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Fußball - Michael Zepek war vor mehr als 20 Jahren ein großes Versprechen, doch der Traum von der großen Karriere erfüllte sich nicht

Das Riesentalent aus Siegelsbach

Von 
Florian Huber
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Heilbronn. Es kann vorkommen, dass man als Kindergartenkind von Freunden mit der bisher verborgenen Vergangenheit des eigenen Vaters konfrontiert wird. So ist es dem fünfjährigen Eneas kürzlich in Karlsruhe ergangen. „Du, deinen Papa, den habe ich in einem Panini-Heft bei meinem Vater gesehen“ – so oder so ähnlich hieß es da.

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Daheim hat Michael Zepek dem Sohnemann dann nicht nur erklärt, was es mit Klebebildchen und 20 Jahre alten Sammelalben auf sich hat, sondern auch, dass er mal Profifußballer war – und sogar zu den größten Nachwuchshoffnungen des Landes zählte. „Wenn er alt genug ist, dann wird er es aber wahrscheinlich erst richtig mitkriegen“, sagt Zepek.

Im DFB-Pokal gegen Stuttgart 2005 lieferte sich Michael Zepek (r.) für Hoffenheim heiße Duelle mit Marco Streller. © imago/ExSpo

Die Geschichte seines Papas geht so: Vor mehr als 20 Jahren gehörte ein junger Abwehrspieler aus dem kleinen Siegelsbach zu den begehrtesten Nachwuchskickern der Republik, U-Nationalspieler, erste Profieinsätze in Liga drei und zwei für den Karlsruher SC. Deutsche Talente waren damals ein rares Gut. Bayer Leverkusen setzte sich am Ende beim Wettbieten gegen Bayern München durch.

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„Den Vertrag aus Leverkusen, den würde ich noch fünfmal unterschreiben. überhaupt kein Problem. Da können wir gerne den Calli anrufen“, sagt Zepek und lacht ins Telefon. Reiner Calmund, dem einstigen Macher von Bayer Leverkusen, gratuliert er jedes Jahr zum Geburtstag. Der 41-Jährige macht kein Geheimnis daraus, dass dieser Vertrag das Grundpolster für sein Leben nach der Profikarriere gelegt hat. Ein Bundesligaspiel für Leverkusen absolvierte er nie, Zepek war aber 15 Jahre lang Profi, in der zweiten und dritten Liga – zwischen 2004 und 2007 auch bei der TSG Hoffenheim, für die er in der damals drittklassigen Regionalliga Süd auflief.

Zehn Jahre nach dem Karriereende spielt der Fußball nur noch eine sehr untergeordnete Rolle bei Michael Zepek. Stadionbesuche sind selten. Die Wochenenden gehören der Familie, Ehefrau Stephanie sowie den Kindern Eneas (5) und Celia (3). „Man lernt schnell, dass es andere Dinge als den Fußball gibt“, sagt Zepek: „Meine Frau und ich haben 15 Jahre lang alles dem Fußball untergeordnet, sind oft umgezogen. Danach war es aber auch gut.“ Der abrupte Entzug vom Profifußball – mit all den Privilegien, die er mit sich bringt – war nie ein Problem. „Ich genieße die freien Wochenenden, dass man machen kann, was man will – ohne unter ständiger Beobachtung zu stehen“, sagt Zepek.

2012 suchten sein Schwager und seine Schwägerin bei einem Bauprojekt Mitstreiter, deshalb führte der Weg nach Karlsruhe. Zepek freundete sich mit dem Nachbarn an, der als Geschäftsführer eines Autohauses nach einem Mitarbeiter suchte. Dort ist Zepek nun seit einigen Jahren Disponent und glücklich mit seinem Leben.

Den Leuten ist er trotzdem im Gedächtnis geblieben. Es komme durchaus vor, dass der Sushi-Lieferant einen an der Tür erkenne, obwohl Zepeks große Fußballer-Zeiten nun bald 20 Jahre her sind.

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Zweitliga-Aufstieg mit Hoffenheim

Auf seine Ex-Clubs hat der frühere Verteidiger immer noch ein Auge. „Für Hoffenheim habe ich noch größere Sympathien“, sagt er. Das liegt vor allem an einem seiner ehemaligen Mitspieler, dem aktuellen Hoffenheimer Trainer, Sebastian Hoeneß. An dessen Seite stieg Zepek 2007 mit der TSG in die 2. Bundesliga auf. „Ich hätte nicht gedacht, dass er diesen Weg geht, aber es freut mich für ihn“, sagt der 41-Jährige über den zwei Jahre jüngeren früheren Mannschaftskollegen, zu dem allerdings kein Kontakt mehr besteht.

Kurioserweise hat der 1,87-Meter-Mann unter vielen aktuellen und ehemaligen Nationaltrainern gespielt. „Die waren alle bei mir in der Schule“, witzelt Zepek, der unter Joachim Löw als junger Kerl beim Karlsruher SC spielte und in Hoffenheim hieß sein Trainer Hansi Flick. Auch mit Stefan Kuntz (beim KSC, heute Türkei) und Ralf Rangnick (Hoffenheim, künftig Österreich) hatte er zu tun. Selbst Trainer zu werden, etwa bei der Bambini-Mannschaft des Sohnes, wäre das nichts? „Nein“, sagt Michael Zepek. „Erstens interessiert sich Eneas eher für Tennis und zweitens bleibe ich lieber in der Zuschauerrolle.“

Vor einigen Jahren holte er bei den Eltern in Siegelsbach die vielen Souvenirs aus seiner Fußballerzeit ab. So kann er dann auch etwas vorzeigen, wenn der Sohnemann demnächst nachfragt, wie das denn früher so war als Profifußballer.

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