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Dieselskandal - Der ehemalige Audi-Chef ist im Prozess bislang eine Randfigur / Demnächst sagen Zeugen über die Öffentlichkeitsarbeit des Konzerns aus

Wie viel wusste Rupert Stadler?

Von 
Dpa
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München. Seit September 2020 steht der ehemalige Audi-Chef Rupert Stadler in München vor Gericht. Betrug durch Verkauf von Dieselautos mit manipulierten Abgaswerten wirft ihm die Anklage vor. Im Prozess aber spielt Stadler bis heute keine Rolle. Im Mittelpunkt der Beweisaufnahme stehen bisher die drei mitangeklagten Motoren-Entwickler.

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Rupert Stadler, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Audi AG, steht seit September 2020 in München vor Gericht. Im Juni 2018 wurde er wegen Verdunkelungsgefahr verhaftet. © Christof Stache/ dpa

„Bisher ging es nur um Daten und technische Applikationen“, sagte Gerichtssprecher Florian Gliwitzky. Der ehemalige Audi-Motorenchef und spätere Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz sowie zwei leitende Audi-Ingenieure sollen ab 2008 mehr als 400 000 Dieselmotoren so manipuliert haben, dass sie Abgastests bestehen, auf der Straße aber mehr Stickoxide ausstoßen. Die beiden Ingenieure haben zumindest weitgehend gestanden, sehen sich aber eher als Befehlsempfänger. Hatz weist jede Beteiligung an Software-Tricksereien zurück. Das sei nach seiner Zeit bei Audi geschehen.

Überraschungen seien von den Technikern im Zeugenstand kaum zu erwarten: Sie schilderten ihre Arbeit. „Sie hatten ja schon im Ermittlungsverfahren ausgesagt“, sagte Gliwitzky.

Zähe Beweisaufnahme

Die Beweisaufnahme sei zäh, langwierig, „mühevollste Kleinarbeit“, heißt es vonseiten der Verteidiger. Viele Zeugen könnten sich gar nicht mehr ausreichend genau an Vorgänge aus den Jahren ab 2008 erinnern. Hunderte Dokumente und Protokolle müssen die Prozessbeteiligten lesen, auch die Schöffen. Wer hat wann genau welche Programme entwickelt? Mehr Licht ins Dunkel könnte noch vor der Sommerpause im August ein gerichtlich bestellter Gutachter bringen, so die Hoffnung.

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Stadler war vor drei Jahren, im Juni 2018, noch als Vorstandschef wegen Verdunkelungsgefahr verhaftet worden, saß vier Monate lang in U-Haft und sitzt nun seit neun Monaten immer dienstags und mittwochs im Gerichtssaal im Kellerschoss der JVA München-Stadelheim. Kontakte zu ehemaligen Kollegen und Mitarbeitern bleiben dem 58-Jährigen verboten. Stadler soll zwar erst nach Aufdeckung des Skandals durch die US-Umweltbehörde im Herbst 2015 von den Abgastricksereien erfahren, aber Produktion und Verkauf manipulierter Autos in Europa erst viel später gestoppt haben.

Am 12. Januar erteilte ihm die Strafkammer das Wort. Da warf er den Technikern vor, ihn hinters Licht geführt zu haben, und der Staatsanwaltschaft, ihn politisch instrumentalisiert und „als Galionsfigur“ für den Prozess missbraucht zu haben. Seither ist er eine Randfigur im Prozess.

In einigen Wochen könnte es für ihn jedoch wieder spannender werden. Zeugen aus der Marketing-Abteilung sollen berichten, was sie gewusst haben, wie man auf die verfehlten Abgaswerte reagiert und was man der Öffentlichkeit erzählt hat. Betrug, mittelbare Falschbeurkundung und strafbare Werbung, so lautet die Anklage gegen Stadler. Im Herbst könnte es im Verfahren um ihn gehen, erwarten seine Verteidiger.

Winterkorn-Verfahren beginnt

Das Problem ist nur: Untergeordnete Mitarbeiter wussten meist nicht so viel. Wer aber den Zwiespalt zwischen Sein und Schein, zwischen Motortechnik und Marketing gekannt und überschaut hat, könnte im Zweifel als Beschuldigter die Aussage verweigern.

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Das Interesse der Öffentlichkeit dürfte sich nach der Sommerpause ohnehin nach Braunschweig verlagern, wo am 16. September der Prozess gegen den vormaligen VW-Konzernchef Martin Winterkorn beginnt. In München ist dann noch nicht mal Halbzeit: Der Prozess ist bis zum 20. Dezember 2022 terminiert.

Wie teuer die Diesel-Affäre die Autobosse in Euro und Cent zu stehen kommt, wissen sie schon in vier Wochen, nach der Entscheidung der VW-Hauptversammlung über den geplanten Vergleich. Winterkorn soll demnach privat 11,2 Millionen an VW überweisen, Stadler 4,1 Millionen, Hatz 1,5 Millionen. Das wäre zumindest zivilrechtlich der Schlussstrich. Denn Nachforderungen wären ausgeschlossen, egal, was strafrechtlich noch folgt. dpa

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