Meinung - Während Hundehalter in der Region mindestens 105 Euro Abgaben leisten müssen, kommen Katzenbesitzer umsonst davon Braucht Deutschland eine Katzensteuer?

Von 
Jessica Blödorn
Lesedauer: 

Wer in Deutschland einen Hund hält, wird über die Hundesteuer zur Kasse gebeten. In Mannheim und Heidelberg kostet der Ersthund 108 Euro im Jahr, der Zweithund gar 216 Euro. In Ludwigshafen werden auf Ersthunde 105 Euro Steuern erhoben, auf jeden weiteren 132. Katzenbesitzer zahlen dagegen keine Steuern. Sollte also eine Katzensteuer eingeführt werden?

Pro 

AdUnit urban-intext1

Von unserem Redaktionsmitglied Jessica Blödorn

Hunde galten Anfang des 19. Jahrhunderts als Luxustiere, weshalb auf sie eine Steuer erhoben wurde. Katzen hingegen wurden genutzt, um Mäuse, Ratten und Ungeziefer vom Hof zu verjagen und zu beseitigen. Nutztiere besteuerte man nicht. Doch längst leben wir nicht mehr auf Höfen, und der einzige Nutzen der Katzen besteht häufig darin, auf sozialen Netzwerken Klicks zu sichern und abends auf der Couch als Kuschelpartner zu dienen – klingt verdächtig nach Luxustier.

2018 hielten die Deutschen fast 15 Millionen Katzen – im Vergleich zu 9,4 Millionen Hunden. Während Hunde in der Öffentlichkeit an der Leine zu führen sind, dürfen Katzen frei herumstromern. Gerade in Vororten und ländlichen Gemeinden ist dies der Fall. Würde ein Hund herrenlos herumlaufen und sich unkontrolliert erleichtern, würden sich Leute empören. Doch Katzen können ihre Duftmarken und ihren Kot unbeaufsichtigt in den öffentlichen Raum und in Privatgärten setzen. Und noch schlimmer: Mehr als 100 Millionen Vögel fallen laut Naturschutzbund streunenden Hauskatzen auf der Jagd hierzulande jährlich zum Opfer. Das gleiche Schicksal erfährt das Dreifache an Reptilien und Kleinsäugern. Damit gefährden Katzen womöglich die Artenvielfalt.

AdUnit urban-intext2

Man sollte außerdem davon ausgehen dürfen, dass die Hundesteuer etwa dafür genutzt wird, Kotbeutelspender aufzustellen oder Hundewiesen zu pflegen. Stattdessen werden Einnahmen für allgemeine kommunale Angelegenheiten verwendet – es ist gesetzlich so geregelt. Um für etwas Gleichberechtigung der Halter zu sorgen, sollte entweder die Hundesteuer abgeschafft oder die Katzensteuer eingeführt werden.

Mit der Besteuerung ginge auch die zwangsläufige Identifizierbarkeit eines Tieres einher. Die Katze müsste gechippt werden. Das hätte zum Vorteil, dass entlaufene oder tot aufgefundene Katzen einem Halter zugeordnet werden könnten.

Kontra

AdUnit urban-intext3

Von unserem Redaktionsmitglied Stephanie Kuntermann

AdUnit urban-intext4

Die Katzenhaltung zu besteuern ist eine widersinnige Idee. Auf den ersten Blick erscheint sie zwar lukrativ – immerhin haben 2018 etwa 15 Millionen Katzen in deutschen Haushalten gelebt. Das würde auf einen Schlag Riesensummen in die Kassen von Städten und Gemeinden spülen.

Wenn sie denn in der Lage wären, jeder Katze auch einen Halter zuzuordnen – angesichts der freiheitsliebenden Tiere ein organisatorischer und bürokratischer Kraftakt. Ob da am Ende wirklich eine Mehreinnahme steht, darf deshalb bezweifelt werden.

Trotzdem hat das Thema anscheinend gewissen Charme; alle paar Jahre kommt es auf. Die Gründe waren vielfältig: In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg wollte man dadurch die Zahl weiterer Esser eindämmen. Mal hieß es, die Zeiten seien vorbei, da die Bauern noch Mäusefänger brauchten, anderswo wird mit dem Vogelschutz argumentiert. Allerdings, so schätzt der Naturschutzbund Deutschland, fallen jedes Jahr tatsächlich nur vier bis 20 Prozent der Vögel den Samtpfoten zum Opfer.

Anderswo pochen die Steuern zahlenden Hundehalter auf Gleichbehandlung. Die könnte man herstellen, indem einfach niemand besteuert wird. Warum auch?

Lässt man einmal die grausamen Fälle von Tierquälerei außer Acht, dürfte es schwierig sein, Lebensgemeinschaften zu finden, in denen es weniger Egoismus und Rücksichtslosigkeit gibt. In denen die Menschen bedingungslos und großzügig für ihre Hausgenossen sorgen und eigene Interessen zurückstellen. Auf der anderen Seite ermuntert der Vierbeiner dazu, sich nicht gehen zu lassen, und ist ein stets geduldiger Zuhörer. Ein Haustier ist immer für seinen Menschen da. Auch wenn sonst keiner mehr da ist. Und da ist er wieder, der Widersinn: Da soll eine Lebensweise besteuert werden, die für den Einzelnen und die Gesellschaft so viel Gutes bringt.

Mehr zum Thema

Internationaler Katzentag K wie Kralle, E wie Einzelgänger - Stubentiger durchbuchstabiert

Veröffentlicht
Von
Katja Räther
Mehr erfahren