Innenstadt - Projekt in P 7 schreiten voran / Für die Handelsflächen bisher Verträge mit Grimminger und Ulla Popken abgeschlossen Umbau der ÖVA-Passage soll bis Herbst abgeschlossen sein

Von 
Christian Schall
Lesedauer: 
Noch eingerüstet und geschlossen, doch bis zum Herbst soll die dann umgebaute ÖVA-Passage in P 7 wieder öffnen. © Christian Schall

Wer über die Planken läuft, muss vor P 7 seit einigen Monaten seinen Laufweg in Richtung Straßenbahnschienen verlegen. Ein rund 40 Meter langes Gerüst, ein Zaun und der Verkaufspavillon der Bäckerei Grimminger versperren dort den Weg direkt an den Schaufenstern vorbei. In der Freßgasse muss man auf gleicher Höhe ebenfalls auf die andere Straßenseite wechseln. Wobei man sagen muss, dass es hinter dem Zaun ohnehin nicht viel zu sehen gibt.

Die ÖVA-Passage

Die Passage in P 7 zwischen Planken und Freßgasse ist nach ihrem früheren Besitzer, der ÖVA-Versicherung, benannt. Die Öffentliche Versicherungsanstalt der Sparkassen ging 2000 in der SV Versicherung auf.

Erbaut wurde sie in den 1950er Jahren von dem Mannheimer Architekten Gustav Geyer. Das Gesamtensemble steht seit 2008 als „hochwertige Laden- und Passagenarchitektur der 1950er Jahre“ unter Denkmalschutz. In der Deckenplatte sind 1000 Glasbausteine eingelassen.

Die Kölner Kapitalverwaltungsgesellschaft Aachener Grundvermögen hat die ÖVA-Passage 2013 gekauft.

Für den Umbau mussten alle Mieter aus ihren Läden oder Cafés ausziehen. Im Herbst 2021 soll die Sanierung abgeschlossen sein.

Zu den Umbaukosten macht die Aachener Grund keine Angaben. cs

AdUnit urban-intext1

Das soll sich im Herbst ändern. Bis dahin soll der Umbau der ÖVA-Passage und der darüberliegenden Büros und sieben Wohnungen abgeschlossen werden, wie Sonja Nees, Sprecherin der Aachener Grundvermögen, auf Anfrage mitteilte. Die Kapitalverwaltungsgesellschaft ist Eigentümer des Objekts. Zuerst, im Spätsommer, sollen die Handelsflächen fertig sein, im Herbst Büros und Wohnungen – „wenn die Bauarbeiten weiterhin wie bisher planmäßig vorangehen“, so die Sprecherin.

Außerplanmäßige Arbeiten nötig

Im Großen und Ganzen ist das bislang gelungen. Wie das so ist bei alten Gebäuden, in diesem Fall aus den 1950er Jahren: Vor Überraschungen, die sich erst in der Bauphase ergeben, ist man nie gefeit. Bei älteren Gebäuden sei das „nichts Ungewöhnliches“, erklärt Nees: „An einigen Stellen war die vorhandene Bausubstanz schlechter, als es die Ergebnisse unserer Voruntersuchungen erwarten ließen. Dadurch waren im Rohbau einige außerplanmäßige Sanierungsarbeiten notwendig.“

Nachdem vor etwa zwei Jahren die Gewerbemieter auszogen, begann im Sommer 2019 mit der Entkernung der Büros und Ladenflächen der Umbau. Damals nannte die Aachener Grund das Frühjahr 2021 als möglichen Fertigstellungstermin für die gewerblichen Einheiten, mit der Einschränkung, dass sich eine zuverlässige Aussage erst nach der Entkernung treffen lässt.

AdUnit urban-intext2

Dass auch noch eine Pandemie das Land zu großen Teilen lahmlegt, konnte damals niemand ahnen. Auf den Zeitplan hat Corona, laut Nees, jedoch wenig Auswirkung: „Trotz der Corona-Pandemie, den getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung und den damit gebotenen besonderen Hygienemaßnahmen und Anforderungen auf der Baustelle liegen die Bauarbeiten derzeit nahezu im Zeitplan.“ Derzeit werden Elektro-, Abwasser- und Wassertechnik sowie Sanitärräume installiert.

„Unser Ziel ist es, den 50er Jahre-Charme der ÖVA-Passage zu erhalten und wiederzubeleben“, kündigt Sonja Nees an. Nun werde noch „die im Stil der 50er-Jahre charakteristische Fassade revitalisiert“, ebenso die Sockelzone und die geschwungene Wegeführung des denkmalgeschützten Erdgeschosses. Trotz Neuaufteilung bleiben Schaufensteranordnung und Zugänge zu den bisherigen Geschäften weitestgehend erhalten, ebenso wie die Rundung in den Seitengang der Passage sowie die Glasbänder, durch die Tageslicht in die Gänge fällt. „Auch das eindrucksvolle Treppenhaus mit seinen für die 50er Jahre typischen gerundeten Treppenläufen, den charakteristischen Treppengeländern und den großen Fenstern wird wiederhergestellt, auch wenn es in Teilen nicht unter Denkmalschutz steht.“

AdUnit urban-intext3

Und welche Läden werden nach dem Umbau einziehen? Für deren Vermarktung gibt es gewiss günstigere Zeiten als mitten in einer Pandemie, wie Nees bestätigt: „In den vergangenen Wochen hat sich nach anfänglicher leichter Zurückhaltung zu Beginn der Corona-Krise das Interesse deutlich erhöht, und wir führen derzeit Gespräche mit Interessenten für die Büro- und die Einzelhandelsflächen.“ Der Zuschnitt und die Größe der Läden solle mit den Mietern abgestimmt werden. Die Zahl der Läden stehe noch nicht fest. „Wir rechnen derzeit mit bis zu zehn Ladeneinheiten“, sagt Nees.

„Bisher keine Beschwerden“

AdUnit urban-intext4

Klar war bislang nur, dass die Bäckerei Grimminger bleibt, mit mehr als doppelt so vielen Sitzplätzen im Innenbereich wie zuvor. „Wir werden uns mit dem Umbau deutlich vergrößern“, hatte Gabi Grimminger zu Beginn des Umbaus gesagt. „Das wird ein ganz neues Konzept in einem anderen Design als bisher – ein richtiges Flaggschiff.“ Wie Nees mitteilt, sei außerdem mit Ulla Popken ein Mietvertrag abgeschlossen worden. Das Modeunternehmen, das auf Kleidung in Übergrößen für Damen und Herren spezialisiert ist, betreibt eine Filiale in der Kunststraße (O 7). Wegen des geplanten Umzugs werde diese Ende April schließen, sagte eine Popken-Sprecherin.

Die Baustellenabsperrung auf beiden Seiten des Gebäudes auf den Planken und in der Fressgasse indes erfolgt in enger Abstimmung mit der Stadt. „Bei uns sind bisher keine Beschwerden eingegangen“, erklärt auf Anfrage die Baustellenmanagerin der Stadt, Anja Ehrenpreis.

Redaktion Redakteur in der Lokalredaktion Mannheim