehr individuell sind“, so der Musiker weiter. „Und da wir komplett eigene Sachen machen, dachte ich, das ist ein sehr schöner Name für das, was wir tun.“

Eine ungewöhnliche Form auch das Konzert-Konzept der Gruppe: Windflüchter sind keine in fixer Besetzung, sondern vielmehr eine modular musizierende Formation. „Wir haben verschiedene Bausteine“, berichtet Kröhn, die in variierender Konstellation vom Solo-Auftritt bis zum Quintett mitsamt Tänzerin reichen. Obendrein gebe es einen Baustein mit einer Sängerin.

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Feste Mitglieder sind neben ihm selbst Querflötist Bora Korkmaz aus Trossingen, die Mannheimer Cellistin I Chiao Wang und Schlagwerker José Pedro aus Heppenheim. Dazu kommt die Stuttgarter Tänzerin Anni Fast. Sie waren dazugestoßen, nachdem sich das gleichnamige Windflüchter-Gitarrenduo der Brüder Rainer und Martin Kröhn im Jahr 2013 aufgelöst hatte. Die Bandmitglieder sind Berufsmusiker, spielen auch in anderen Formationen, geben Unterricht.

„Ich fand die Musik von Rainer sehr interessant“, erklärt I Chiao Wang, was sie daran gereizt habe, der Gruppe beizutreten. Die sei, zum Beispiel, nicht Jazz oder Rock oder Klassisches, „sondern da gibt es zwischendrin etwas anderes“, sagt I Chiao Wang. „Für mich ist es auch manchmal eine Herausforderung, dass ich dazu etwas improvisiere“, bekennt die in Taiwan geborene, klassisch ausgebildete Cellistin, die die Tainan National University of the Arts und die Mannheimer Musikhochschule absolvierte.

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„Da ist sehr viel Raum“, sagt der aus Brasilien stammende Perkussionist José Pedro über das Zusammenspiel in der Gruppe. „Ich habe die Freiheit, verschiedene Klänge mit verschiedenen Instrumenten zu spielen. Und das, denke ich schon, macht uns aus: die Vielseitigkeit – da ist Jazz dabei, da ist Blues dabei, das ist arabisch, das ist brasilianisch, das ist Latin, das ist rockig“. Dabei gilt: „Improvisation ist sehr wichtig“, betont Kröhn, der alle Stücke der Gruppe komponiert.

Musikalischer Stadtrundgang

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Live vorgestellt haben Windflüchter ihr musikalisches Schaffen unter anderem bereits bei Auftritten im Jazzhaus Heidelberg, im Zehnthaus Jockgrim, im Wachenheimer Badehaisel, im Schlossgarten Kleinniedesheim, in Gehrings Kommode in Mannheim und als Teil des Ludwigshafener Kultursommerprogramms im Turm 33.

Auch zwei Windflüchter-Tonträger gibt es, die noch aus der Gitarrenduo-Zeit von Rainer und Martin Kröhn rühren: Die CD „Mannheimer Suite“ aus dem Jahr 2004 – ein musikalischer Stadtrundgang zu markanten Plätzen Mannheims – und der 2012 veröffentlichte Langspieler „Tonlandschaft“ mit 22 Instrumentalstücken. Ein Live-Mitschnitt des Konzerts im Wachenheimer Badehaisel soll bald erscheinen, kündigt Rainer Kröhn an.

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