Kreislaufwirtschaft in der Autoindustrie

Von 
Lars Wallerang
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mid Groß-Gerau - Aus Alt mach Neu: Künftige Fahrzeuge könnten zu einem großen Teil aus Recycling-Material bestehen. © Goslar Institut

Bislang galten die Produktion neuer Autos und die Verwertung alter Fahrzeuge als unterschiedliche Geschäftszweige. Doch die Zeiten ändern sich auch hier: Haftete einem Schrotthändler vor wenigen Jahrzehnten noch ein gewisses Schmuddel-Image an, klang die Bezeichnung "Autoverwerter" schon nach seriösem Business. Und wenn heute von "Circular Economy" die Rede ist, erlebt der gute alte Schrottplatz eine strahlende Wiedergeburt im Zeichen von Klimaschutz, Ressourcenknappheit und angespannter Lieferketten.

Auch die Opel-Konzernmuttergesellschaft Stellantis setzt auf Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft, wie sie im Zusammenhang mit dem angekündigten Schrottplatz betont. Allerdings beabsichtigt Stellantis auch, mit der neuen Kreislaufwirtschafts-Geschäftseinheit gutes Geld zu verdienen.

Das Europäische Parlament definiert Kreislaufwirtschaft als ein Modell der Produktion und des Verbrauchs, bei dem bestehende Materialien und Produkte so lange wie möglich geteilt, geleast, wiederverwendet, repariert, aufgearbeitet und recycelt werden. Auf diese Weise soll der Lebenszyklus von Produkten verlängert werden. Als Folge davon wird wiederum erwartet, dass in der Praxis Abfälle auf ein Minimum reduziert werden. Nach Angaben des Europaparlaments produziert die Europäische Union jährlich mehr als 2,5 Milliarden Tonnen Abfall.

Die EU will mit neuen Rechtsvorschriften eine Weiterverwertung gebrauchter Materialien erreichen, die den Übergang von einer Linearwirtschaft zu einer Kreislaufwirtschaft fördern sollen. Dabei steht die Kreislaufwirtschaft im Gegensatz zum traditionellen, linearen Wirtschaftsmodell der "Wegwerfwirtschaft". Letztgenanntes Modell funktioniert jedoch nur, wenn große Mengen billiger, leicht zugänglicher Materialien und Energie zur Verfügung stehen.

Spätestens seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ist die übergroße Abhängigkeit der Industrien in den EU-Staaten von Rohstofflieferungen aus Drittländern und preiswerter Energie deutlich geworden.

Auf diese veränderten Rahmenbedingungen und auf die Pläne der EU zur Weiterentwicklung der europäischen Kreislaufwirtschaft als eine zentrale Säule des "Green Deals" der EU-Kommission, wie sie auch in dem sogenannten Action Plan "Circular Economy" der Brüsseler Kommission vom März 2020 zum Ausdruck kommen, reagiert Stellantis nun mit einem großen eigenen Schrottplatz am italienischen Standort Mirafiori. Die Eröffnung des als "Circular Economy Center" bezeichneten Projekts ist für 2023 geplant. Dort sollen zukünftig Altfahrzeuge demontiert und als Ersatzteile für einen neuerlichen Einsatz überholt werden.

Man strebe nach der maximalen Verlängerung der Lebensdauer von Fahrzeugen und Ersatzteilen, zitiert das "Handelsblatt" hierzu den Automobilhersteller. Materialien und Altfahrzeuge will der Konzern demnach konsequent in den Produktionskreislauf rückführen, damit daraus neue Fahrzeuge und Produkte entstehen können.

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