Ladenburg: Am Ende eines langwierigen Genehmigungsverfahrens siegte die Kunst Kissels Windskulptur wächst an der A5

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Hans-Jürgen Emmerich

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Schon seit Wochen steht das Gerüst nahe der Autobahn an der Anschlussstelle Ladenburg/Schriesheim. 14 Meter ragt die Konstruktion in den Himmel. Wird hier nach Öl gebohrt? Oder soll die Erdwärme angezapft werden? Nichts von alledem. Hier, auf freiem Feld, entsteht vielmehr die seit Langem geplante kinetische Windskulptur des Ladenburger Künstlers Hans-Michael Kissel, die im Sommer fertig sein soll.

"Das 20 Meter hohe Werk erinnert an den Ur-Baum, der in der Kunst immer wieder neue Gestaltungsformen sucht und findet", erläutert Kissel. In unmittelbarer Nähe zu einem stattlichen Nussbaum, seit Generationen Symbol der Baumschule Huben, gesellt sich nun also eine technische Konstruktion, die nach den Worten des Künstlers "in ihren Bewegungen und in ihrer Beweglichkeit den Bereich der Pflanzenwelt übernimmt und zu einem Teil der Natur wird".

Steiniger Weg ans Ziel

Ein Kunstwerk, das einen steinigen Weg hinter sich hat. Ursprünglich war daran gedacht, es bereits im Jahr des Grünprojektes 2005 zu realisieren, doch die erforderliche Genehmigung ließ auf sich warten. In den vergangenen drei Jahren zog sich das Verfahren laut Kissel hin. Etliche Behörden hätten einbezogen werden müssen, "die dieses seltene, angeblich höchste kinetische Werk genehmigen mussten". Dabei ging es beispielsweise um die Frage, ob das Kunstwerk die Autofahrer zu sehr ablenkt, den Vogelflug behindert oder den ruhigen Charakter des Rheintales stören könnte. Und das, obwohl nur wenige hundert Meter entfernt seit Jahren die meterhohe, gelbleuchtende Werbung von Mc Donalds auf die Autobahn strahlt. "Doch diese Leuchtreklame und die Mobilfunkantennen fallen nicht unter derartige Überlegungen, da sie von technischem oder wirtschaftlichem Nutzen sind", vermutet Kissel. Eine Investition in Schönheit und Ästhetik zur Bereicherung einer Landschaft sei da wohl schon problematischer.

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Aber Kissel ließ nicht locker auf der Odyssee durch die Behöreden. Nachdem die genannten Bedenken die Investition von Baumschul-Inhaber Andreas Huben zu ersticken drohten, habe Landrat Dr. Jürgen Schütz Fakten geschaffen und bei einem Vor-Ort-Termin alle Bedenkenträger angehört. So konnten Einwände abgewogen und ein positives Ergebnis gefunden werden.

Hilfreich war dabei auch eine Bestimmung, wonach die Behörden bis zu einem Abstand von 40 Metern zur Autobahn mitreden können, bei dem jetzt gewählten Abstand von 120 Metern jedoch nicht. Das Stativ der Windskulptur, drei rot lackierte Stangen, wurden in einem gewaltigen Fundament befestigt und konnten so über Winter "einwachsen", wie Kissel erläutert. Wenn der Ackerboden jetzt wieder befahrbar ist, wird das Werk vollendet. Mit einer Krone, deren Elemente beweglich sind. So, wie man es von Hans-Michael Kissel kennt.