Volleyball - Gesellschafter Jörg Krick steht mit den United Volleys Frankfurt am Sonntag erstmalig im DVV-Pokal-Finale in Mannheim „Eine sehr erfolgreiche Geschichte“

Von 
Jörg Aberle
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Mannheim. Ein intensives Gespräch mit dem damaligen Volleyball-Bundestrainer Vital Heynen und sein hochtalentierter Filius Tobias bekräftigten Jörg Krick darin, etwas im Volleyball bewirken zu wollen. Der Plan, ein Erstliga-Team im Rhein-Main-Gebiet zu etablieren, war geboren. Heynen hatte im Diskurs das Problem moniert, dass zu wenig deutsche Talente gefördert werden und eine Chance in der Bundesliga erhalten. Mit dem Aufsteiger TG Rüsselsheim in direkter Nachbarschaft bot sich dem Unternehmer Krick auch die passende Gelegenheit. Nach dem geglückten Aufstieg der Rüsselsheimer 2015 kaufte Krick deren Bundesliga-Lizenz und gründete die United Volleys Frankfurt. Am Sonntag (17 Uhr/live bei Sport1) greifen die Hessen in der SAP Arena nach ihrem ersten großen Titel. Gegner im DVV-Pokal-Finale sind die Netzhoppers KW-Bestensee.

Die Frankfurter Volleyballer bejubeln ihren Halbfinal-Coup über Friedrichshafen. © United Volleys
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Herr Krick, was ist im Jahr 2021 von ihrem löblichen Konzept der Talentförderung bei den United Volleys Frankfurt noch erhalten geblieben?

Jörg Krick

Geboren wurde Jörg Krick (Bild) am 23. Februar 1968 in Ingelheim. Der IT-Unternehmer und Investor lebt in Grolsheim. Sohn Tobias (22) spielte von Beginn an für die Volleys, wurde Nationalspieler und wechselte 2020 in die noch stärkere SuperLega in Italien.

Von 2015 an bis Sommer 2020 war Jörg Krick sowohl Geschäftsführer als auch Gesellschafter der United Volleys, zog sich dann etwas zurück und kümmert sich seitdem als Gesellschafter um die langfristige, strategische Ausrichtung des Vereins.

Deutschlandweit bekannt wurde Jörg Krick und der gesamte Verein durch die Sport1-Doku „Inside United Volleys“, die das Team einzigartig nah über die Jahre begleitet hat.

Krick: Wir sind die ersten Jahre konsequent diesem Ansatz gefolgt und haben gezeigt, dass man mit diesem Konzept gut vorankommen kann. Im vergangenen Jahr sind wir etwas davon abgewichen und hatten doch etwas mehr ausländische Spieler, weil viele deutsche Spieler ins Ausland gegangen oder zu anderen Vereinen sind.

Welche Platzierungen haben Sie mit dieser ursprünglichen Ausrichtung in der Bundesliga erreicht?

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Krick: Wir sind fünfmal Dritter geworden, im letzten Jahr gefühlter Zweiter (bei Saisonabbruch Zweiter der Hauptrunde /Anm. der Redaktion). Wir haben in der Champions League gespielt und in einem Jahr am Europapokal teilgenommen. Ich denke, wir haben eine sehr erfolgreiche Geschichte hinter uns gebracht.

Diese bringt Frankfurt jetzt erstmals ins Pokalfinale nach Mannheim. Dämpft der Zuschauerausschluss Ihre Vorfreude auf dieses Volleyball-Highlight?

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Krick: Bei mir persönlich schon. Dann kommen die Emotionen nicht so rüber. Es ist schon bitter, dass die Partner, die einen die vergangenen Jahre unterstützt haben, nicht bei so einem tollen Event dabei sein können. Ich hätte es gut gefunden, wenn man das Spiel vielleicht um sechs Wochen nach hinten verlegt, damit im April zumindest die Chance auf eine kleine Anzahl an Zuschauern besteht. Aktuell ist die Lage noch zu prekär.

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Wie hat sich der Volleyballsport insgesamt seit Beginn Ihrer Tätigkeit entwickelt? Sind Fortschritte erkennbar?

Krick: Als ich angefangen habe, hatte die Bundesliga noch gar keinen TV-Vertrag. Mittlerweile gibt es einen TV-Vertrag und mit sporttotal.tv einen Streamingdienst. Ich sehe da in den letzten Jahren einen großen Schritt nach vorne, aber es ist trotzdem nicht so, dass wir sagen können, wir sind jetzt in der Entwicklung näher an die Handballer oder Basketballer rangekommen. Volleyball hat da in den nächsten Jahren schon noch viel Arbeit vor sich.

Geht es seit der Corona-Krise für die Vereine ohnehin nur noch um das Wirtschaftliche überleben?

Krick: Mit der Pandemie verändert sich natürlich nicht nur die Welt, sondern auch der Sport. Es ist eine sehr schwierige Zeit, weil man im Endeffekt ohne Zuschauer spielt und den Sponsoren nichts Großes bieten kann. Die Manager sind damit beschäftigt zu schauen, “Wie schaffen wir es ins neue Jahr“.

Wie konnten Sie die sich finanziell zuspitzende Lage stoppen?

Krick: Im Volleyball gibt es maximal ein-bis zweijährige Verträge, das heißt, wir konnten im Sommer neu aufsetzen und haben unser Budget um mehr als ein Drittel gesenkt. Das hatte die Konsequenz, dass man auf dem Spielermarkt nicht mehr die Spieler wie im vergangenen Jahr verpflichten konnte. Wir haben wieder viele junge deutsche Spieler aus dem Volleyball-Internat Frankfurt im Kader und versuchen, so diese Saison zu meistern.

Wie werden die United Volleys darüber hinaus finanziell unterstützt?

Krick: Im letzten Jahr gab es ein Paket vom Land Hessen, wo man ein zinsloses Darlehen bekommen hat, was man innerhalb von zehn Jahren zurückführen muss. Dazu gab es das Profisport-Paket I, da wurden Ticketausfälle kompensiert. In diesem Jahr gibt es das Profisport-Paket II, das die Umsatzausfälle 2021 kompensieren soll. Hinzu kam im letzten Jahr die Kurzarbeit, die den Vereinen über die schwierige Phase von April bis Juli geholfen hat.

Blicken wir noch aufs Sportliche. Warum holt sich Frankfurt am Sonntag in Mannheim seinen ersten Titel?

Krick: Wir haben das Potenzial, das Spiel zu gewinnen. Dafür müssen an diesem Tag alle gesund und topmotiviert sein, dann haben wir eine Chance größer als 50 Prozent. Ich habe große Hoffnung, dass wir es auch schaffen.

Könnte der Pokalsieg dem Volleyballsport in Frankfurt einen Schub geben?

Krick: Der Pokalsieg würde normalerweise ein großes Medienecho nach sich ziehen, gerade weil in der SAP Arena normal über 10 000 Zuschauer wären. Das fehlt dieses Jahr. Es wäre auf jeden Fall ein sehr positiver Effekt – und der sportliche Erfolg würde Motivation in das Team und das Team außerhalb des sportlichen Bereichs bringen.