Maimarktgelände - 20 Mitarbeiter bauen an fünf Tagen Bühne und Leinwand auf / Auftakt zum Mannheimer Autokino am Montagabend Carstival: Freiluft-Kinosaal bietet 850 Autos Platz

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Joschka Moravek
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Am Freitag noch im Testmodus, doch am Montag sollen hier die ersten Filme über die Leinwand flimmern. © Christoph Blüthner

Es ist drückend schwül am Freitagnachmittag unter dem weißen SWR-Pavillon. Dort, auf dem Maimarktgelände, sitzen acht Mitarbeiter des Mannheimer „Carstival“ an Tischen und treffen die letzten Vorbereitungen vor dem Beginn am Montag. Um halb drei kommt der Eiswagen und sorgt für eine Erfrischung, auf Kosten von Kai Kemper, dem Geschäftsführer von GO7. Es fühlt sich ein bisschen wie die Ruhe vor dem Sturm an, den sich die Veranstalter des Mannheimer Autokinos wünschen. Damit ist kein Unwetter gemeint, sondern der erhoffte Ansturm auf die Tickets. Die Pocher-Show ist bereits ausverkauft. Für viele weitere Veranstaltungen sind nur noch wenige Karten verfügbar.

Mannheim Leinwand für Autokino Carstival wird aufgebaut

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Christoph Bluethner
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Leinwand aus 600 Bildschirmen

Programm und Karten

  • Das Autokino Carstival startet am 25. Mai um 21 Uhr mit dem Film „Lindenberg! Mach dein Ding!“
  • Einige Streifen wird es auch im Originalton geben – Auftakt ist am Dienstag mit La la Land (englisch).
  • Das erste Konzert ist am 30. Mai, 20.30 Uhr, mit Max Giesinger.
  • Weitere Live-Künstler sind der Rapper Sido, die Band Revolverheld und der Comedian Bülent Ceylan.
  • Tickets gibt es fürs Kino ab 24 Euro und für die Live-Shows zwischen 80 und 100 Euro online unter carstival.de. mor
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„Wir wollten Bewegung in die Kulturszene bringen, in der gerade relativ viel Stillstand herrscht“, erzählt Kemper. Und das nicht einfach irgendwie, sondern „innovativ“ und „richtig oder gar nicht“. Er spricht von „unique selling points“, also Al-leinstellungsmerkmalen, die das Carstival von vielen anderen Auto-kinos abhebt. Am beeindruckendsten ist da die rund 300 Quadratmeter große (27 mal 12 Meter) LED-Leinwand, die im Norden über dem Gelände thront. „Das ist ein komplett neuer Platz“, erzählt der Technische Leiter Klaus Schränkler, der das alles mir der Flugsicherheit des nahegelegen Flughafen Mannheim abgesprochen hat. „Damit wir den Flugverkehr nicht beeinträchtigen.“ Fünf Tage hat es gedauert, die Leinwand mit rund 20 Mitarbeitern aufzubauen: drei Tage für das Stahlgerüst und zwei weitere für die eigentliche Leinwand, die aus 600 Einzelbildschirmen besteht.

Schränkler, der ansonsten in ganz Europa mit der Planung und Durchführung von Open-Air-Veranstaltungen unterwegs ist, hat das Sicherheitskonzept entworfen. Über das Gelände ist er sehr glücklich. „Wir haben hier eine exzellente Infrastruktur und die Möglichkeiten, alles zu machen.“ Die Filme können mit eigens eingerichteten Funkfrequenzen zweisprachig ausgestrahlt werden. Die Konzerte finden auf der 36 mal vier Meter großen Bühne statt, die Protagonisten werden noch mal auf einem Podest um drei Meter erhöht. Für die Übertragung sind sieben Kameras und eine eigene Videoregie vor Ort. Rund 200 000 Kilowattstunden Strom wird das Carstival pro Monat verbrauchen. Und falls die Autobatterie leer sein sollte, stehen acht Schnellladegeräte bereit.

850 Autos haben Platz, für jeden PKW ist eine Fläche von fünf mal zehn Meter eingeplant. So können der erforderliche Mindestabstand von zwei Metern seitlich zum nächsten Auto eingehalten und die Fenster heruntergefahren werden. Hinter jedem Auto sind fünf Meter frei. Dadurch ist einerseits genügend Platz für einen Rettungswagen, und man hat eine gute Sicht auf die Leinwand.

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Zu- und Abfahrt funktionieren laut Uli Roth vom Konzertveranstalter DeMi Promotion „wie auf einer Fähre“. Praktisch sei, dass man aufgrund des vielen Platzes auch im Notfall das Gelände problemlos verlassen könne. „Wenn zum Beispiel jemand wegen eines Babysitters früher gehen muss“, so Kemper. Vor Ort wird alles mit Elektrorollern erledigt. So auch die Verpflegung, welche die Gäste über eine App bestellen können. Anschließend werden die Speisen und Getränke direkt zu den Autos geliefert. Jeder Platz ist mit einem Poller nummeriert. Vor Ort werden die fest installierten Sanitäranlagen genutzt. Da alles kontaktlos ablaufen soll, darf immer nur jeweils eine Person auf die Toilette.

Doch was erhoffen sich die Veranstalter selbst davon? Für Uli Roth zählt vor allem „dass wir das Programm gefüllt bekommen, die Leute es annehmen und sich einen schönen Abend machen können“. Kai Kemper ergänzt, „dass wir es schaffen, einen wirtschaftlichen Ausgleich zu erzielen und so 50 Menschen aus der Kurzarbeit holen. Und wir hoffen, den Menschen eine andere Form von Abwechslung im relativ reglementierten Corona-Alltag bieten zu können.“