Natur - Familie Janke hält auf dem Almenhof zwei Bienenvölker und produziert ihren eigenen Honig Hinterm Haus summt es: Ein eigener Staat im Garten

Von 
Sarah Weik
Lesedauer: 
Familie Janke hält in ihrem Garten im Almenhof zwei Bienenvölker und stellt ihren eigenen Honig her. Hans Sobek (v.l) und Christoph Janke schauen nach den Bienen, Linus verfolgt jeden Schritt. © Sarah Weik

Mannheim. Der Garten von Familie Janke ist nicht zu verfehlen. Er summt. Ein andauerndes Geräusch, angestimmt von Tausenden Bienen in Frühlingsstimmung. Nur wenige Schritte, dann stehen Besucher direkt unter der Einflugschneise. Rechts, im Schatten des Feigenbaums, stehen zwei Bienenstöcke. Davor wimmeln und wuseln die Arbeiterinnen, heben ab und landen in einer festgelegten Schneise. Ein Streifen aus Tieren, der schräg nach oben führt und sich dann, nach einigen Metern, in alle Himmelsrichtungen verstreut.

Was Hobby-Imker in der Stadt beachten müssen

  • „Die Stadt ist der ideale Ort, um Bienen zu halten“, sagt Günter Gauer vom Bienenzüchterverein Mannheim. Oft sei hier die Blütenvielfalt in Gärten, Parks und auf Balkonen sogar höher als auf dem Land mit landwirtschaftlichen Monokulturen.
  • Prinzipiell könne das auch jeder tun. „Es empfiehlt sich natürlich, zuvor mit den Nachbarn zu reden“, sagt Gauer. Und Vermieter sollten ebenso Bescheid wissen wie die Vereinsleitung bei Kleingärten.
  • Wer Bienen halten will, muss diese beim Veterinäramt melden, das eine Tierhalternummer vergibt. „Das dient vor allem der Seuchenbekämpfung“, erklärt Gauer. „Um einen Überblick zu haben, wenn etwa die Amerikanische Faulbrut ausbricht.“
  • Eine Mitgliedschaft im Verein ist nicht zwingend erforderlich, hat aber einige Vorteile. So sind die Imker über den Verein versichert, können Ausrüstung leihen und Kurse belegen.
  • Derzeit hat der Mannheimer Verein etwa 180 Mitglieder. „Die Zahl ist seit Jahren relativ konstant.“ So scheiden zwar jedes Jahr Imker aus Altersgründen aus, doch es kommen immer wieder neue Mitglieder hinzu. „Tendenziell gibt es heute sogar mehr Imker – die jedoch insgesamt weniger Völker haben.“
  • Die meisten Mitglieder haben zwischen drei und zehn Völker. Die Bienen sind für sie reines Hobby. „Einige wenige sind nebenberuflich als Imker tätig“, erklärt Gauer.
  • Der Bienenzüchterverein bietet regelmäßig Neuimker-Kurse an. Aufgrund der Corona-Krise finden derzeit allerdings keine statt. Weitere Infos: www.bienenzuechterverein-mannheim.de
AdUnit urban-intext1

Es scheint sie nicht zu stören, dass mitten in ihrem Revier ein Eindringling steht. „Die sind momentan viel zu beschäftigt“, erklärt Andrea Janke. Sie zeigt auf die gemütliche Sitzgruppe, nur wenige Meter von den Stöcken entfernt. „Hier sitzen wir oft und beobachten sie.“ Die Bienen seien schließlich sehr friedliche Tiere, erklärt sie – es sei denn, sie fühlten sich bedroht.

Mannheim Wie eine Hobbyimker-Familie Honig im eigenen Garten herstellt

Veröffentlicht
Bilder in Galerie
15
Mehr erfahren

Es ist perfektes Flugwetter: Kaum Wind, ein wolkenloser Himmel und in den Almenhofer Gärten rundum blüht eine Vielfalt an Bäumen, Sträuchern und Blumen. Einige Arbeiterbienen taumeln fast Richtung Stock, so vollgepackt sind die Höschen an ihren Hinterbeinen. Teilweise mit kräftig roten Pollen. Taubnessel oder Kastanie, vermutet Christoph Janke. Er liebäugelte schon lange mit der Idee, Bienen zu halten. Fasziniert davon, wie die Tiere ihren Staat organisieren, und von der Idee, direkt mitzuerleben, wie Honig entsteht. „Und wenn wir damit einen kleinen Beitrag zur Artenvielfalt leisten und die Bienen unterstützen können, dann hat es sich schon gelohnt.“

Andrea Janke schenkte ihrem Mann schließlich einen Kurs für Neuimker und die Familie klinkte sich in die Bienen-AG der Schule von Sohn Linus ein. „Das war der ideale Einstieg, so konnten wir uns langsam an das Thema rantasten.“ Vor fünf Jahren kauften sie sich dann das erste Bienenvolk. Hans Sobek, ein Freund der Familie, stieg ebenfalls mit ein. Seitdem kümmern sie sich gemeinsam um die Völker. „Das hat den großen Vorteil, dass jemand die Pflege übernehmen kann, wenn der andere doch mal längere Zeit weg ist“, sagt Christoph Janke. Und: Dass sie normalerweise zu zweit sind, wenn sie nach ihren Völkern schauen. Das ist Andrea Janke besonders wichtig – denn ihr Mann reagiert allergisch auf Bienenstiche. Ein kleiner Notfallkoffer ist deshalb immer mit dabei. Die zwei Männer übernehmen die Hauptarbeit bei der Bienenpflege.

AdUnit urban-intext2

Und das ist es auch: Arbeit. „Es reicht ja nicht, dass man einen Stock in den Garten stellt, und dann passiert alles von allein“, stellt Christoph Janke klar. Imker haben rund um das Jahr zu tun, vom Löten der Rahmen im Frühjahr bis zur Behandlung gegen die gefürchtete Varroamilbe im Winter. Sobald die Bienen fliegen, schauen sie einmal in der Woche in den Stock. Momentan etwa danach, ob die Bienen Weiselzellen bauen – also Waben, in denen sie eine neue Königin aufziehen. „Dann könnten sie schwärmen, und das wollen wir natürlich verhindern“, sagt Janke.

Und der Rest der Familie? „Wir essen den Honig“, sagt Andrea Janke. Linus und Silas, elf und 13 Jahre alt, protestieren lautstark. „Hee, das war ein Witz“, beruhigt sie ihre Söhne und lacht. Sie packen alle mit an. Die Kinder helfen beim Schleudern, Abfüllen, Etikettieren und Verkaufen ihres „Almen-Honigs“. Dafür ließ die Familie ihren Honig extra analysieren. Im vergangenen Jahr war die Ernte besonders gut. Es gab einen Frühlings- und einen Sommerhonig, gut 20 Kilogramm insgesamt.

AdUnit urban-intext3

Demonstrativ schlüpft Linus in seinen Schutzanzug und will gleich den Smoker anfeuern. Das darf er – auch wenn die Bienen so guter Dinge sind, dass etwas Nelkenöl zur Beruhigung völlig ausreicht. „Mittlerweile können wir sie auch besser einschätzen“, erzählt Hans Sobek. „Ich kann mich noch erinnern: Einmal haben wir bei Nieselregen in die Stöcke geschaut – da sind sie über uns hergefallen.“ Sieben Stiche zählte er später an einem Bein. Acht am anderen. „Wir lernen immer noch dazu, jedes Jahr“, sagt Christoph Janke. Die größte Herausforderung ist, die Völker über den Winter zu bringen. „Das schaffen wir nicht immer.“

AdUnit urban-intext4

Momentan ist jedoch alles in bester Ordnung. Die warmen Temperaturen machen sich auch im Stock bemerkbar. Linus hat von seinem Vater eine Zarge, einen der Kästen des Stocks, übernommen. „Hee, Silas! Der ist schon total schwer!“, ruft er seinem Bruder zu. Der hebt cool den Daumen. „Mindestens zwei Kilo“, schätzt Christoph und setzt gleich nochmal ein Stockwerk obendrauf. Für noch mehr „Almen-Honig“.

Mehr zum Thema

Mannheim Wie eine Hobbyimker-Familie Honig im eigenen Garten herstellt

Veröffentlicht
Bilder in Galerie
15
Mehr erfahren

Freie Autorenschaft