Domkirche - Heike Ittmann und Anna Pikulska spielen bei einer musikalischen Abendandacht Werke für vier Hände und Füße

Feuerwerk aus Orgelklängen

Von 
Rosi Israel
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Anna Pikulska (vorne) und Heike Ittmann auf der Orgelbank in der Lampertheimer Domkirche. © Rosi Israel

Lampertheim. Heike Ittmann und Anna Pikulska zündeten am Sonntagabend ein Feuerwerk aus Orgelpfeifen. In der Lampertheimer Domkirche senkten sich die Klänge in die Seelen der Gottesdienstbesucher. Beim musikalischen Abendgottesdienst spielten die beiden Organistinnen Werke aus unterschiedlichen Epochen bis zur Neuzeit. Pfarrer Sven Behnke gestaltete die Liturgie.

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Das Orgel-Duo erreichte ein beeindruckendes Klangvolumen. Da alle Musikstücke vierhändig und vierfüßig interpretiert wurden, konnte vielfältig musiziert werden. Diese Vielfalt spiegelte sich auch im Rhythmus wider. Bei den heiteren Elementen kam sogar das Verlangen auf, sich beschwingt im Rhythmus dieser faszinierenden Orgelmusik zu bewegen.

Für die Spielerinnen, die sich das Instrument teilten, war es hörbar eine Freude. Aktuell können aufgrund der Corona-Pandemie keine Konzerte stattfinden, aber für die Instrumentalistinnen gab es an der blauen Vleugels-Orgel die Möglichkeit, diesen außergewöhnlichen Gottesdienst auszugestalten. Anna Pikulska ist Dozentin an der Hochschule für Musik in Mainz und musizierte nun zum zweiten Mal in Lampertheim. Bevor die beiden Organistinnen auf der Orgelbank zusammenrückten und in die Tasten griffen, absolvierten sie einen Corona-Schnelltest.

Obwohl es interessant gewesen wäre, das Spiel der Musikerinnen mit 20 Fingern und vier Füßen zu beobachten, musste die Empore für Besucher geschlossen bleiben. Neugierige hätten nur zu gerne beobachtet, wie das Orgel-Duo im Spiel spontan aufeinander reagierte. Einen fulminanten Auftakt lieferten Ittmann und Pikulska mit dem Allegro aus der Sonate d-Moll von Gustav Merkel.

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Tanzende Sonnenstrahlen

In seiner Begrüßung zitierte Lukaspfarrer Behnke die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff: „Ich bitte nicht um Glück auf Erden. Nur um ein Leuchten dann und wann.“ Erstaunlicherweise ließ die Sonne zeitgleich ihre hellen Strahlen im Inneren der Domkirche tanzen. Und am Ende des Gottesdienstes fragte Behnke die Besucher: „Haben Sie ein Leuchten hören oder sehen können? Hat Sie Gott erreicht?“. Nach dem Gebet aus der Lutherbibel, Psalm 43, wurden fünf Stücke des französischen Gegenwartskomponisten Naji Hakim aus den Apostel-Meditationen nach Holzschnitten von Lucas Cranach dem Älteren gespielt. Die Charakterisierung der Apostel im imposanten Kompositionsablauf ist für zwei Organisten geschrieben.

Nach der Lesung einer Passage aus dem Markus-Evangelium gedachte Pfarrer Behnke anlässlich der bevorstehenden Karwoche des Leidens und Sterbens Christi mit dem Gedicht „Christen und Heiden“ von Dietrich Bonhoeffer. Wolfgang Amadeus Mozarts Fantasie in f-Moll, für eine Flötenuhr geschrieben, durfte nicht fehlen. Stürmisch und dennoch filigran ausgearbeitet, ertönte Naji Hakims Werk „Der heilige Jakobus der Jüngere“. Und kräftig erklang der Beifall der Gottesdienstbesucher am Schluss.

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