Hochwasser-Touristen treiben Tiere in den Tod

Von 
Bernhard Zinke
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Dieser Biber im Neckar bei Heidelberg sorgte für Aufsehen, weil er außerhalb seines überfluteten Baus schlief. Die Tierrettung musste nicht eingreifen. © Michael Sehr

Rhein-Neckar. Schneeschmelze und Dauerregen haben wie erwartet ein Hochwasser an Rhein und Neckar ausgelöst. Allerdings wurde die B 37 unterhalb der Alten Brücke in Heidelberg nicht überschwemmt. Auch am Rhein blieb es bei einem Ereignis, wie es alle fünf oder zehn Jahre vorkommt, wie ein Sprecher der baden-württembergischen Hochwasserzentrale am Sonntag sagte. Erwartungsgemäß wurde der Rhein in der Nacht zum Samstag ab Maxau für die Schifffahrt gesperrt. Am Neckar war das schon am Freitag der Fall.

Hochwasser Biber in Not - Tiere sitzen im Neckar fest

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In Heidelberg war der Scheitel der Welle allerdings am Samstagnachmittag bereits erreicht. Seitdem sinkt der Pegelstand kontinuierlich. Am Rhein bei Mannheim wird der Höchststand am Montag kurz vor Mittag erwartet. Die Experten rechnen mit einem Pegel um 7,20 Meter, in Speyer wurde in der Nacht zum Montag ein Spitzenwert von um die 8 Meter erwartet.

Allerdings sind wegen des Hochwassers zahlreiche Tiere in Not geraten. Bei Germersheim beispielsweise musste die Wasserschutzpolizei am Samstag zwei Rehe retten. Die Tiere waren offensichtlich so erschöpft, dass sie sich nicht mehr aus eigener Kraft aus dem überfluteten Vorland retten konnte.

Auch in Heidelberg sorgten zwei Biber für einen Einsatz von Feuerwehr und Berufstierrettung Rhein-Neckar. Passanten waren auf die Tiere aufmerksam geworden und hatten die Helfer alarmiert. Letztlich habe man an dieser Stelle aber nicht eingreifen müssen, sagte Tierretter Michael Sehr. Der Biberbau sei überflutet gewesen, deshalb hätten die ermatteten nachtaktiven Tiere tagsüber auf dem Treibgut geschlafen. Man habe die Biber in regelmäßigen Abständen beobachtet. „Wenn wir hätten eingreifen müssen, hätten wir das auch getan“, so Sehr.

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Unverständnis äußern Wildhüter und die Tierrettung indessen über Hochwasser-Touristen, die keine Rücksicht auf die Wildtiere nehmen. So sei in Heidelberg den Bibern ein Rückzugsraum am Neckarufer faktisch verwehrt gewesen, weil dort Spaziergänger unterwegs gewesen seien. Überall bitten die Jagdaufseher dringend darum, überflutete Bereiche zu meiden. Profi-Tierretter Sehr beklagt ebenfalls, dass Ausflügler Absperrungen ignorieren oder beiseite räumen, um Hochwasser zu gucken. Dabei wüssten sie gar nicht, in welche Not sie die Wildtiere dadurch bringen. Die Deiche seien für viele Rehe, Kaninchen und andere Tierarten derzeit der einzige trockene Rückzugsort. Wenn dann Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern spazieren gehen, möglicherweise nicht einmal angeleint, bleibe den Tieren gar keine Wahl, als in die überfluteten Bereiche zu flüchten. „Das machen die Tiere ein- oder zweimal. Spätestens beim dritten Mal sind sie so erschöpft, dass sie ertrinken“, macht Sehr deutlich. Die Gemeinde Brühl belege Verstöße gegen Absperrungen mittlerweile mit saftigen Bußgeldern. Das wünscht sich Sehr unbedingt als Vorbild auch für andere Kommunen.

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Autor Stellvertretender Leiter der Redaktion Mannheim und die Region