Finanzen - Bürger können Einlagen zeichnen und damit die Investition in die neue Kinderkrippe Neuschloß unterstützen Bürger sparen für ihre Stadt

Von 
Uwe Rauschelbach
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"Spektakuläre Aktion" (v.l.): Bürgermeister Erich Maier, Gregor Ruh vom Kämmereiamt und Erster Stadtrat Jens Klingler sowie Erik Renz, Willi Sztorc, Marcus Walden und Frank Belzer von der Sparkasse Worms-Alzey-Ried.

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Lampertheim. Wenn Bürger bei der Sparkasse Worms-Alzey-Ried einen Geldbetrag anlegen, gewinnen nicht nur Sparer und Bank. Lachender Dritter ist die Stadt Lampertheim. Sie nämlich bekommt von ihrem Kreditinstitut am Ende ein zinsgünstiges Darlehen. Das Geld will sie für den Neubau der Kinderkrippe in Neuschloß einsetzen.

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"Eine spektakuläre Aktion", findet Bürgermeister Erich Maier. Bei der gestrigen Präsentation würdigte er das Spar- und Kreditmodell als konstruktiven Beitrag zur Bürgerbeteiligung. Im Einzugsbereich der Sparkasse Worms-Alzey-Ried handele es sich dabei um ein Pilotprojekt.

Konstruktive Lösungen

Lampertheims Erster Stadtrat und Finanzdezernent Jens Klingler hat es angestoßen. Die Kommunen müssten sich angesichts der anhaltenden Finanzkrise konstruktive Gedanken über die Finanzierung ihrer Investitionen machen, erläuterte Klingler gestern. Viele Kommunen hätten bereits Probleme, bei Kreditinstituten noch auf offene Türen zu stoßen. Beim Darlehensmodell sei es zugleich das Ziel gewesen, die Bürger mit einzubinden. Getragen von der Motivation: "Ich unterstütze meine Stadt."

Die Sparkasse habe sich als Kreditinstitut Lampertheims in den vergangenen Jahren als "verlässlicher Partner" erwiesen. Die Kooperation zugunsten eines innovativen Produkts habe sich angeboten. Die Verbindung zwischen Bank, Verwaltung und Bürger sah auch Klingler als etwas Besonderes an. Für die Stadt entstehe hierdurch kein administrativer Mehraufwand. Die Kreditkonditionen seien vergleichbar mit denen des Hessischen Investitionsfonds.

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Interessierte Bürger haben im Rahmen des Darlehensmodells die Möglichkeit, einen Sparkassenbrief zu erwerben. Sie können bei der Sparkasse Summen in Höhe von 1000 bis 5000 Euro anlegen. Diese werden über einen Zeitraum von fünf Jahren verzinst. Der Zinssatz für einen Sparkassenbrief beträgt 1,75 Prozent. Einen Teil des erwirtschafteten Geldes zieht die Sparkasse als Gewinn ein. Ein anderer Teil dient der Kommune zur Refinanzierung des Darlehens. Dieses hat ein Gesamtvolumen von insgesamt 750 000 Euro.

Historische Wurzeln

Laut Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Marcus Walden nähert sich die Sparkasse mit dem Spar- und Kreditmodell ihren historischen Wurzeln. Auch zu Beginn ihres Bestehens seien zunächst Bürgereinlagen gesammelt worden. Den Zinssatz von 1,75 Prozent für den Sparkassenbrief hat die Bank an die Zahl 175 geknüpft: Seit so vielen Jahren besteht die Sparkasse. Laut Walden bekommen die Bürger, die einen Sparkassenbrief erwerben, drei Vorteile geboten: Sie unterstützen mit der Kinderkrippe ein kommunales Projekt, erhalten eine sichere Einlage und das mit 1,75 Prozent Zinsen zu guten Konditionen.

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Bürgermeister Erich Maier erklärte unterdessen, bei der Spar- und Darlehensaktion zugunsten der Kinderkrippe handele es sich zunächst um ein singuläres Projekt. Ob sich daraus weitere Vorhaben ergäben, werde zu prüfen sein. Mitgeteilt wurde gestern auch, dass die Einlagen ab heute in allen Lampertheimer Filialen der Sparkasse gezeichnet werden können. Die Zeichnungsfrist endet am 11. Oktober. Die Vertreter von Sparkasse und Verwaltung gehen davon aus, dass die Sparkassenbriefe in wenigen Tagen vergeben sein werden.