Soziales

Johanniter mit mobiler Praxis an der Vesperkirche in Mannheim

In der Mannheimer Vesperkirche gibt es nicht nur eine warme Mahlzeit, sondern auch ärztlichen Rat und Unterstützung. Möglich macht dies die mobile Praxis der Johanniter

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Kur/red
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Die mobile Praxis der Johanniter ist während der gesamten vier Wochen mit ehrenamtlichen Helfern und Ärzten vor der Vesperkirche im Einsatz. © DW/Lammer

Mannheim. Der Gastraum ist gestaltet wie ein Wartezimmer, die mobile Praxis der Johanniter wird zum Behandlungsraum: Die Gäste der Mannheimer Vesperkirche erhalten während der vierwöchigen Aktion, die noch bis zum 5. Februar dauert, von Montag bis Freitag auch medizinische Betreuung. Die mobile Arztpraxis der Johanniter steht bei der CityKirche Konkordien. Neben der ärztlichen Betreuung stehen auch Verbandsmaterial oder Medikamente zur Verfügung. Vielen hilft aber vor allem das persönliche Gespräch.

Vertrauen schaffen

„Unser Einsatz sorgt generell für Linderung, aber natürlich nicht immer für Heilung, wenn es um echte gesundheitliche Probleme geht“, erläutert Johanniter Rainer Reiss. „Auch wenn wir nicht immer die gleiche Sprache sprechen oder bei chronischer Erkrankung für absolute Genesung sorgen können - das persönliche Gespräch steht an erster Stelle“, erzählt seine Kollegin Kerstin Thelen. Sie ist seit zehn Jahren im Team der Johanniter im Einsatz. Gemeinsam mit ihren Kollegen kann sie die Gäste oft über Tage beobachten und ansprechen, ob sie Hilfe brauchen. Am Ende zählt für sie nur eines: „Wir nehmen die Menschen ernst. Das schafft Vertrauen.“

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Ähnliches berichtet auch Dr. Birgit Wieth, Allgemeinmedizinerin aus Mannheim. Sie ist ehrenamtlich im Rahmen der medizinischen Versorgung im Einsatz. Einmal wöchentlich bietet sie während der Zeit der Vesperkirche ihre Hilfe als Ärztin an. Auf die Frage, welche Patienten zu ihr kommen, antwortet sie: „Der Range ist groß, es ist alles dabei. Es gibt viele ältere Menschen, die besorgt sind über zu hohe Blutdruckwerte, aber auch junge Menschen, die schlecht verheilte Wunden haben oder extrem trockene Haut, weil sie auf der Straße leben.“

Desolate Zustände gäbe es viele. Der direkte Zugang zum Arzt falle den meisten schwer, sei es aus Scham oder weil sie nicht krankenversichert sind oder das nötige Medikament zu teuer ist. Birgit Wieth hat über zehn Jahre als leitende Notfallärztin in einem Mannheimer Krankenhaus gearbeitet. Einen obdachlosen Patienten hätte sie nie mit Privatrezept zur nächsten Apotheke geschickt, erzählt sie. „Wovon soll dieser Mensch das denn bezahlen?“

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Neben Birgit Wieth sind die beiden Allgemeinmediziner Dr. Martin Borggrefe und Dr. Jonas Herrman sowie Dr. Christian Menges mit dem Fachgebiet Nervenheilkunde im ehrenamtlichen Einsatz. Auch ein Zahnarzt bietet in diesem Jahr wieder Möglichkeiten zur Untersuchung an: Dr. Florian Gethöffer bietet einmal wöchentlich eine Sprechstunde direkt vor Ort an. „Wir sind sehr dankbar, dass die Johanniter diese mobile Praxis unserer Vesperkirche zur Verfügung stellen“, betont Pfarrerin Anne Ressel.