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Freizeit - Frankfurter Senckenberg-Museum feiert 200. Geburtstag / Jede Menge Pläne im Jubiläumsjahr / Menschheitszeitalter soll gezeigt werden

„Dinosaurier sind immer cool“

Von 
Eva Krafczyk
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Brigitte Franzen, Direktorin des Senckenberg-Museums, steht hinter einer Rekonstruktion eines Dodos (Raphus cucullatus). Der flugunfähige Vogel wurde im 16. Jahrhundert auf Mauritius entdeckt und war hundert Jahre später schon ausgestorben. © dpa

Frankfurt. Die Augen glänzen, die Wangen sind vor Aufregung gerötet, als ein kleiner Junge an der Hand seiner Mutter den Dinosauriersaal im Frankfurter Senckenberg-Museum betritt. Eine Gruppe Kinder im Vorschulalter sitzt dort mit einem Museumsguide im Kreis auf dem Boden zu Füßen der Skelette der Urzeitriesen. Der Geräuschpegel ist ähnlich hoch wie die Begeisterung der jungen Besucher. „Ja, die Dinosaurier sind immer cool“, sagt Museumsdirektorin Brigitte Franzen über Besucherhöhepunkte im 200. Jahr des Frankfurter Museums, das 1821 nur wenige Jahre nach der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung gegründet wurde.

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Direktorin seit 2020 im Amt

Franzen, seit vergangenem Jahr im Senckenberg-Amt, verbindet selbst Kindheitserinnerungen mit dem Museum. Was nimmt sie aus ihren damaligen Erfahrungen und Wünschen mit in die Gestaltung des Museums?

„Die Idee des Mitmachens ist etwas, was ich als Kind der 70er Jahre mitgenommen habe“, sagt die Kunsthistorikerin. „Eine der tollen Ausstellungen jener Zeit war „Umwelt 2000“.“ Damals seien die Besucher bei Betreten des Raumes erst einmal mit einer großen Müllskulptur konfrontiert worden – und mit einer mit Silberfolie verkleideten Wand, an die man seinen Kaugummi kleben sollte. „Und die Wand wuchs und wuchs“, lacht sie. „Diese Idee, eher Fragen aufzuwerfen und zum Nachdenken aufzufordern, das ist glaube ich, eine gute Strategie.“

Antworten sucht sie auch bei den Besuchern – etwa mit der Fragebogenaktion zum „Museum of Tomorrow“ (Museum von morgen). Hier können Besucherinnen und Besucher Impulse geben, Wünsche äußern, Loben und Verbesserungsvorschläge machen. Die Aktion soll ein ganzes Jahr laufen. „Das wird sehr spannend werden“, ist Franzen überzeugt. Mit der neuen Dauerausstellung „Korallenriff“ wurde dem Museum bereits gerade ein neues Kapitel hinzugefügt.

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Eine Neuheit, die im November ins Museum kommen soll, ist die sogenannte Forschungswerkstatt. Noch stehen hier leere Wände, Bodenmarkierungen machen deutlich, wo künftig Möbel, Regale und Sitzgelegenheiten stehen sollen. „Forscher werden für Gespräche und Diskussionen zur Verfügung stehen“, sagt Franzen über die geplante Begegnung der Museumsbesucher mit der wissenschaftlichen Praxis. „Man wird auch virtuell an Expeditionen oder Grabungen teilnehmen können, es gibt aber auch Arbeitsnischen, wo man Forschungsaufgaben bearbeiten kann“, meint die Direktorin. Das Konzept sei sowohl für Einzelbesucher als auch für Gruppen ausgelegt.

Museumsdirektoren haben oft die Qual der Wahl: Was soll den Besuchern gezeigt werden? Im Fall von Senckenberg ist das besonders eklatant: „Die Forschungssammlung umfasst 40 Millionen Objekte – im Museum zeigen wir ungefähr 10 000 Objekte“, beschreibt Franzen das Dilemma. Aber es geht es natürlich darum, die „richtigen“ 10 000 zu zeigen, die die Forschung und die Geschichte repräsentieren.“

So werden derzeit im Rahmen des „Museum of Tomorrow“ anhand von 20 ausgewählten Objekten die Geschichte und Gegenwart des Museums und der Sammlungen präsentiert, dezentral und gewissermaßen wie eine museale Schatzsuche. Klar, ein Saurier darf nicht fehlen und so ist mit dem „Dreihorngesicht“ Triceratops der Schädel eines der berühmtesten Dinosaurier unter den Ausstellungsobjekten. Das Messeler Urpferd ist ebenso vertreten wie die jagenden Massai-Löwen. „Andere sind eher versteckt, die muss man suchen wie etwa den Bergkristall“, sagt Franzen. Die Rekonstruktion des Dodo steht als ein Symbol des Artensterbens – und das zerstörerische Verhalten von Menschen, ein Thema, das Franzen besonders am Herzen liegt.

Möglichst bald, so hofft sie, soll als neues Ausstellungsthema die Evolution des Menschen ins Museum kommen. „Die Besucherinnen und Besucher wollen einfach wissen: Wo kommen wir her, wo stehen wir und wo gehen wir hin?“. Es gebe in der Sammlung tolle Objekte, „wie zerstörerisch und kreativ Menschen sein können“.

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Gleichzeitig will sie Freiräume entstehen lassen – „als einen Ort, an dem man auch einmal innehalten und reflektieren kann“, aber auch, um situativ auf Themen reagieren zu können und Projekte des Jugendbeirates umsetzen zu können. „Das Museum muss sich verändern, ist in einem ständigen Prozess der Befragung“, sagt sie. „Deshalb brauchen wir auch Räume, die flexibel sind. Mir ganz wichtig: Es soll ein demokratisches Museum sein. Wir wollen eine Plattform für Diskussionen sein.“ Das entspreche der Senckenberg-Idee vor 200 Jahren, „dass Forschung und Nachdenken über die Natur nicht im stillen Kämmerlein geschieht, sondern in die Öffentlichkeit getragen werden soll“. lhe

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