Wer ist der Unbekannte mit der Schere?

Von 
Konstantin Groß
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Das Bild zeigt die Einweihung der umgebauten Schmalen Seite 1959 oder 1960. © „MM“-Archiv

Große Resonanz hat das Schriesheimer Bild in unserer Serie gefunden. So konnte zumindest der Anlass herausgefunden werden, zu dem es einst entstand: die Umgestaltung der Talstraße Ende der 1950er Jahre.

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Der erste, der sich noch am Tag der Veröffentlichung unseres Bildes telefonisch meldet, ist Hans Becher. Der 83-Jährige wohnt in Schriesheim im Huberweg, zuvor jedoch lange Jahre im Tal. Insofern glaubt er, den Anlass für das gezeigte Durchtrennen des Bandes zu kennen: „Die Einweihung der umgebauten Schmalen Seite im Jahr 1959.“

Hintergrund: Bis dahin ist die Fahrt durch die Talstraße nach der Gabelung in Höhe des Gasthauses „Zur Rose“ in beiden Richtungen nur auf einer Spur möglich - auf jener, die heute von Altenbach nach Schriesheim führt. „Das war so eng, dass da zwei Autos kaum aneinander vorbei kamen“, erinnert sich Helga Gött aus Ladenburg, die diese Straße auf ihren Ausflügen oft passiert hat.

Im Zuge steigender Mobilität musste das geändert werden. Und zwar durch den Bau der heutigen Talstraßen-Spur in Richtung Altenbach, im Volksmund Schmale Seite genannt. Sie war ein Schotterweg, der dortige Mühlbach noch offen. „Der wurde zugeschüttet“, berichtet Leser Bernhard Wachter. Dadurch entstand eine nutzbare Straße Richtung Altenbach. Die bis dahin in beide Richtungen befahrene Spur der Talstraße wurde Einbahnstraße Richtung Westen. Wachters Schätzung, wann das geschah: „Ca. 1960“.

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Hans Becher geht eher von 1959 aus. Das errechnet er aus seinen biografischen Daten: „1958 musste ich zur Bundeswehr, und als ich 1959 wieder heimkam, war die Schmale Seite umgebaut“, berichtet er.

Von den abgebildeten Personen erkennt Becher einige, vor allem natürlich den Polizisten mit der markanten Größe: „Das war der Lerche-Babbe“, lacht Becher. So nannte man ihn vor Ort, seinen Vornamen kennt kaum einer. Auch nicht Walter Näher, der sich aber trotzdem gut an ihn erinnern kann: „Ein unheimlich großer, stattlicher Mann“, berichtet er: „Vor dem hatte jeder Respekt.“ 1959 war Näher bei ihm, um eine Anzeige zu erstatten: „Damals wurde mir mein Motorroller geklaut.“ Der Polizist soll in der Passein gewohnt haben, aber kein „echter“, sprich gebürtiger Schriesemer gewesen sein.

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Auf der linken Seite sieht man - aber nur, wenn man genau hinschaut - ebenfalls einen Polizisten, zu erkennen an der Uniform-Mütze, das Gesicht vom Betrachter aber weggedreht. Doch das hilft ihm nicht: Altstadtrat Karl-Heinz Schulz, der sich gemeinsam mit seinem Freund Peter Grüber das Bild vorgenommen hat, kann uns den Namen trotzdem nennen: Fritz Hillerich, später Leiter des Polizeipostens.

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Walter Näher erkennt auch noch mehrere andere Vertreter der örtlichen Prominenz. Rechts von dem jungen Mann mit übereinandergelegten Händen lugt ein Herr mit Brille hervor: Wilhelm Busch, Inhaber einer Baufirma und Vorsitzender des Turnvereins. Rechts davon steht Adam Kunkel, Vorsitzender des Männergesangvereins „Eintracht“.

Hans Becher wiederum erblickt auf der Linken hinter den Jungs den SPD-Gemeinderat Hans Jacob. Auch Karl Grieshaber, Großvater des heutigen SPD-Rates Rainer Dellbrügge, sei zu erkennen. Karl-Heinz Schulzsieht noch Wilhelm Weidner, Manfred Ortmann und Klaus Habenicht.

Kommen wir zu den drei Personen direkt am Band. Ganz links ein junger Mann mit schickem Anzug und ineinander gelegten Händen. „Keine Ahnung, wer das ist“, seufzt Walter Näher. Und der Mann rechts in der Arbeitskluft? „Ein Arbeiter der Firma Busch“, schreibt Karl-Heinz Schulz. Lohmann habe er geheißen.

Schließlich die spannendste Frage: Wer durchschneidet das Band? „Bürgermeister Heeger ist es nicht“, glaubt Walter Näher. „Heeger ist nicht auf dem Bild“, meint auch Karl-Heinz Schulz. Und Bürgermeister-Stellvertreter Peter Hartmann? „Der Hartmanns-Peter sah anders aus“, findet Walter Näher.

Der Autor dieses Beitrages tippt weiterhin auf Peter Gutfleisch, den Bürgermeister der damals noch selbstständigen Gemeinde Altenbach. Was hatte er hier zu suchen? Möglicherweise wurde er eingeladen, das Band zu durchschneiden, weil sein Ort doch nun bequemer zu erreichen war. Aber vielleicht lüftet sich das Geheimnis ja noch.

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