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Freizeit - Initiative aus Gießen träumt von einer künstlichen Lahnwelle für Surfbegeisterte / Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben / Ähnliche Projekte in anderen Städten

Ein Hauch von Hawaii in Hessen

Von 
Carolin Eckenfels
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Surfer stehen an einem Wehr der Lahn. Eine künstliche Welle soll ihnen und anderen ermöglichen, den Wassersport fernab des Meeres auszuüben. © dpa

Gießen. Wassersportler aus Gießen wollen einen Hauch Hawaii nach Hessen bringen. Sie träumen vom Wellenreiten, nicht vor Waikiki, sondern auf der Lahn. In dem Fluss ließe sich doch dank Physik und Ingenieurskunst eine künstliche perfekte Welle anlegen, so die Idee. „Wir würden gerne, sagen wir mal, von 8 bis 88 Jahren allen das Surfen ermöglichen“, sagt Initiator Janne Paul Schmidt. Nur ein Ersatz für maritime Wogen soll das Projekt aber nicht sein: „Flusswellenreiten ist ein eigenes Erlebnis.“

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Der 43-Jährige betreibt nach eigenen Worten seit vielen Jahren Wassersport, gerne auch in der Nähe. Mit der Corona-Pandemie sei für ihn eine Phase der Kurzarbeit gekommen. Er habe daher relativ viel Zeit gehabt, auf die Lahn geschaut und sich irgendwann gefragt: „Kann Gießen das hessische Hawaii werden? So ist bei mir der Traum von einem Surf-Mekka hier an der Lahn geboren worden.“

Lange Planungszeit

Die zentrale Lage der Stadt mitten in Hessen und Deutschland sieht er als Vorteil: Eine „Lahnwelle“ wäre dank guter Bus- und Bahnanbindung einfach und klimafreundlich zu erreichen – diverse Flüge in ferne Surfreviere entfielen. Und: Eine stehende Fluss-Woge „hat sogar Vorteile gegenüber einer Meereswelle, denn die eigentliche Zeit, in der man diese reiten kann, ist recht kurz. Aber das Surfen auf einer Flusswelle kann im Prinzip unendlich fortgeführt werden.“ Es sei auch leichter, in einem Fluss Wellenreiten zu lernen als im Meer. Die Lahn und Wassersport gehören schon lange zusammen – sie zählt zu den beliebtesten Kanu-Gewässern im Land. Strömung oder gar Wellengang hat der Fluss kaum, Surferinnen und Surfer sichtet man hier also bislang nicht. Anders als etwa in München, die dortige Eisbachwelle lockt seit Jahren die Szene an.

Die Idee für eine künstlich angelegte stehende „Lahnwelle“, die unabhängig von Gezeiten oder Strömung rollt, kam Schmidt Ende 2020. Der 43-Jährige informierte sich bei ähnlichen Initiativen in anderen Städten und holte mehrere wassersportbegeisterte Freunde sowie einen Mitstreiter aus der Kanu-Szene mit ins Boot, um sich gemeinsam für die Realisierung der Wogen-Vision zu engagieren.

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Derartige Pläne von Surf-Fans gibt es in mehreren deutschen Städten. Allerdings brauchen die Initiatoren oftmals nicht nur Spendengelder, sondern auch einen langen Atem. Beispielsweise gingen von der Idee einer Hannoveraner „Leinewelle“ bis zum Baubeginn Ende Juni gut acht Jahre ins Land. In Nürnberg soll eine Woge in der Pegnitz nach rund zehn Jahren Planung bald an den Start gehen. Auch in Kassel engagiert sich ein Verein seit mehreren Jahren für eine Flusswelle.

Hoffen auf Zuschüsse

Die Gießener Initiatoren setzen darauf, dass es hier 2023 soweit sein kann. Kein leichtes Unterfangen. Zum einen hoffen sie, bis zu 80 Prozent der Finanzierung über die Sportförderung und den Rest vielleicht über die Kommune realisieren zu können. Wobei die genauen Kosten noch nicht feststehen. Zum anderen ist der Wasser- und Wellenbau „äußerst anspruchsvoll“, wie Schmidt sagt. Es gebe viele Interessen und Richtlinien, die dabei berücksichtigt werden müssten.

Die Idee der Wassersportler kommt bei der Stadt gut an: Es sei ein fantastisches Projekt, das auch eine hohe Qualität für die Region hätte und einen Anziehungspunkt für Gießen darstellen würde, erklärt dazu der Gießener Bürgermeister Peter Neidel (CDU). Es passe auch deshalb zu der Uni-Stadt, weil es hier ein extrem junges Publikum gebe, sagt er mit Blick auf die zahlreichen Studierenden.

Die Gießener Marketing-Gesellschaft hat eine Machbarkeitsstudie für die stehende Welle in Auftrag gegeben. Die Untersuchung soll auch die ökologischen Aspekte und möglichen Auswirkungen für die Lahn in den Blick nehmen, wie Geschäftsführer Frank Hölscheidt erklärt. Geprüft wird demnach ein Standort in der Nähe eines Wehres.

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Bedenken von Naturschützern

Der Umweltaspekt sei ihnen bei ihrem Vorhaben ausgesprochen wichtig, sagt Janne Paul Schmidt. Das Flusswellensurfen sei ein Sport, „der sich im Einklang mit der Natur befindet“. Er sei lokal, CO2-neutral und integrativ. Die Initiative wolle zudem möglichst viele mit ins Boot holen und sich potenzielle Bedenken anhören und in die Planungen mit einfließen lassen. Sorgen haben etwa Naturschützer in der Stadt: Sie befürchten eine zusätzliche Belastung für das Ökosystem Lahn.

Nach allgemeiner Einschätzung des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) spielt bei der Frage nach den möglichen ökologischen Auswirkung einer künstlichen Woge deren genauer Standort eine Rolle. Also ob sie in einem urbanen oder naturnahen Bereich liegt, ob ein bestehender Wehrstandort genutzt wird oder der Bau der Wellenanlage mit der Errichtung eines neuen Querbauwerks verbunden ist.

Zu beachten wären etwa Auswirkungen auf die Strömung, die Gewässersohle, die Längsdurchgängigkeit oder auf mögliche Störungen von Wasservögeln, die im Uferbereich leben. dpa

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