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Blick auf die EM - Dänemark ist erster Gold-Anwärter, Nikola Karabatic bestreitet sein 24. Turnier für Frankreich und der Mazedonier Kiril Lazarov erledigt gleich zwei Jobs

Luxusprobleme hier, die Kunst der alten Männer dort

Von 
Marc Stevermüer
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Bratislava. Die Handball-EM startet mit einem klaren Favoriten, spannenden Herausforderern und nicht ganz unwichtigen Details.

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Mit 37 Jahren immer noch Weltklasse: Ex-Löwe Gedeón Guardiola.

Der Edelkader

In der Breite und in der Spitze sind die Dänen die stärkste Mannschaft des Turniers. Mit dem zuletzt am Kreuzband verletzten Rasmus Lauge kommt nun sogar noch ein weiterer Ausnahmekönner zurück. Eigentlich ist diese Edel-Auswahl unschlagbar. Allerdings haben die Franzosen im Olympiafinale das Gegenteil bewiesen. Dennoch: Trainer Nikolaj Jacobsen, der in der Bundesliga die Rhein-Neckar Löwen zu zwei Meisterschaften und die Dänen zuletzt zu zwei WM-Titeln führte, hat insbesondere im spielentscheidenden Rückraum ein Luxusproblem und mit Niklas Landin einen der besten Torhüter der Welt.

Der Nimmersatte

Seit 2003 hat Nikola Karabatic 24 von 25 möglichen Turnieren gespielt. Nur bei der WM 2021 hat der Franzose wegen eines Kreuzbandrisses gefehlt. Seine Bilanz: dreimal Olympiasieger, viermal Weltmeister, dreimal Europameister. Der 37-Jährige ist der letzte Verbliebene einer goldenen Generation, die von 2008 bis 2017 den Welt-Handball dominierte. Wer danach allerdings an das Ende der französischen Erfolgsserie glaubte, der irrte gewaltig. 2020 gelang der Olympiasieg. Konsequent rücken junge Spieler nach. Längst hängt nicht mehr so viel an Superstar Karabatic.

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Die Erfahrenen

Wie oft hat man diese Ansammlung an „alten spanischen Männern“ bereits abgeschrieben? Gefühlt schon dreimal. Doch dem EM-Sieg 2018 folgte die Titelverteidigung 2020, ein Jahr später kam Olympia-Bronze dazu. Der Ausfall der Brüder Alex und Daniel Duschebajew schmerzt diesmal, aber nach wie vor stellen die Spanier mit ihrer Deckung um den Ex-Löwen Gedeón Guardiola den Gegner vor unbequeme Aufgaben und kommen über ihre pfeilschnellen und treffsicheren Außen zu Toren. Mit Rodrigo Corrales und Gonzalo Perez de Vargas stehen zudem zwei überragende Torhüter zur Verfügung. Ganz wichtig: Im Angriff spielen die Spanier zwar nicht spektakulär, aber es ist die Kunst der Routiniers, wenig Fehler zu begehen. Die Iberer wissen immer, was sie tun.

Die Senkrechtstarter

Die schwedische Mannschaft ist die Boom-Aktie im Welt-Handball. Trainer Glenn Solberg hat eine funktionierende Einheit geformt. Die 6:0-Deckung ist nicht nur typisch schwedisch, sondern vor allem sattelfest. Auf den Außen gibt es mit Hampus Wanne (fehlt zum Auftakt wegen Corona) und Niclas Ekberg weltweit kein besseres Duo, im Rückraum lastet nicht mehr die gesamte Verantwortung auf Jim Gottfridsson. Spieler wie Jonathan Carlsbogard oder Felix Claar genügen mittlerweile höchsten Ansprüchen.

Die Ungekrönten

EM-Vierter 2016, WM-Zweiter 2017 und 2019, EM-Dritter 2020. Seit Jahren sind die Norweger nah dran am Titel, doch sie scheiterten bisweilen dramatisch. Normalerweise wären die Skandinavier auch 2022 ein Medaillenkandidat. Aber zu viel hängt diesmal an Superstar Sander Sagosen. Gøran Johannessen und Magnus Rød vom Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt fehlen jeweils verletzt, was mit Blick auf die Kaderbreite schwer ins Gewicht fällt.

Der Geheimtipp von der Insel

Nach Olympia-Silber 2008 und EM-Bronze 2010 hat es für die Isländer lange gedauert, um den Anschluss an die Weltspitze herzustellen. Im Rückraum ist Aron Palmarsson kein Alleinunterhalter mehr, sondern erhält Unterstützung aus Deutschland: Mit Bundesliga-Torschützenkönig Ómar Ingi Magnusson, Kristján Kristjánsson (beide Magdeburg), Janus Smarasson (Göppingen), Viggo Kristjánsson (Stuttgart) und auch Senkrechtstarter Elvar Jónsson (Melsungen) kommt richtig Qualität dazu.

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Der Spielertrainer

Kiril Lazarov ist eine nordmazedonische Handball-Legende. In 207 Länderspielen erzielte er 1443 Treffer für sein Heimatland. Mit 41 Jahren steht er immer noch auf der Platte – und auch am Spielfeldrand. Der Linkshänder vom französischen Spitzenclub HBC Nantes ist für die Nordmazedonier als Spielertrainer aktiv. „Er ist der richtige Mann auf diesem Posten“, sagt Co-Trainer Ace Jonovski.

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Redaktion Handball-Reporter, Rhein-Neckar Löwen und Nationalmannschaft

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