Jubiläum - Vor 50 Jahren zieht das Moll-Gymnasium ins Niederfeld / Festakt mit Nico Hofmann 50 Jahre Moll-Gymnasium im Mannheimer Niederfeld

Von 
Konstantin Groß
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Der Jubilar kann einige Superlative aufbieten: Viele Jahre lang das größte öffentliche Gymnasium der Quadratestadt, errichtet 1969 als erster Neubau für ein öffentliches Gymnasium Mannheims in einem Vorort. So feiert an diesem Mittwochabend „das Moll“, wie es allenthalben genannt wird, den 50. Jahrestag seiner Ansiedlung im Niederfeld.

Der Ortsteil Niederfeld mit dem gerade erbauten Moll (Mitte) Anfang der 1970er Jahre. Am oberen Bildrand der Rhein. © Archiv
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„Doch eigentlich könnten wir bald sogar unseren 120. Geburtstag feiern“, wie Gerhard Weber, im 18. Jahr an seiner Spitze, erinnert. Denn schon am 23. April 1900 wird in der Wespinstraße eine Schule eröffnet, die den Namen des ehemaligen Oberbürgermeisters Eduard Moll trägt. Noch eine Volksschule zwar, aber immerhin die erste Bildungseinrichtung mit diesem Namen. Noch heute, da längst das Liselotte-Gymnasium hier zuhause ist, steht über dem Haupteingang der Schriftzug „Moll-Schule“ zu lesen.

Zahlen und Namen



  • Namensgeber: Eduard Moll (1814-1896), 1870-1891 Oberbürgermeister von Mannheim, seither Ehrenbürger.
  • Schulgelände: im Niederfeld seit 1969, vorher in der Neckarstadt (heutiges Ludwig-Frank-Gymnasium).
  • Profil: Naturwissenschaftlich, sprachlich oder Musik.
  • Schulbetrieb: Offene Ganztagsschule mit Bistro, nachmittags Hausaufgabenbetreuung für Klassen 5-6.
  • Arbeitsgemeinschaften: verschiedene im Bereich Naturwissenschaften, Sport und Musik, unter anderem „Bläserklasse“.
  • Schülerzahl: 780.
  • Lehrerzahl: 70.
  • Schulleiter: Gerhard Weber, seit 2002. Vorgänger: 1991 bis 2002 Klaus Fritz, 1982 bis 1990 Kurt Lalla (†), 1971 bis 1981 Hans Umstätter (†), bis 1971 Hugo Kalbe (†).
  • Prominente Ehemalige: Wolfgang Gibowski, Mitbegründer und langjähriger Leiter der Forschungsgruppe Wahlen; Sebastian Knauer, Journalist, der 1987 den toten Uwe Barschel in einem Genfer Hotel findet; Nico Hofmann, Regisseur und Produzent; Christian Wörns (Wechsel nach der 10. Klasse), ehemaliger Fußball-Nationalspieler; Frank Mentrup, Oberbürgermeister Karlsruhe; Ralph Hartmann, evangelischer Dekan.

Damals beginnt die stürmische Geschichte der Einrichtung dieses Namens, mit verschiedenen Schulformen, an unterschiedlichen Orten. In den 1920er Jahren etwa wird das Moll Außenstelle der Oberrealschule Mannheim, bald Vollgymnasium. 1934 legen hier die ersten Abiturienten ihre Reifeprüfung ab; erkennbar sind sie an der Farbe ihrer Schülermützen: violett-weiß-gelb.

Wiedergründung 1953

In den 1930er Jahren folgt wie im ganzen Land auch am Moll eine dunkle Zeit: Jüdische Schüler und Lehrer müssen die Schule verlassen. Zuvor erteilt Hugo Adler, Oberkantor der Mannheimer Hauptsynagoge, so lange dies noch möglich ist, Religionsunterricht; 1938 gelingt ihm die Flucht in die USA.

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Auch die verbleibende Schulgemeinde wird Opfer der Zeitläufe. 1936 mutiert das Schulhaus zur Kaserne, der erste Ortswechsel wird nötig: Das Moll muss ins Tulla-Gebäude umziehen. Kurz vor Kriegsende wird der Betrieb eingestellt. Nahezu ein Jahrzehnt dauert es, bis es wieder ein Moll-Gymnasium gibt.

Am 4. März 1953 ist es soweit. Dafür werden aus Lessing und Tulla die lateinlosen Klassen herausgelöst. Das Moll wird das erste und lange Zeit einzige Gymnasium mit naturwissenschaftlichem Profil. Außerdem ist es Ort eines Zuges mit Russisch, der aufgrund der zahlreichen Flüchtlinge aus der DDR stark nachgefragt wird. Angenehme Folge: Dadurch kommen Mädchen ans Moll, lange bevor die Koedukation eingeführt wird.

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Domizil des Moll ist damals die Wohlgelegenschule, Gebäude des heutigen Ludwig-Frank-Gymnasiums. Doch von Anfang an reicht der Platz nicht. Fachräume werden zu Klassenzimmern umfunktioniert, Unterrichtsstunden im Heizungskeller abgehalten, im Hof Baracken errichtet - gedacht als Provisorium, das jedoch Jahre überdauert. Als sich 1967 mehr als 1100 Schüler drängen, kann die Umsetzung des seit vielen Jahren diskutierten Neubaus nicht länger aufgeschoben werden.

Neuer Standort im Süden

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Als Standort wird das Niederfeld gewählt - inmitten des neuen Wohnquartiers. Aufgrund der Nähe zum Rhein müssen eine Million Kubikmeter Grundwasser beseitigt, die Gebäude in eine Wanne aus Beton gebettet werden. Am 18. September 1969 kann die Schulgemeinde einziehen. Die ebenfalls geplante Grundschule wird übrigens nie gebaut, so dass die Freiflächen hier bis heute so großzügig daherkommen wie in kaum einer anderen Schule.

1977 folgt der vier Millionen Mark teure Musiktrakt, Rahmen für das Profil der Schule. Die Ensembles von Jazz über Chor bis Orchester, gut 200 Aktive, fungieren als musikalische Botschafter des Moll, nehmen Schallplatten und CDs auf; Musiklehrer Gerhard Meyer wirkt sogar als Komponist von Kindermusicals.

Doch auch hier ist die Platznot bald wieder da - angesichts von bis zu 1198 Schülern (1980). Von da an entspannt sich die Situation bis fast auf die Hälfte, auf den auch nicht unproblematischen Tiefstand von 632 Schülern 1990. Inzwischen hat sich die Zahl bei 780 eingependelt.

Ab 2004/05 ist das Moll bei G 8 mit dabei. Sein Ganztagsbetrieb erfordert logistische Veränderungen: 2009 wird ein Pavillon mit Arbeitsplätzen für Schüler eröffnet, 2014 ein Bistro mit Gelegenheit für Snacks. 2012 verpasst sich die Schule ein Leitbild, bei der Fremdevaluation 2017 erfüllt sie 172 von 180 Indikatoren - speziell die Atmosphäre hier wird als besonders positiv bewertet.

Grund zum Feiern, was an diesem Mittwochabend auch kräftig gemacht wird - mit Festreden von Oberbürgermeister Peter Kurz und des bekanntesten Ehemaligen, Nico Hofmann, und natürlich viel Musik. Quasi Dur-Stimmung am Moll.

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