Kultur - Hack-Museum bereitet Aktion „Kunst aus dem Koffer“ für Kitas und Grundschulen vor / Überraschung mit Plüschhund Miró-Wand als Inspiration

Von 
Thomas Schrott
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Farbenfroh und formenreich: Die Miró-Wand bedeckt die gesamte Südfront des Hack-Museums zur Kaiser-Wilhelm-Straße hin. © dpa

Ludwigshafen. Die formenreiche, 55 Meter lange Miró-Wand an der Südseite des Hack-Museums zählt zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Welche künstlerischen Besonderheiten die Keramikwand aufweist, lernen Kinder im Alter von fünf bis neun Jahren bei einem neuen Projekt des Museums näher kennen. „Kunst aus dem Koffer“ heißt das Projekt für Kindergärten und Grundschulen. „Es soll die Neugier allgemein auf die Kunst, aber auch auf unser Haus wecken“, erläutert Museumspädagogin Theresia Kiefer die Zielsetzung. Der Koffer wird nicht nur während der Brandschutzsanierung des bis Mai geschlossenen Gebäudes unterwegs sein. Vielmehr ist das Projekt langfristig angelegt. Eigentlich sollte es Ende Januar starten, wegen der Pandemie wird der Beginn auf die nächsten Monate verschoben.

Berühmte Keramikwand



Die Miró-Wand besteht aus 7200 glasierten Steinzeugfliesen und zeigt viele Fabelwesen.

Mit einer Breite von 55 Metern und einer Höhe von zehn Metern zählt sie zu den größten Werken des katalanischen Künstlers Joan Miró.

Ihre Entstehung verdankt die Fassade einem Konstruktionsfehler, da das Museumsgebäude entgegen des Bauplans um vier Meter erhöht werden musste. Die Außenfläche vergrößerte sich enorm und verlangte nach einer künstlerischen Gestaltung.

Das Hack-Museum wurde 1979 eröffnet. Eine Schenkung des Kölner Kaufmanns Wilhelm Hack bildete den Grundstock der knapp 10 000 Werke umfassenden Sammlung.

Die Brandschutzsanierung (Kosten 2,59 Millionen Euro) läuft voraussichtlich bis Mai .

Auf Nachfragen reagiert

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„Wir hatten immer wieder Nachfragen von Kindereinrichtungen, die Näheres über das Museum wissen wollen. Mit dem 90-minütigen Programm können sich Kinder, Lehr- und Erziehungskräfte auf einen Besuch in unserem Haus mit dem umfangreichen Mitmachprogramm vorbereiten“, erläutert Kiefer das Ziel der Aktion.

Als Blickfang dient ein gelber Koffer, der viele Aufgaben und eine Überraschung enthält. Museumspädagogin Anna Quintus holt daraus viele Schachteln, öffnet und erklärt sie. Anhand eines Stadtplans suchen die Kinder zunächst, wo sich das Museum befindet. Danach bekommen sie eine Klapptafel mit der Miró-Wand, auf der sie verschiedene Tierformen entdecken können. Mit Nachbildungen der Skulptur „Habakuk“ von Max Ernst sowie des Gemäldes „Kegelspiel und Schaukel von Willi Baumeister werden den Kindern unterschiedliche Arten von Kunstwerken aufgezeigt.

Für eine große Überraschung dürfte eine Schachtel mit dem kleinen Plüschhund Bonito sorgen, der als Maskottchen der Aktion gilt. Denn der Labradorhund Bonito hatte einen besonderen Bezug zur Miró-Wand. Er gehörte dem Keramiker Joan Gardy Artigas und war vor dem Brennen der Kacheln über das Kunstwerk gelaufen – so dass sich seine Pfotenabdrücke auf der Wand verewigten.

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Bevor die Kinder selbst zu Pinsel und Farbe greifen, würfeln sie verschiedene Formen der Miró-Wand aus. Diese bilden die Grundlage ihrer Fantasiefiguren. Einziger Unterschied: Während die Vorschulkinder ihre Fabelwesen zu einem Mobile zusammenbauen, malen die älteren Schüler diese auf eine große Papierbahn. Die Gesamtwerke bleiben indes in den Kitas und Grundschulen – als Erinnerung an die Aktion.

Anhand eines Wimmelbildes folgt noch eine kleine detektivische Aufgabe. Die Kinder fahnden nach Gegenständen, die nichts mit einem Museum zu tun haben, oder auch nach Dingen, die in einem Museum nicht erlaubt sind.

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Behalten können die Kinder auch ihr Namensschild, das nicht nur als kleines Souvenir dient. Es gilt auch als ihre Eintrittskarte in das Wilhelm-Hack-Museum. „Die Auseinandersetzung mit Kunst schult das kreative Denken, übt den Perspektivwechsel und fördert das Sprachvermögen“, sieht Kiefer viele Vorteile des Programms.

Förderkreis unterstützt Projekt

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Unterstützt wird das Projekt von der Stiftung der ehemaligen Stadtsparkasse und vom Förderverein des Hack-Museums. „Wir wollen damit auch Kinder aus bildungsfernen Familien frühzeitig erreichen, die in Ludwigshafen einen beachtlichen Anteil ausmachen“, begründet Anette Haas vom Förderverein das Engagement. Diese Kunstvermittlung sei auch eine Auflage des Stifters.

Dazu zählt das Museumsatelier, das bei der derzeit laufenden Brandschutzsanierung umgebaut wird. Die Resonanz ist indes beachtlich. An den Malkursen nehmen jährlich rund 1000 Kinder und Erwachsene teil. Zudem finanziert der Förderkreis seit Jahren ein Ferienprogramm, das stets ausgebucht ist.

Redaktion MM-Redakteur seit 1984, zuständig für den Bereich Ludwigshafen - mit all seinen Facetten