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Sicherheits-Check vor der Urlaubsfahrt: Wie alt sind meine Reifen?

Von 
Klaus Brieter
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mid Groß-Gerau - Keine Antiquität: Dieser Reifen mit der Zahl 2521 im Oval wurde in der 25. Woche 2021, also gegen Juni produziert. © Klaus Brieter / mid

Ob Reifen noch zum Fahren geeignet sind, ist nicht nur eine Frage der Profiltiefe und des optischen Gesamtzustandes. Wer sicher unterwegs sein will, sollte auch beim Reifenalter keine Kompromisse machen - selbst wenn der Pneu wenig gefahren wurde.

Geht es bald wieder auf große Fahrt? Eventuell mit einem Fahrzeug, das nur saisonal genutzt wird: egal ob Youngtimer, Wohnmobil oder Caravan-Anhänger? Dann lohnt sich auf jeden Fall ein Check, wie alt die Reifen sind. Denn das bei selten genutzten Autos oder Anhängern eventuell noch üppig vorhandene Profil ist absolut kein Indikator, ob die Reifen das "Verfallsdatum" schon hinter sich haben.

Das Alter ermitteln? Das riecht nach großem Aufwand. Aber wenn man weiß, wie es geht, ist diese Prüfung deutlich unkomplizierter als das exakte Messen des Profils (gesetzliche Mindestprofiltiefe: 1,6 Millimeter). Denn die Reifenhersteller sind verpflichtet, das Produktionsdatum ebenso auf die Reifenflanke zu schreiben, wie zum Beispiel die Angaben zur Dimension, zur Bauart oder ob es sich um einen Sommer- oder Winterrad handelt.

Wie die vereinfachte Infografik mit den geheimnisvollen Zahlen- und Buchstabenkolonnen zeigt, steckt die Information in der so genannten DOT-Nummer. Und zwar in den letzten vier Ziffern Codes, der auf die Reifenflanke vulkanisiert ist. Die erste Ziffernduo steht jeweils für die Produktionswoche, das zweite für das Jahr der Herstellung. Diese vierstellige Zahlenkombination wird häufig von einem Oval umrandet. So ist sie besser auffindbar.

Und wie alt sollte der Reifen maximal sein? Der ADAC rät dazu, dass die Sommerschlappen nicht älter als zehn und die Winterräder nicht mehr als acht Jahre alt sein sollten. Denn die Gummimischung der Reifen härtet im Lauf der Jahre aus. Und büßt so allmählich ihre guten Eigenschaften ein - vorwiegend bei Griffigkeit und Bremsverhalten.

Zudem darf nicht vergessen werden, dass häufig Fahrzeuge oder Anhänger, mit denen es auf Urlaubsfahrt geht, bis an die Grenze des zulässigen Gewichts beladen werden. Das ist ein zusätzlicher Stressfaktor für einen gealterten harten Reifen. Denn er walkt nicht mehr so geschmeidig wie ein weiches junges Exemplar.

Daher wird empfohlen, diese Reifen schon bei einem Alter von sechs Jahren, spätestens aber nach acht Jahren zu ersetzen. Gerade Wohnwagenreifen altern durch Sonneneinstrahlung, lange Standzeiten und seltene Luftdruckkontrollen auf den Stellplätzen stark.

Was dieser Effekt bedeutet, erklärt Klaus Engelhardt, Produkt-Sprecher des Reifenherstellers Continental so: "Ein alt gewordener Reifen kann beim Fahren immer wärmer oder gar heiß werden. Durch die Veränderungen im Reifeninneren aufgrund physikalischer und chemischer Prozesse kann es im Bereich der Lauffläche oder der Seitenwand zu Ablösungen kommen. Bilden sich bereits Blasen auf der Seitenwand, ist es bis zum Reifenplatzer oder zur Ablösung der Lauffläche von der Karkasse nicht mehr weit. Wer ganz sicher gehen will oder Zweifel über die Leistungsfähigkeit seiner Reifen hat, sollte im Fachhandel oder der Werkstatt Rat suchen."

Sieht man von Anhängerreifen, die eine Zulassung bis Tempo 100 haben, einmal ab, dann gibt es zum Höchstalter keine gesetzliche Regelung. Sind die 100er-Reifen, wie sie häufig bei Wohnwagen genutzt werden, älter als sechs Jahre, verlieren sie jedoch ihre Zulassung für die höhere Geschwindigkeit und dürften dann allenfalls noch mit bis zu 80 km/h bewegt werden. Wer sich nicht daran hält, muss mit Verdruss seitens der Polizei oder - bei Unfällen - der Versicherung rechnen.

Da in jedem Fall das Datum der Produktion und nicht das der Montage am Fahrzeug entscheidend ist, lohnt es sich, bereits beim Kauf der Reifen die Augen offen zu halten. Denn selbst bis zu fünf Jahre alte Reifen gelten laut einer Expertise des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V. "bei fach- und sachgerechter Lagerung" noch als neu. Bis zu drei Jahre alte Pneus genießen sogar noch das Prädikat "fabrikneu". Das mag bei einem Auto, mit dem in kurzer Zeit viele Kilometer "runtergeschrubbt" werden, kein Problem sein, wohl aber bei seltener Nutzung.

Und hier noch ein Tipp für die Fahrer von Wohnmobilen. Für die mobilen Wohnstuben gibt es Reifen, die gezielt für die hohe Traglast konzipiert sind. In diesem Fall ist es klug, beim Reifenhändler nach Pneus zu fragen, die dem CP-Standard entsprechen. Auch wenn in dieser Reifenklasse nicht alle Dimensionen abgedeckt sind: Für die gängigen Campingbusse, die zum Beispiel auf der Basis vom Fiat, Ford, Mercedes und VW rollen, deckt der Handel die passenden Reifengrößen in der Regel ab.

Schließlich muss man nicht bis zum Urlaubsantritt warten, um einen Blick auf die DOT-Nummer zu werfen. Dann wird es zeitlich nicht eng, wenn die Reifen erst bestellt werden müssen. Und wer will schon ein erhöhtes Risiko eingehen, weil zu betagte Reifen nicht rechtzeitig in den Ruhestand versetzt wurden. In diesem Fall ist der Respekt vor dem Alter nicht angebracht.

Klaus Brieter / mid

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