Entwicklung - Digital-analoges Projekt „LUtopia“ setzt sich mit urbanem Leben auseinander / Ideen von Bürgern bei „Minecraft“ gefragt Ludwigshafener gestalten mit Computerspiel ihre Stadt um

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Julian Eistetter
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Einer von zehn Orten, die es virtuell mit „Minecraft“ umzugestalten gilt: Der virtuell nachgebaute Karl-Kornmann-Platz vor dem Kulturzentrum „dasHaus“. © Kulturbüro

Ludwigshafen. Vor allem bei Jugendlichen ist das Computerspiel „Minecraft“ beliebt. In einer offenen 3-D-Welt, in der alles aus würfelförmigen Blöcken besteht, kann man sich mit ebenfalls sehr kantigen Spielfiguren frei bewegen, Ressourcen sammeln, Tunnel graben oder riesige Bauwerke errichten. Mit mehr als 200 Millionen Verkäufen auf allen Plattformen ist „Minecraft“ das meistverkaufte Videospiel weltweit. Die einfache Funktionsweise machen sich jetzt das Ludwigshafener Kulturbüro und die Stadtbibliothek in Zusammenarbeit mit externen Experten bei einem neuen Stadtentwicklungsprojekt zunutze. Bei „LUtopia“ sollen Bürger unter anderem mit Hilfe des Computerspiels zehn Orte in Ludwigshafen nach ihren Vorstellungen umgestalten.

Programm

  • Die „Minecraft“-Labs in der Stadtbibliothek finden am 27. Februar, 3. März, 17. März, 31. März und 14. April statt. Anmeldung auf der Webseite www.lutopia.de, die bald online geht. Ansprechpartnerin ist Stefanie Bub (stefanie.bub@ludwigshafen.de).
  • Daneben wird am 17. April ein Stadtspaziergang mit Helmut van der Burchholz angeboten. Beim Collagen-Lab „LUtopische Raumvisionen“ werden am 10. April mit Maltechniken schwarz-weiß Fotos bearbeitet.
  • Das Camp im Kulturzentrum vom 19. bis 30. April wird von einem bunten Rahmenprogramm begleitet (je nach Corona-Situation digital). Infos unter www.dashaus-lu.de.
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„Wir leben heute in einer Umgebung, die so für die Zukunft nicht mehr überall stehenbleiben kann. Gerade in Sachen Klima und Verkehr müssen wir neue Wege finden“, sagte Bürgermeisterin Cornelia Reifenberg (CDU) bei der Vorstellung des Projekts. „Ludwigshafen ist derzeit die Abriss-Stadt Nummer eins. Doch die vielen Baustellen bergen gleichzeitig auch Chancen“, sagte sie mit Blick auf Hochstraßen, Metropol-Hochhaus und den anstehenden Rathaus-Abriss. „LUtopia sei ein passgenaues Vorhaben, um den Blick in die Zukunft zu richten und sich Gedanken zu machen, wie man künftig in Ludwigshafen zusammenleben wolle, ergänzte Kultur-Bereichsleiterin Monika Kleinsorge.

Angeleitete Workshops

Bei „LUtopia“ werden Bürger aller Geschlechter, Altersklassen und sozialer Herkunft eingeladen, zehn Orte nach ihren Vorstellungen umzubauen. Dabei handelt es sich um den Karl-Kornmann-Platz vor dem Kulturzentrum „dasHaus“, das Foyer des Kulturzentrums, die Standorte der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft in der Max- und der Ernst-Boehe-Straße, einen Abschnitt der Prinzregentenstraße, den Goerdelerplatz im Hemshof, den Vorplatz des Hauptbahnhofs, das Gleisdreieck Hauptbahnhof, den Hans-Klüber-Platz und den Messplatz. Die Teilnehmer können in angeleiteten Workshops, sogenannten Labs, ihre Ideen einbringen. Das Spiel „Minecraft“ dient dabei als digitales Werkzeug, mit dem Stein für Stein neue Gebäude und Elemente entstehen können. Geräte und Software stehen bereit, Experten helfen den Teilnehmern, die im Umgang mit der Technik nicht so geübt sind.

Nach der Workshop-Phase steht ein zwölftägiges Camp im Kulturzentrum „dasHaus“ im Zentrum des Projekts. Dort werden vom 19. bis zum 30. April die Ideen in „Minecraft“ weiterentwickelt. Begleitet wird dieser Prozess von einem internationalen Projektteam um den Digitalisierungsexperten Christoph Deeg, der bereits bei der Umgestaltung der Stadtbibliothek beteiligt war, die Architektin Bethlehem Anteneh und den Softwareentwickler Dagmawi Bedilu, beide aus Addis Abeba in Äthiopien.

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„Während echter Stadtumbau Jahre und Jahrzehnte dauert, eröffnet uns das Spiel die Möglichkeit, in kürzester Zeit Szenarien zu entwerfen, wie etwas aussehen sollte – oder eben auch nicht“, sagte der aus Äthiopien zugeschaltete Bedilu bei der Projektvorstellung. Anteneh betonte, dass man eine Stadt als Plattform verstehen müsse, auf der menschliche Interaktion ermöglicht werde. „LUtopia“ bedeute letztlich nichts anderes, als reale Orte ins Digitale zu übertragen, sie dort neu zu denken und weiterzuentwickeln, und am Ende ins Analoge zurückzuführen.

Ergebnisse gehen an Verwaltung

Zusammengefasst werden die Ergebnisse in einem von Bedilu entwickelten Spiel. Dieses wird mittels einer App kostenlos für alle Bürger spielbar sein, indem sie mit ihrem Smartphone die realen Plätze in Ludwigshafen besuchen und dort dann in die virtuelle Welt eintauchen.

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Zwei der zehn Orte sollen auch tatsächlich nach den Ideen der Teilnehmer verändert werden. Der Karl-Kornmann-Platz und das Foyer des Kulturzentrums verwandeln sich mit beweglichen Objekten nach den im Computerspiel „Minecraft“ entwickelten Fiktionen. Die Ideen zu den übrigen Plätzen im Stadtgebiet sollen gesammelt an die entsprechenden Stellen bei der Stadtverwaltung übergeben werden, teilten die Veranstalter mit.

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Redaktion Reporter Region, Koordinator Neckar-Bergstraße und Ausbildungsredakteur