Pandemie - Gökay Akbulut (Die Linke) besucht Sozialkaufhaus / Leiterin: Wir sind wichtige Anlaufstelle und erfüllen soziale Funktion

Fairkauf: „Click und Collect“ reicht nicht

Von 
Lea Seethaler
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Bundestagsabgeordnete Gökay Akbulut (l.) mit Fairkauf-Chefin Stefanie Paul und Fairkauf-Betriebsleiter Dominik Kobel im Austausch mit Abstand. © Die Linke

Die in Deutschland geltenden Corona-Regeln bedeuten gerade für soziale Einrichtungen besondere Herausforderungen. Die Mannheimer Abgeordnete Gökay Akbulut (Die Linke) traf sich deshalb zum Gespräch im Secondhand-Kaufhaus Fairkauf auf dem Waldhof. Das teilte die Linke Mannheim mit. Mit Geschäftsführerin Stefanie Paul und Betriebsleiter Dominik Kobel hat sich Akbulut vor Ort einen Überblick verschafft, heißt es.

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Stefanie Paul ist Abteilungsleiterin bei der Caritas, sie führt zudem den Fairkauf. Nach Angaben von Paul ist rund die Hälfte der Beschäftigten in ihrem Inklusionsbetrieb schwerbehindert. „Hier arbeiten Menschen, die Probleme auf dem Arbeitsmarkt haben und durch ihre Tätigkeit im Fairkauf erst wieder lernen, wie ein strukturierter Tagesablauf aussieht.“ Damit erfülle man eine wichtige soziale Funktion und sei auch Anlaufstelle. „Viele Menschen kommen regelmäßig, um sich auszutauschen und um ein soziales Netz zu finden, da geht es auch um Teilhabe“, so Paul.

„Fairkauf wird gebraucht, sogar ganz besonders während Corona“, macht Paul deutlich. Wenn das Kinderbett zu Bruch gehe, sei es für die meisten Menschen selbstverständlich, sich einfach ein Neues zu kaufen, wird als Beispiel angeführt. „Für Menschen mit geringen Einkommen ist es das nicht“, verdeutlicht die Fairkauf-Chefin. Sie kämen zu Fairkauf, seien erleichtert, schnell und günstig Ersatz zu finden. Und geliefert zu bekommen, denn viele hätten ja kein Auto. „Wenn wir geschlossen sind, ist das für sie ein Problem. Das haben wir in dieser Pandemie noch einmal stärker gemerkt.“ Täglich hätten das Kaufhaus hunderte von Anrufen erreicht, als es noch die Möglichkeit gab, mit vorheriger Terminvergabe einzukaufen, also „Click and Meet“ durchzuführen. „Diese besondere soziale Funktion, die wir erfüllen, braucht es und sollte uns auch rechtlich wieder ermöglicht werden.“

Hohe Decken und viel Platz

Dominik Kobel ist bei Fairkauf für den Betrieb zuständig: „Wir haben hier über 1500 Quadratmeter Verkaufsfläche und ein striktes Hygiene-Konzept“, betont er. Das Kaufhaus sei eine alte Fabrikhalle mit hohen Decken und viel Platz. Man erfülle die Raumvorgaben bei den Corona-Auflagen bei weitem und könne den Betrieb unter „größtmöglichem Gesundheitsschutz“ führen. „Mir erschließt es sich deswegen nicht, warum wir nicht wieder mit Terminvergabe öffnen dürfen. ,Click und Collect´ reicht leider nicht aus.“ Die Menschen müssten vorbeikommen und sich umschauen können.

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Gökay Akbulut macht in diesem Zusammenhang deutlich: „Corona trifft eben nicht alle Menschen gleich. Wer seit Monaten in Kurzarbeit ist oder auch vorher schon Geldprobleme hatte, ist nun besonders betroffen“.

Doch auch schon vor der Krise ist die Quadratestadt stärker von Armut in der Bevölkerung betroffen als andere Städte im Land, wie eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt. Es seien die unteren Einkommensgruppen, die die größten Verluste erlitten, sagt indes Akbulut in Bezug auf die Pandemie. „Corona verschärft die soziale Schieflage immer weiter, und wir müssen hier endlich gegensteuern.“ Fairkauf sei eine wichtige Einrichtung in Mannheim. „Ich würde mir wünschen, dass das stärker zur Kenntnis genommen wird von Bund und Land.“ Statt „einseitig die Wirtschaft mit Milliardenbeträgen zu entlasten“ brauche es mehr Unterstützung für die Menschen. 

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Redaktion Redakteurin und Online-Koordinatorin der Mannheimer Lokalredaktion