Klinikum - Ministerrat gibt Gelder für eine vertiefte Prüfung des Milliardenprojekts einer Fusion mit Heidelberg frei Positives Zeichen vom Land

Von 
Peter Reinhardt
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Der geschlossene Haupteingang des Universitätsklinikums am Neckar. Unverändert gilt ein Besuchsverbot in den Krankenhäusern der Stadt. © Christoph Blüthner

Mannheim. Nicht die Summe der freigegebenen Gelder macht den Beschluss des Ministerrats so wichtig. Vielmehr ist es die symbolische Bedeutung: 1,4 Millionen Euro hat der Ministerrat für eine vertiefte Prüfung der geplanten Fusion der Unikliniken Mannheim und Heidelberg jetzt freigegeben. Mehr als die Hälfte der Summe fließt in Bewertungsgutachten. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) zeigt sich auf Anfrage zufrieden: „Es ist wichtig, dass die finanziellen Mittel für die vertiefte Prüfung des Fusionskonzepts vom Kabinett freigegeben wurden. Wir arbeiten mit Hochdruck an der Bewertung, um gemeinsam mit dem Finanz- und Sozialministerium der Landesregierung eine Empfehlung zur Zukunftsperspektive geben zu können.“

Die Fusionspläne

Die Universitätskliniken Mannheim und Heidelberg wollen zum 1. Januar 2022 fusionieren. Alleiniger Träger wäre dann Land.

Bisher ist das Mannheimer Klinikum eine städtische Tochter. Das Land ist aber bereits über die Medizinische Fakultät – eine Außenstelle der Uni Heidelberg – mit im Boot.

Zusammen hätten die Klinika mehr als 3300 Betten (in Heidelberg sind es aktuell 1988, in Mannheim 1352). Damit wären sie noch größer als die Berliner Charité, die insgesamt rund 3000 Betten hat, und somit künftig die Nummer 1 in der deutschen Krankenhauslandschaft.

Mit der Fusion soll eine Allianz gegründet werden, an der vier sehr renommierte Einrichtungen aus dem Gesundheitsbereich beteiligt sind: das Zentralinstitut (ZI) für Seelische Gesundheit in Mannheim sowie das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), das Max-Planck-Institut für Medizinische Forschung und das Europäische Molekularbiologie-Laboratorium (EMBL) aus Heidelberg. sma

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In der unserer Redaktion vorliegenden Beschlussvorlage für den Ministerrat schreibt Bauer: „Vor einer Entscheidung von Regierung und Parlament sind belastbare Aussagen zur gesamtwirtschaftlichen Situation des Universitätsklinikums Mannheim und dessen Weiterentwicklung, eine möglichst realistische Abschätzung von Kosten und Effizienzpotenzialen der Optionen sowie eine Einschätzung rechtlicher Voraussetzungen und Konsequenzen erforderlich.“

Im Klartext geht es bei der Fusion um hoch komplexe Fragen auf verschiedenen Gebieten. Deren Klärung kann jetzt über die Landtagswahl und die anschließende Regierungsbildung hinweg auch durch die Einschaltung von externen Experten vorangetrieben werden. Die Entscheidung des Kabinetts kam erst zustande, nachdem auch die CDU-Landtagsfraktion grünes Licht gegeben hat. Angesichts der Bedeutung des Projekts und der Kosten erwarten Insider, dass es dazu eine Verständigung im Koalitionsvertrag der nächsten Regierung geben muss.

Analyse wirtschaftlicher Details

Für die Beratung der Ministerien und die genaue Untersuchung aller Facetten des Projekts (Technical Due Diligence) veranschlagt das Wissenschaftsministerium 850 000 Euro. Gut eine halbe Million Euro sollen in die Analyse der Prozesse am Uniklinikum Heidelberg sowie einen Businessplan fließen. Daneben wird Geld für Tagungen bereitgestellt. „Das Konzept birgt Chancen, aber auch Risiken“, heißt es zur Begründung. Deshalb müssten auch alternative Möglichkeiten in Betracht gezogen werden.

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Die geplante Neuordnung berührt die bisherige regierungsinterne Aufgabenverteilung. Denn für das Klinikum Mannheim ist das Gesundheitsministerium von Manfred Lucha (Grüne) zuständig, der damit die Gelder für einen Klinikum-Neubau beschaffen muss. Mit der Fusion zu einem Großklinikum in Trägerschaft des Landes würde Bauers Haus zuständig, das aber die finanziellen Ressourcen bisher nicht hat. Dass die sogenannte Neue Mitte unverzichtbar ist, schreibt ihr Ministerium mit dem Beschluss jetzt fest: „Die Umsetzung des Klinikum-Neubaus wird als zwingend erforderlich angesehen.“

Sehr deutlich betont Bauer die wachsenden Probleme am Universitätsklinikum Mannheim: „Die Pandemie hat zu einer Verstärkung der strukturell bedingten Abwärtsspirale geführt.“ Das habe Oberbürgermeister Peter Kurz bewogen, das Land um Unterstützung zu bitten. Die Grünen-Ministerin betont, neben der Sicherung des Klinikstandorts Mannheim müsse ein Zukunftskonzept „auch dem Land einen echten Mehrwert bieten“.

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Erst in der vergangenen Woche hatte der Ministerrat 42 Millionen Euro zur Verbesserung der Kooperation an den Medizinstandorten Mannheim und Heidelberg durch die Gründung eines Innovationscampus Rhein-Neckar freigegeben. Da würde sich das neue Großklinikum mit Kooperationspartnern von den Heidelberger Max-Planck-Instituten bis zum Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim gut einfügen. Bauer: „Die Forschungsallianz soll national und international Drittmittel einwerben und weltweit die klügsten Köpfe und kliniknahe Industrie anziehen.“ Es gehe da um einen Leuchtturm.

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Veröffentlicht
Von
Steffen Mack
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Korrespondent Landespolitischer Korrespondent in Stuttgart