Leichtathletik - Marathon-Manager Christian Herbert zu den Hintergründen und Folgen der Absage „Wir sind allen dankbar, die dabei bleiben“

Von 
Sibylle Dornseiff
Lesedauer: 

Mannheim. Der SRH-Dämmer-Marathon Mannheim-Ludwigshafen wurde schon 2020 um ein Jahr verschoben, jetzt soll er am 14. Mai 2022 stattfinden (wir berichteten). Über die Hintergründe sowie die Folgen für die Läufer und den Veranstalter, die Sporteventagentur M3, sprachen wir mit Geschäftsführer und Gesellschafter Christian Herbert.

AdUnit urban-intext1

Herr Herbert, wurden noch andere Optionen als die Absage oder eine Verschiebung auf 2022 diskutiert?

Ein buntes Treiben mit vielen tausend Läufern und Zuschauern – das macht den Mannheimer Dämmer-Marathon seit Jahren aus. An der Atmosphäre des Lauf-Festivals wollten die Veranstalter keinesfalls Abstriche machen. © Alfred Gerold

Christian Herbert: Wir haben zwar über eine Verlegung in den Herbst nachgedacht, uns aber dagegen entschieden. Wir hatten kein Vertrauen, dass es klappen könnte. Denn es ist ein riesiger Aufwand, sich mit zwei Städten und dem Mannheimer Rosengarten abzustimmen.

War der Hauptsponsor SRH sofort einverstanden oder musste er erst überzeugt werden?

AdUnit urban-intext2

Herbert: Ganz im Gegenteil. Vorstandsvorsitzender Christof Hettich hatte uns schon im vergangenen Juli angeschrieben, dass er den Termin im Mai 2021 nicht sieht. Er hat Recht behalten. Aber die SRH ist ja im Gesundheitswesen tätig. Die Verantwortlichen haben Ahnung. Ich dagegen hatte lange Hoffnung.

Aber der Gelita-Trail-Marathon Heidelberg im letzten Oktober hat stattgefunden . . .

AdUnit urban-intext3

Herbert: Ja, doch der ist eine ganz andere Veranstaltung, mit weniger Startern, auseinandergezogenen Feldern und weniger Zuschauern. Zudem gab es strenge Corona-Regeln: Nur 500 ausgewählte Teilnehmer, keine Zuschauer, auch keine Angehörigen. Der SRH-Dämmer-Marathon lebt dagegen von der ganz besonderen Atmosphäre entlang der Strecke mit Actionpoints, Partystimmung und vielen tausenden Zuschauern. Die Verantwortlichen von der SRH waren mit uns einer Meinung, dass massive Einschränkungen den Marathon zu einer weitgehend spaßfreien Veranstaltung gemacht hätten.

AdUnit urban-intext4

Das heißt, finanziell ist der SRH-Dämmer-Marathon 2022 gesichert?

Herbert: Ja. 2021 ruht alles, 2022 fahren wir dann mit der SRH gemeinsam an. Der Vertrag würde zwar eigentlich nach der diesjährigen Veranstaltung auslaufen, wegen der Absage führen wir den Vertrag aber 2022 weiter. Zudem hat SRH eine Option auf zwei Jahre Verlängerung. Und wir werden früher als normal eine Abschlagszahlung erhalten. So kommen wir bei der Vorbereitung über die Runden. Wir haben mit den SRH-Verantwortlichen ganz offen und konstruktiv geredet. Es ist gut, zu wissen, dass wir einen verlässlichen Partner haben.

Wie kommt die Agentur M3 während der Pandemie über die Runden?

Herbert: Wir haben Anträge auf die üblichen Hilfen gestellt. Entgegen vieler anderer Erfahrungen sind bei uns erste Abschlagszahlungen geflossen.

Was ist aus den bereits für 2020 gezahlten Startgeldern geworden?

Herbert: Wir haben den Teilnehmern im vergangenen Jahr angeboten, dass ihre Anmeldung auch für 2021 gilt. Dieses Angebot machen wir jetzt wieder. Wenn alle ihr Geld zurückfordern würden, hätten wir Probleme. Das könnten wir uns nicht leisten.

Können Sie konkrete Zahlen nennen?

Herbert: 3000 Teilnehmer hatten vor der Absage 2020 bereits bezahlt, rund 60 Prozent haben die Startoption für 2021 gezogen. Es verlangt den Menschen schon einiges ab, nun weiter mitzuziehen. Umso dankbarer sind wir allen, die bei der Stange bleiben. Ich hoffe, das bisher recht gute Feedback setzt sich durch.

Was machen die Mitarbeiter in der Agentur?

Herbert: Unsere fünf festen Mitarbeiter sind jetzt seit zehn Monaten in Kurzarbeit. Das ist ziemlich demotivierend, denn alle sind heiß auf Events, brennen darauf, mehr zu arbeiten als die neun Stunden pro Woche. Vor allem wollen sie nicht immer nur planen. Als wir kürzlich unser Lager von der Eastsite nach Mundenheim verlegten, haben beim Umzug alle begeistert mitgemacht.

Gibt es überhaupt Pläne für 2021?

Herbert: Wir hatten ganz viele Ideen, für das erste Halbjahr sehe ich aber keine Chance, sie umzusetzen. Aber am 3. Oktober soll der Gelita-Trail-Marathon in Heidelberg stattfinden, im Anschluss der Franklin-Meilenlauf in Mannheim. Dann eventuell ein Strahlenburg-Trail in Schriesheim und ein 100-Kilometer-Lauf auf dem Neckarsteig. Auch den NCT-Lauf gegen den Krebs im Juli in Heidelberg und unser neues Fußballturnier, den Come-Together-Cup, haben wir noch im Auge.

Anwalt und Marathon-Macher

Christian Herbert wurde am 19. Juni 1964 in Mannheim geboren, machte am Lessing-Gymnasium Abitur, studierte in Mannheim, Heidelberg sowie Grenoble Jura und ist seit 1994 Rechtsanwalt.

Er ist Fachanwalt für Verwaltungs-, Handels-, Gesellschafts- und Internationales Wirtschaftsrecht und auch im Sportrecht tätig. Er arbeitete bis 1999 in der Kanzlei Rittershaus und machte sich 2000 in Mannheim selbständig. 2005 gründete er zudem die Sportevent-Agentur M3 (Marathon-Mannheim-Marketing).

Er ist seit 2009 mit der ehemaligen Mannheimer Eiskunstläuferin Jessica Board verheiratet, die als studierte Sportmanagerin auch Prokuristin bei M3 ist. Er drei Söhne. sd

Freie Autorenschaft Spezialgebiete Sport und Kultur: Sport: Turnen, Tanzen, Leichtathletik, Kanu, Eiskunstlauf, Short-Track, Curling, Judo, Triathlon, Rope Skipping, Turf, Reiten, Volleyball. Kultur: Theater/Schauspiel, Tanz, Ballett