Gedenktag

Diese Aktionen setzen in Mannheim ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen

Am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen werden in Mannheim gleich mehrere Zeichen gesetzt

Von 
Lea Seethaler und Lisa Wazulin
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Bereits im März machten Mitarbeiter von FIZ und Frauenhaus mit Plakaten auf die Lage aufmerksam – und nun erneut. © Privat

Mannheim. Flaggen für queere Weiblichkeit, Plakataktion gegen häusliche Gewalt und eine „Rote Karte gegen Sexismus“ - zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen setzt auch Mannheim ein Zeichen in unterschiedlichsten Formen. Weltweit wird seit mehr als drei Jahrzehnten der 25. November Frauen und Mädchen gewidmet, deren Leben von Gewalterfahrungen geprägt sind.

Auch die Stadt Mannheim zeigt wieder Flagge gegen Gewalt an Frauen und Mädchen: Zum Internationalen Tag wehen am Rathaus die Fahnen der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes „Frei leben - ohne Gewalt“. Ergänzt werden die Fahnen um die Flagge der Queeren Weiblichkeit. Dieses Jahr steht die Fahnenaktion unter dem Thema der häuslichen Gewalt an Frauen, um darauf aufmerksam zu machen, dass jede vierte Frau in Deutschland von häuslicher Gewalt betroffen ist - eine Tendenz, die durch die Corona-Pandemie leider steigt.

Rathaus zeigt Flagge

Warum es ein solches Zeichen braucht, zeigt ein Blick auf die angestiegene Zahlen zur häuslichen Gewalt: Laut Bundeskriminalamt von 2020 sind die Fälle von Gewalt in Partnerschaften gestiegen, 80 Prozent der Opfer sind weiblich. Zählt man die Dunkelziffer hinzu, so ändern sich die Zahlen massiv, da sich Frauen nur allzu oft schämen, ihre Gewalterfahrungen öffentlich zu machen.

Seit 2001 machen staatliche Institutionen und Frauenverbände mit dieser Flagge in kräftigen Farben auf das Unrecht an Frauen aufmerksam und beklagen damit jedes Jahr das verheerende Ausmaß von Gewalt an Frauen und Mädchen. Diese eindringliche Botschaft ergänzt die Stadt Mannheim in diesem Jahr um die Flagge der Queeren Weiblichkeit (trans Frauen, nichtbinäre Weiblichkeiten, Frauen liebende Frauen und alle anderen, die sich mit Weiblichkeit und Queerness identifizieren).

Hilfe und Rat für Betroffene

Polizei: 110, hier kümmert sich eine extra dafür eingerichtete Koordinierungsstelle für häusliche Gewalt feinfühlig um Betroffene.

Beratung und Hilfe biete auch das Fraueninformationszentrum, Tel. 0621/37 97 90 sowie die Beratungsstelle Frauen und Mädchennotruf, Tel. 0621/1 00 33

Zuflucht bietet das Mannheimer Frauenhaus, Tel. 0621/74 42 42 und das Frauen- und Kinderschutzhaus Heckertstift, Tel. 0621/41 10 68.

Die Gewaltambulanz des Instituts für Rechts- und Verkehrsmedizin Heidelberg dient dem Schutz der Opfer vor weiteren Übergriffen und der Rechtssicherheit in Strafverfahren, in denen objektiv gesicherte Beweise wichtig sind. Terminabsprache ist für die Untersuchung erforderlich unter Tel. 0152/54 64 83 93. Die Ärzte unterliegen der Schweigepflicht.

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“, erreichbar unter 08000 116 016, ist ein bundesweites, kostenloses Beratungsangebot lia

Mit dieser Flagge will die Stadt signalisieren, dass mit der Bekämpfung der Gewalt an Frauen noch einmal ausdrücklich alle Personen adressiert sind, die sich mit Weiblichkeit identifizieren. Damit verweist die Stadt auch ausdrücklich auf das Ausmaß an Gewalt an queeren Frauen. In mehreren Ansätzen versucht die Stadt, gegen das Ausmaß an Gewalt vorzugehen: vom Frauennachttaxi bis zum Koordinierungskreis „Gewalt im sozialen Nahraum“. Unter der Federführung der Gleichstellungsbeauftragten erhalten hier Opfer von Gewalt ein schnelles und unbürokratisches Hilfesystem, indem Behördenmitarbeitende und Akteure der Stadtgesellschaft eng zusammenarbeiten. Um die Istanbul-Konvention, ein Übereinkommen des Europarates zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, in Mannheim umzusetzen, hat die Stadt zudem 2022 eine eigene Stelle geschaffen.

Plakate für mehr Unterstützung

„In Mannheim leben eine ganze Menge Frauen. Jeder vierte Mann schlägt Frauen. Wussten Sie das auch? Diese Frauen brauchen doch Hilfe und Unterstützung! Leider fehlt dafür das Geld! Traurig - oder ?“ Es sind diese Sätze, die einzeln auf Plakaten stehen und an diesem Gedenktag für alle sichtbar sein werden, die einen Blick auf den Mittelstreifen der Augustaanlage werfen.

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Ab 15 Uhr wollen so die Mitarbeiterinnen vom Fraueninformationszentrum auf die schwierige finanzielle Situation des ambulanten Frauenunterstützungssystem hinzuweisen. In der ambulanten Beratungsstelle des Mannheimer Frauenhaus e.V. werden Frauen in schwierigen Trennungs- und Scheidungssituationen unterstützt und Frauen beraten, die Wege aus einer gewalttätigen Beziehung suchen oder betroffen von Stalking sind.

Dass insbesondere Frauen weltweit, auch in Deutschland, zudem Gewalt Arbeitsplatz erfahren, betont der DGB Nordbaden in einer Pressemitteilung. Er fordert deshalb die Bundesregierung auf, die von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) vorgelegte Konvention gegen sexuelle Belästigung und Gewalt am Arbeitsplatz in nationales Recht umzusetzen. Aus diesem Anlass hatten deshalb vor einiger Zeit Mitglieder des Mannheimer Kreisfrauenausschusses den örtlichen Bundestagsabgeordneten ein Forderungspapier sowie die „Rote Karte gegen Sexismus und Gewalt“ übergeben. „Die Bundesregierung muss ihrem eigenen Anspruch gerecht werden und die ILO-Konvention 190 - wie im Koalitionsvertrag vereinbart - endlich ratifizieren“, so Evelyne Gottselig, Vorsitzende des Kreisfrauenausschusses.



Alle vier Mannheimer Abgeordneten hatten sich sich Zeit für die Aktion genommen und kamen in ihrer Wahlkreis-Woche zu einer kurzen Stippvisite ins Mannheimer Gewerkschaftshaus, berichtet der DGB. Die ILO-Konvention 190 sei ein historischer Meilenstein, so der DGB. Sie biete die erste internationale Definition von Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt und schließe geschlechtsspezifische Vorfälle explizit ein. Ratifizieren und Umsetzen des Abkommens sei ein wichtiger Schritt, um einen klaren Rechtsrahmen gegen Belästigung und Gewalt am Arbeitsplatz zu schaffen. 20 Länder haben das Abkommen bereits ratifiziert, etwa Italien, Griechenland und Spanien.

Der DGB fordert die Bundesregierung zudem auf, Arbeitgeber zu verpflichten, für ein gewalt- und belästigungsfreies Arbeitsumfeld zu sorgen. Dafür müsse das Arbeitsschutzgesetz ergänzt und die Beseitigung von Gewalt und sexueller Belästigung stärker in den Arbeits- und Gesundheitsschutz integriert werden. Betriebs- und Personalrat sowie Arbeitgeber müssten in ihrer Rolle als Sozialpartner gestärkt werden, für ein gewalt- und belästigungsfreies Arbeitsumfeld zu sorgen.

Einsatz für Gleichberechtigung

Vom Rosengarten bis zur Hochschule: Eigentlich erstrahlen Fassaden dort jährlich anlässlich dieses Gedenktags in orange. Dahinter steckt der Zonta Club Mannheim. Allerdings verzichtet der Mannheimer Ableger der internationale Frauenorganisation wegen der Energiekrise dieses Jahr auf den Aufruf und setzt in einer anderen Form ein Zeichen für Gleichberechtigung: Neben der Kampagne „Zonta says No“, bei der mit einem Hörfunkspot Nachbarn oder Unbeteiligte aufgerufen werden, solche Fälle bei der Polizei zu melden, fordert die Organisation in einem Brief an den Bundeskanzler eine ressortübergreifende von der Zentralen Koordinationsstelle gelenkte Präventionsstrategie.

So soll das Thema „genderspezifische Gewalt“ endlich auf allen Ebenen des Bildungssystems verankert werden und damit die Gleichberechtigung fördern. Viele Zonta Clubs (ZC) förderten deshalb gezielt Präventionsprojekte an Schulen und Institutionen. „Seit Jahren unterstützt der ZC Mannheim das Präventionsprojekt Mädchenhilfe St. Agnes“, so die Mannheimer ZC-Präsidentin Phoebe Washington-Dorando.

Redaktion Redakteurin und Online-Koordinatorin der Mannheimer Lokalredaktion

Redaktion Seit 2018 als Polizeireporterin für Mannheim in der Lokalredaktion.