UN-Klimakonferenz

Ringen um Abschlusserklärung

Klimaschützer kritisieren die vorgelegten Eckpunkte. Geht das Treffen wie so oft in die Verlängerung?

Von 
dpa
Lesedauer: 
Annalena Baerbock spricht beim UN-Klimagipfel COP27. © Christophe Gateau/dpa

Scharm el Scheich. Einen Tag vor dem geplanten Ende des zweiwöchigen UN-Klimagipfels hat die ägyptische Konferenzleitung zum zweiten Mal Eckpunkte für eine Abschlusserklärung vorgelegt. In dem 20-seitigen Papier mit vielen ungeklärten Streitfragen wird zwar ein schrittweiser Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohle eingefordert, nicht aber der Abschied von Öl und Gas. Umweltschutzorganisationen kritisierten am Donnerstag, der Text sei eine „Baustelle“: zu lang, zu unkonkret und in sich widersprüchlich.

Der geschäftsführende Vorstand von Greenpeace Deutschland, Martin Kaiser, sagte, der notwendige weltweite Ausstieg aus Öl und Gas müsse jetzt mit Hochdruck in das Dokument eingebracht werden. Dafür müsse sich auch Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) persönlich einsetzen. „Es wäre absolut inakzeptabel, wenn am Ende einer zweiwöchigen Klimakonferenz in Mitten des Klimakollaps maximal die Ergebnisse aus dem Vorjahr wiederholt würden.“ Auch der Oxfam-Experte Jan Kowalzig sagte der Deutschen Presse-Agentur, es wäre „ein großes Versäumnis“, wenn die Klimakonferenz COP27 kein klares Signal aussenden würde, dass die Abkehr von allen fossilen Energien unvermeidlich ist. Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Johan Rockström, kritisierte, beim Klimaschutz nicht über fossile Energieträger zu sprechen sei so wie zu sagen, dass sich die Wirtschaft nicht um Geld drehe.

Die zweiwöchige Konferenz in Ägypten, zu der etwa 34 000 Menschen angereist sind, soll planmäßig am Freitag enden. Eine Verlängerung gilt aber zunehmend als wahrscheinlich.

Zu den weiter ungeklärten Punkten zählt auch die Forderung armer Staaten nach Ausgleichszahlungen für ihre erlittenen Schäden, etwa nach Dürren, Überschwemmungen oder Wirbelstürmen, die wegen der Erderhitzung stärker und häufiger werden. Ob dafür ein neuer Geldtopf eingerichtet wird, blieb weiter unklar. Tom Evans von der Klima-Denkfabrik E3G sagte, die USA und die EU müssten bei dem Thema Schadenersatz, im UN-Jargon „loss and damage“ genannt, ein ehrgeiziges Paket vorlegen. Sonst bestehe die Gefahr, dass auch andere Punkte verwässert werden. Der ägyptischen Präsidentschaft fehle eine „einheitliche Vision“ für Kompromisslinien. Mit 20 Seiten sei der Text „unfassbar lang“ mit vielen Wiederholungen und sogar einigen „ziemlich frustrierenden internen Widersprüchen“.

In dem Text werden die Staaten aufgefordert, ihre größtenteils unzulänglichen Klimaschutzpläne bis spätestens zur nächsten Klimakonferenz nachzubessern, die Ende 2023 in den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfindet. Kowalzig von Oxfam sagte dazu, es würden aber keine brauchbaren Schlussfolgerungen daraus gezogen, dass die Pläne zu lax sind. „Diesbezüglich fehlt dem Text erheblich an Dringlichkeit und politischem Willen, das Ruder noch herumzureißen, bevor die wichtige 1,5˚C-Grenze außer Reichweite gerät.“ David Ryfisch von Germanwatch sagte der dpa, die COP27 sei weit von einem Ergebnis entfernt, das alle mittragen können. „Besorgniserregend ist, dass der Vorschlag an einigen Stellen hinter die Ergebnisse des letztjährigen Weltklimagipfels zurückfällt.“ Positiv hingegen sei der starke Bezug auf die Ergebnisse des Weltklimarats IPCC und auf den Bedarf für eine Reform der internationalen Finanzarchitektur, damit alle Geldströme in Richtung Klimaschutz fließen. 

Autor

Mehr zum Thema

COP27 Die Klimakonferenz, eine Baustelle

Veröffentlicht
Mehr erfahren

COP27-Gipfel Ende der fossilen Energien?

Veröffentlicht
Mehr erfahren

UN-Klimakonferenz Hartes Ringen auf Weltklimagipfel COP27

Veröffentlicht
Mehr erfahren