Porsche 911 auf 6.007 Meter Höhe

Von 
Solveig Grewe
Lesedauer: 
mid Groß-Gerau - Mit einem stark modifizierten Porsche 911 auf einer Expedition auf den höchstgelegenen Vulkan der Welt. © Porsche AG

Mit einem stark modifizierten Porsche 911 ist das Team RD Limited des dreifachen Le Mans-Siegers Romain Dumas zu einer Expedition auf den höchstgelegenen Vulkan der Welt, den Ojos Del Salado in Chile gestartet. Erst auf 6.007 Metern Höhe wurde das Team von einer Eiswand gestoppt. Nie zuvor hat ein Porsche-Fahrzeug auf eigenen Rädern eine größere Höhe erreicht.

Seit fast 60 Jahren wird der Porsche 911 auf der Rennstrecke und auf der Straße auf Herz und Nieren getestet. Nun beginnt ein weiteres Kapitel: Zwei 911, die zu Versuchszwecken aufgebaut worden sind, haben abseits befestigter Straßen einen Extremtest absolviert: In einem Klima, in dem die Luft äußerst dünn ist, das Thermometer weit unterhalb des Gefrierpunkts verharrt und selbst Pflanzen nicht mehr überleben können.

Am vergangenen Wochenende begann die Mannschaft ihre ersten Testfahrten. Beide Einsatzfahrzeuge wurden auf Basis des aktuellen 911 Carrera 4S aufgebaut. Der 331 kW/450 PS starke 3,0-Liter-Sechszylinder-Boxermotor wurde im Serienzustand belassen und mit dem Siebengang-Schaltgetriebe kombiniert. Mit seiner robusten und dennoch leichten Chassiskonstruktion, seinen kurzen Karosserieüberhängen sowie seinem leistungsstarken Antrieb besitzt der 911 beste Voraussetzungen, um auch in extremer Höhe zu bestehen.

Beide 911 erhielten einen massiven Überrollkäfig sowie Schalensitze mit speziellen Sicherheitsgurten. Zwei Portalachsen ermöglichen eine Bodenfreiheit von 350 Millimetern, die Getriebeuntersetzung wurde verkürzt und so an die großen Offroadräder angepasst. Darüber hinaus sind die Autos mit leichten, aber extrem widerstandsfähigen Unterbodenverkleidungen aus Aramidfasern ausgerüstet, um auch schroffe Felslandschaften sicher meistern zu können.

Ein technisches Highlight ist der Porsche Warp-Connecter, der ursprünglich für den Einsatz im Motorsport entwickelt wurde. Dieser ermöglicht eine Verbindung zwischen allen vier Rädern, damit selbst bei extremer Verschränkung die Achslasten möglichst konstant bleiben und somit optimale Traktion gewährleistet wird.

Darüber hinaus haben die Ingenieure manuelle Differenzialsperren sowie ein Steer-by-wire System verbaut. Die Karosserie wurde deutlich modifiziert. Zum einen, um den 310 Millimeter breiten Offroad-Reifen ausreichend Freigang in den Radhäusern zu ermöglichen, zum anderen, um eine Seilwinde an der Front integrieren zu können.

Die Kühler wurden aus dem Front- in den oberen Heckbereich verlegt, um sie im extremen Gelände vor Beschädigungen zu schützen. Eines der beiden Fahrzeuge ist im Look des Porsche 963 LMDh Rennwagens gestaltet. Die Optik des zweiten Fahrzeugs wurde vom Style Porsche Team in Weissach entworfen.

"Es war etwas ganz Besonderes einen 911 zu konstruieren, wie ihn die Welt noch nie gesehen hat. Möglich gemacht hat das ein kleines Team von begeisterten Ingenieuren. Der 911 hat sich bereits auf der Rennstrecke und natürlich auf der Straße erfolgreich bewiesen. Und nun auch unter extremen Offroadbedingungen" betont Michael Roesler, Leiter Gesamtfahrzeug der Baureihe 911.

Der 911 überquerte mit Romain Dumas am Steuer steile Hänge und Eisfelder, die Fahrzeug und Team sämtliche Fähigkeiten abverlangte. Die Temperaturen lagen bei bis zu minus 30 Grad Celsius, der Sauerstoffgehalt in der Luft war nur halb so hoch wie auf dem Meeresspiegel. Unpassierbare Wände aus Eis und Schnee setzten dem Test auf einer Höhe von 6.007 Metern dann die finale Grenze.

"Das war ein unvergesslicher und besonderer Moment an diesem Ort, der gleichermaßen atemberaubend schön wie unbarmherzig ist. Höher als wir waren heute wohl nur die Flugzeuge. Vom ersten Meter an hat sich der 911 robust und agil angefühlt. Wir haben uns nicht geschont und haben dem Auto alles abverlangt" sagt Porsche Werksfahrer Romain Dumas, der gleichzeitig als Teamchef von RD Limited fungierte.

Sein Respekt gebühre all denen, die es in der Vergangenheit noch weiter nach oben geschafft haben. Obwohl Richtung Spitze des Vulkans eine extreme Menge an Eis und Schnee läge, sei es möglich gewesen, auf über 6.000 Meter zu fahren, bis unpassierbare Wände aus Eis und Schnee das weitere Vorankommen verhindert hätten. Er sei mächtig stolz auf das Team und den Porsche 911 und hoffe, dass man sich in der Zukunft auf weitere solcher Abenteuer freuen könne.

Mehr zum Thema

Klimaforschung

Überdurchschnittlicher Temperaturanstieg in Europa

Veröffentlicht
Von
dpa
Mehr erfahren