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Konjunktur - Wirtschaftsleistung in der Eurozone kann nach Ansicht des Rats schon zum Jahresende das Vorkrisenniveau erreichen

EZB erwartet raschere Erholung

Von 
Rolf Obertreis
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Frankfurt. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) sieht die Wirtschaft in der Eurozone auf einem guten Weg und erhöht seine Prognose für das Wachstum in diesem Jahr von zuletzt 4,6 Prozent auf jetzt fünf Prozent. Zum Jahresende könnte die Wirtschaftsleistung das Vorkrisenniveau erreichen oder sogar übertreffen, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Donnerstag nach der Sitzung des Rates.

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Die EZB will ihre Anleihekäufe reduzieren. Die Organisation Greenpeace drängt darauf, dass bei dem Programm mehr auf Klimaschutz geachtet wird. © dpa

Deshalb passt die Notenbank das Corona-Krisenprogramm PEPP an und reduziert das Volumen der monatlichen Anleihekäufe bis zum Jahresende, allerdings nur „moderat“. Die aktuell hohe Inflationsrate von zuletzt drei Prozent betrachtet Lagarde als vorübergehend. Sie erwartet in diesem Jahr eine Preissteigerungsrate von im Schnitt 2,2 Prozent und im nächsten Jahr einen Rückgang auf 1,7 Prozent. Das liegt unter dem EZB-Ziel von 2,0 Prozent.

Leitzins bleibt auf Rekordtief

Zwischen Mai und Juli hatte die EZB pro Monat Anleihen im Volumen zwischen 80 und 87 Milliarden Euro gekauft. Schon im August waren es mit 65 Milliarden Euro deutlich weniger. Angaben, wie sich der Umfang der Käufe in den Monaten bis Jahresende genau gestalten wird, machte Lagarde nicht. Die Entscheidung zur Reduzierung der Käufe sei im Rat einstimmig gefallen. Insgesamt umfasst PEPP ein Volumen von 1,85 Billionen Euro. Gekauft hat die EZB bis Ende August für rund 1,34 Billionen Euro. Das Programm soll noch bis mindestens März nächsten Jahres laufen.

Den Leitzins belässt die EZB auf dem Rekordtief von null Prozent. Dort verharrt er bereits seit mehr als fünf Jahren. Zu diesem Satz besorgen sich Geschäftsbanken bei der EZB Geld, das sie wiederum zur Vergabe von Krediten an Verbraucherinnen und Verbraucher und Unternehmen weiterverwenden. Der Zins für Einlagen der Bank bei der EZB bleibt mit minus 0,5 Prozent negativ. Damit bleibt es bei extrem niedrigen Zinsen für Spareinlagen, im Gegenzug aber auch bei günstigen Finanzierungsbedingungen für Verbraucherinnen und Verbraucher und für Unternehmen. Dies soll den Konsum und Investitionen begünstigen.

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Insgesamt ist die EZB für die Wirtschaftsentwicklung in den 19 Euroländern zuversichtlicher als zuletzt. Als Gründe nannte Lagarde die Aufhebung von weiteren Corona-Einschränkungen, den Fortschritt bei den Impfungen und die gute Entwicklung in der Industrie. „Gleichzeitig haben wir aber noch ein gutes Stück Weg zurückzulegen, um den wirtschaftlichen Schaden durch die Pandemie zu überwinden“, schränkt die EZB-Präsidentin ein. Immer noch seien zwei Millionen Menschen weniger beschäftigt im Vergleich zur Zeit vor Corona. Das treffe vor allem Jüngere. Auch die Zahl der Kurzarbeitenden sei weiter hoch. Als Risiken betrachtet sie wieder steigende Infektionen und anhaltende Schwierigkeiten für die Unternehmen durch noch länger gestörte Lieferketten.

Hohe Inflation „vorübergehend“

Um die Inflation macht sich die EZB-Präsidentin keine größeren Sorgen, auch wenn sie im August in der Eurozone auf 3,0 Prozent gestiegen ist. Dies dürfte eine vorübergehende Entwicklung sein. „Wir erwarten einen weiteren Anstieg im Herbst, aber einen Rückgang im nächsten Jahr.“ Lagarde verweist auf vorübergehende Effekte wie den im Vergleich zu Mitte 2020 stark gestiegenen Ölpreis und die zeitweise Mehrwertsteuersenkung in Deutschland im vergangenen Jahr.

Diese Effekte würden sich 2022 vermindern oder ganz verschwinden. In diesem Jahr erwartet die EZB im Schnitt eine Inflationsrate von 2,2 Prozent, im nächsten Jahr von 1,7 und 2023 von 1,5 Prozent. Damit hat sie die Erwartungen im Vergleich zu ihren letzten Projektionen von Juni allerdings erhöht.

Detaillierte Angaben über ihre weitere Krisenpolitik dürfte es auf der nächsten Ratssitzung Ende Oktober geben, eher aber auf dem letzten Treffen der Notenbankerinnen und -banker in diesem Jahr im Dezember. Dann verfügt die EZB über neue Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung. „Wir haben heute noch nicht darüber gesprochen, was kommt“, sagte Lagarde am Donnerstag. Unterdessen fordert die Umwelt-Organisation Greenpeace die EZB auf, dem Klimaschutz eine größere Rolle einzuräumen und Anleihen klimaschädlicher Unternehmen nicht mehr im Rahmen des Krisen-Programms zu kaufen. Aktuell finden sich Experten zufolge im Portfolio der EZB viele Papiere aus Branchen mit relativ hohem CO2-Ausstoß.

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Korrespondent Seit mehr als 20 Jahren arbeite ich für den Mannheimer Morgen und für andere wichtige Regionalzeitungen wie den Tagesspiegel/Berlin, die Badische Zeitung/Freiburg, die Südwest Presse/Ulm und den Münchener Merkur als Wirtschaftskorrespondent in Frankfurt. Banken, Europäische Zentralbank, Bundesbank, Börse und in Frankfurt ansässige Unternehmen wie Lufthansa und auch Verbände wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA zählen zu meinen Schwerpunkten. Daneben auch die Luftfahrt. Zudem befasse ich mich über die KfW Bankengruppe und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit Fragen der Entwicklungszusammenarbeit.

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