Innenstadt - Verwaltung und private Eigentümer sehen im Stadthaus in N 1 nur Probleme / Abriss wahrscheinlich / Überlegungen „noch in einem sehr frühen Stadium“ Sanierung wäre nicht wirtschaftlich

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Peter W. Ragge
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1991 eröffnet, mehrfach umgebaut und dennoch „nicht erfolgreich“: Das Stadthaus N 1, das je zur Hälfte der Stadt sowie Diringer & Scheidel gehört. © Thomas Tröster

Mannheim. Das Stadthaus N 1 in seiner jetzigen Form hat keine Zukunft. Das geht aus einer nichtöffentlichen Vorlage der Verwaltung für den Gemeinderat hervor, die dieser Redaktion vorliegt. Danach ist eine Sanierung „nicht wirtschaftlich und zweckmäßig“. Das bestätigt ein Sprecher des Unternehmens Diringer & Scheidel, das seit 2016 gemeinsam mit der Stadt – je zur Hälfte – Eigentümer des 30 Jahre alten Baus ist. „Auch aus unserer Sicht ist eine Sanierung nicht wirtschaftlich“, sagt er.

Was gehört wem?

Der Neubau kostete 91 Millionen Mark, heute über 45 Millionen Euro. Die Stadt übernahm 51 Millionen Mark, von denen sie 20 Millionen Mark vom Land bekam. Die privaten Bauherren Mannheimer Versicherung und ÖVA-Versicherung zahlten je 20 Millionen Mark.

Zu den öffentlichen Räumen zählen Ratssaal, Bürgersaal/Oststadttheater, vier Sitzungsräume und die Stadtbücherei sowie Räume im Zwischengeschoss, die lange die Abendakademie nutzte.

Den privaten Eigentümern gehören die Läden und Gastronomieflächen einschließlich Turm. Verkehrsflächen sind Gemeinschaftseigentum. Die Stadtbibliothek soll 2023 ausziehen – und 2023 laufen auch viele Mietverträge aus. pwr

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In dem vom Januar stammenden Papier der Stadt heißt es, „Nutzungsmix und bauliche Anordnung“ des Gebäudes hätten sich als „nicht erfolgreich erwiesen“. Der hohe Anteil an Verkehrsflächen mache den Betrieb unwirtschaftlich, es gebe immer wieder Wasserschäden und „wiederkehrende Problemstellungen der Haustechnik“. Als „fraglich“ bezeichnet das laut Aktenzeichen von den städtischen Immobilienfachleuten verfasste Papier, ob „selbst bei Totalentkernung“ eine „sinnvolle Nutzung“ möglich sei.

Das Papier verweist darauf, dass die Stadtbibliothek ja in N 1 auszieht – der Neubau in N 2 soll voraussichtlich im Spätherbst 2023 fertig sein. Dann müsse man „möglichst zeitnah“ eine Lösung für N 1 finden, „um Leerstände und damit negative Folgen für die Innenstadtentwicklung zu verhindern“. Dazu habe man eine verwaltungsinterne Abstimmung begonnen. Die Überlegungen seien aber „noch in einem sehr frühen Stadium“, zudem müsse man dabei auf den Miteigentümer Rücksicht nehmen – also Diringer & Scheidel.

FDP legt Umfrage vor

Dem Familienunternehmen ist das Papier der Stadt „bisher nicht bekannt“, so der Sprecher von Diringer & Scheidel. „Die Probleme von N 1 sind aber offensichtlich, daran hat sich nichts geändert“, meint er. Konkrete Pläne für die Zukunft von N 1 habe das Unternehmen bisher jedoch nicht entwickelt, da dies von der Stadt abhänge, heißt es.

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Auf die politische Tagesordnung ist das Thema durch FDP und Grüne gekommen. Die FDP hatte schon bei der Kommunalwahl 2019 auf Plakaten den Abriss von N 1 gefordert. Nun starteten die Liberalen auf ihren Weihnachtskarten eine Umfrage zur Zukunft des Stadthauses.

„Die ganz große Mehrheit war, was uns wenig überrascht hat, für einen Abriss und einen historisierenden Neubau des Alten Kaufhauses, möglichst mit einer Markthalle drin“, fasst FDP-Stadtrat Volker Beisel die 83 Antworten zusammen. Vereinzelt wurden auch Wohnungsbau, Gastronomie oder ein Gemeindezentrum vorgeschlagen – in jedem Fall nicht nur Einzelhandel. Eine historisierende Rekonstruktion, aber „mit tragfähigem Nutzungskonzept“, könnten sich auch die Liberalen gut vorstellen. Der bevorstehende Auszug der Stadtbibliothek biete „die Chance, das Thema jetzt rechtzeitig anzupacken und etwas Gutes daraus zu machen, das im Gegensatz zum jetzigen Stadthaus von der Bevölkerung akzeptiert wird“, meint Beisel. Schließlich sei die Fläche „ein Filetstück“ der Stadt.

Grüne wollen Gutachten

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Die Grünen haben bereits im November die Verwaltung per Antrag aufgefordert, Nutzungskonzepte für den Standort und einen Zeitplan zu nennen. Zudem fordern die Grünen ein Gutachten, das die Sanierung und den Umbau des Bestandsgebäudes untersucht und die Kosten dafür ermittelt. „Wir wollen nachhaltige, klimaneutrale Stadtentwicklung, also muss man vor einem Abriss eines erst 30 Jahre alten Gebäudes wirklich unabhängig prüfen, ob es sich sanieren lässt“, so Grünen-Fraktionsvorsitzende Melis Sekmen. „Das steht und fällt aber auch mit dem künftigen Nutzungskonzept, also sollten wir das früh besprechen“, findet Sekmen. Sie könnte sich in N 1 auch „wissenschaftliche Einrichtungen“ vorstellen und will zudem die Innenstadt-Bewohner fragen, welchen Bedarf an Nutzungen sie konkret sehen.

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Allerdings richten die Grünen den Blick nicht nur nach N 1. „Wir müssen größer denken, die gesamte Gegend betrachten, denn da ist ja ganz viel in Bewegung“, verlangt Sekmen. Sie verweist darauf, dass die Sparkasse in D 1 einen Neubau plant, in der Post ein Hotel der Kette „Motel One“ mit einer großen Bar zum Paradeplatz hin entsteht und mit der neuen Stadtbibliothek in N 2 auch der Dalbergplatz umgestaltet wird. Hinzu komme der Verkehrsversuch einer Sperrung der Kunststraße in Höhe der Breiten Straße bei N 1. Das biete die Gelegenheit, die Entwicklung des ganzen Quartiers voranzubringen und „den Paradeplatz besser zu nutzen, da mehr Grün und mehr Leben hinzubringen“. Man müsse das alles nur „frühzeitig besprechen“, so Sekmen.

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