Gedenken

Volkstrauertag auf dem Mannheimer Hauptfriedhof im Zeichen des Ukraine-Krieges

Von 
Peter W. Ragge
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Mit Fahnen und Kränzen: Marsch zum Mahnmal für die Toten in den Kriegen auf dem Hauptfriedhof. © Markus Proßwitz

Sie waren Ärztinnen, wurden während des russischen Angriffskrieges in der Ukraine an der Front getötet: Der Mutter und der Großmutter von Victoria Fischer gilt in diesem Jahr ein Teil der Gedenkstunde zum Volkstrauertag am Sonntag, 13. November um 14 Uhr auf dem Hauptfriedhof. Fischer wird für ihre Angehörigen und alle im Krieg und durch Gewalt Getöteten ein „Ave Maria“ singen. „Es ist dieses Mal eine ganz besondere Zeremonie“, kündigt Stadtrat Alexander Fleck an, der Vorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Honorarkonsul Lamers spricht

Der Tag soll ein Zeichen sein, dass das ganze Volk trauert und nicht nur Verwandte oder Freunde – dazu ist 1919 zum Gedenken an die Toten des Ersten Weltkrieges der Volkstrauertag entstanden. „Er gilt für alle Opfer von Gewalt und Krieg, für Kinder, Frauen und Männer aller Völker“, so Alexander Fleck, der mit dem ehrenamtlichen Geschäftsführer vom Volksbund, Günter Schramm, sowie Daniel Köhler und Julian Keil die unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Peter Kurz stehende Gedenkstunde vorbereitet. In der Trauerhalle spielt der Evangelische Stadtposaunenchor unter Leitung von Erwin Weidner, ehe der junge ukrainische Geiger Samyr Sakyiv „Melody“ spielen wird. Ans Rednerpult treten für den Volksbund Stadtrat Alexander Fleck (CDU) sowie für das Grußwort der Stadt Stadtrat Reinhold Götz (SPD).

Für die Gedenkrede hat Fleck den ehemaligen Bundestagsabgeordneten Karl A. Lamers, inzwischen Honorarkonsul der – auch von Russland bedrohten – Republik Estland gewonnen. Zudem wird Pfarrer Andriy Chmyr von der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche sprechen. Als besondere musikalische Beiträge sind ein Auftritt der ukrainischen Sängerin Anna Dobler mit „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ sowie das Lied „Großer und allmächtiger Gott beschütze unsere geliebte Ukraine“ von Khrystyna Smulska vorgesehen.

Weiter geht die Gedenkstunde dann am Ehrenmal für die Kriegsopfer, wo bewusst neben der Europa-, Deutschland- und der Stadtfahne auch eine ukrainische Fahne hängen soll. Hier nimmt vor der Kranzniederlegung Christoph Reifferscheid, der Präsident des Bildungszentrums der Bundeswehr in Neuostheim, das traditionelle Totengedenken vor. Pfarrer Andriy Chmyr wird aber hier auch noch einmal besonders auf die Opfer des Kriegs in der Ukraine eingehen.

Hymnen und Trauerlied

Vorgesehen ist zudem ein gemeinsamer Liedbeitrag von Anna Dobler und Khrystyna Smulska mit Kindern der Samstagsschule. Dann stimmt der Kirchenchor der ukrainischen griechisch-katholischen Seelsorgestelle des heiligen Johannes Chrysostomos die ukrainische Nationalhymne an, ehe der Stadtposaunenchor – wie stets – das traditionelle deutsche Trauerlied für gefallene Soldaten, „Ich hatt’ einen Kameraden“ nach dem Text von Ludwig Uhland sowie die Nationalhymne spielt.

Auch wenn 1934 die Nationalsozialisten den Volkstrauertag zum Staatsfeiertag („Heldengedenktag“) umfunktionierten, wurde er nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland erneut eingeführt und 1950 erstmals begangen – als Tag der Mahnung zu Versöhnung, Verständigung und Frieden. Verantwortlich für den Volkstrauertag ist der 1919 gegründete Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Er betreut im Auftrag der Bundesregierung die Gräber von etwa 2,8 Millionen Kriegstoten auf über 832 Kriegsgräberstätten in 46 Staaten, will mit internationaler Jugendarbeit aber auch für Frieden und Verständigung über Grenzen hinweg eintreten. Die erste offizielle Feierstunde fand 1922 im Deutschen Reichstag in Berlin statt. Der damalige Reichstagspräsident Paul Löbe (SPD) hielt eine im In- und Ausland vielbeachtete Rede über Versöhnung und Verständigung.

Redaktion Chefreporter

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