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Ermittlungen

„Ein nicht natürlicher Tod“ nach Polizeieinsatz am Marktplatz

Staatsanwaltschaft veröffentlicht vorläufige Bewertung zum heftig umstrittenen Vorfall Anfang Mai in Mannheim

Von 
Martin Geiger und Till Börner
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Ermittler sichern Anfang Mai nach dem umstrittenen Polizeieinsatz am Mannheimer Marktplatz Spuren. © Rene Priebe

Mannheim. Gut vier Monate nach dem Tod eines Mannes nach einem Polizeieinsatz in Mannheim gibt es mehr Klarheit über die Ursache. Der 47-Jährige sei laut vorläufiger Bewertung eines Gutachtens an einer Kombination aus einer „lage- und fixationsbedingten Atembehinderung“ mit darauf folgender Stoffwechselentgleisung sowie einem „Ersticken durch eine Blutung in die oberen Atemwege“ gestorben, teilte die Staatsanwalt Mannheim am Mittwochnachmittag mit. Der Tod sei also „nicht natürlich“ gewesen.

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Bei dem Polizeieinsatz am Marktplatz in der Mannheimer Innenstadt war der Mann am 2. Mai zusammengebrochen. Die Einsatzkräfte und ein anwesender Arzt des Zentralinstituts für seelische Gesundheit (ZI), der mit der Polizei den Patienten gesucht hatte, kümmerten sich um den 47-Jährigen. Später starb dieser aber im Krankenhaus. Der Deutsche mit kroatischen Wurzeln hatte entgegen dem Anraten des Arztes das ZI verlassen und wurde daraufhin gesucht.

Video im Internet

Laut früheren Angaben des Landeskriminalamts kursierte im Internet mindestens ein Video, auf dem zu sehen ist, wie einer der Polizisten dem auf dem Boden liegenden Mann gegen den Kopf schlägt. Der Vorfall hatte in der Stadt großes Entsetzen ausgelöst und bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. In Mannheim und Heidelberg hatten sich mehr als 300 Menschen an Demonstrationen gegen Polizeigewalt beteiligt.

Die Ermittlungen des Landeskriminalamtes hatten mehrere Monate gedauert, unter anderem weil weitere Untersuchungen nötig geworden waren. Im Zuge der Ermittlungen seien 70 Zeugen vernommen worden. Es wurden zudem 120 Videos gesichtet, wie die Staatsanwaltschaft nun mitteilte. Das Geschehen lasse sich im Wesentlichen nachvollziehen. Nähere Angaben dazu wurden nicht gemacht.

Keine Entscheidung über Anklage

Das Landeskriminalamt habe das Ergebnis seiner Untersuchungen inzwischen vorgelegt. Nun sichte die Staatsanwaltschaft die vorliegenden Erkenntnisse und werte diese aus. Wie lange dies dauere, lasse sich nicht absehen. Damit ist nach wie vor offen, ob die beiden Polizisten angeklagt werden. „Es gilt weiter die Unschuldsvermutung“, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Die beiden Polizisten sind nach Angaben eines Sprechers des Mannheimer Polizeipräsidiums nach wie vor vom Dienst suspendiert. Die Disziplinarverfahren seien weiterhin ausgesetzt. „Wir warten nun die juristische Bewertung des Vorfalls ab“, sagte der Sprecher. Erst danach werde über die weiteren Schritte entschieden. Inhaltlich wollte er sich zu den vorliegenden Ermittlungsergebnissen nicht äußern. (mit dpa)

Redaktion Reporter für die Ressorts "Wirtschaft" und "Mannheim".

Redaktion Redakteur in der Onlineredaktion

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